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Das war beim Boxevent in Gersthofen

Boxen

Lokalmatadore und harte Kämpfe: Gersthofen erlebt eine magische Boxnacht

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    Der Gersthofer Emir Kececi feierte in der Turnhalle seiner ehemaligen Schule einen Sieg gegen den Argentinier Marcelo Ruben Molina.
    Der Gersthofer Emir Kececi feierte in der Turnhalle seiner ehemaligen Schule einen Sieg gegen den Argentinier Marcelo Ruben Molina. Foto: Oliver Reiser

    Luxus-Limousinen mit hohen PS-Zahlen, ein roter Teppich im Eingangsbereich, goldene VIP-Bändchen. So ein Event hat die Halle der Gersthofer Anna-Pröll-Mittelschule noch nie erlebt. Und so einen Ansturm ebenfalls noch nicht. Knapp 1.000 Zuschauer strömten in die zur „Gladiator-Arena“ umgestalteten Schulturnhalle, um neun von der Augsburger Sportschule Gladiator und der GladiatorX Boxpromotion präsentierte Profikämpfe mitzuerleben. „Wir haben sogar noch Stehplatzkarten ausgegeben“, freute sich Esma Kececi, die zusammen mit ihrem Mann Sedat seit 15 Jahren in Augsburg die Kampfsportschule Gladiator betreibt, über eine rundum gelungene Veranstaltung. Aber nicht nur für die Organisation dieses Spektakels, das weit mehr als nur Boxsport bot, durfte das in Gersthofen lebende Ehepaar Glückwünsche entgegen nehmen. Auch sportlich lief es für ihren Sohn Emir und die Lokalmatadore ihrer Schule prächtig.

    Bildergalerie: Gladiatoren steigen in Gersthofen in die Arena

    Gladiator Arena Boxen Gersthofen
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    92 Bilder
    Die besten Bilder von der Box-Gala der Sportschule Gladiator vor knapp 1.000 Zuschauern in der Turnhalle der Mittelschule in Gersthofen.

    Kurz und schmerzvoll enden die ersten Kämpfe

    Kurz und schmerzvoll für ihre bedauernswerten Gegner beendeten zwei Gladiator-Schützlinge ihre ersten Profi-Kämpfe. Den in der Ukraine geborenen Armenier Albert Ghazaryan, der seit neun Jahren in Deutschland lebt, hat die Familie Kececi sozusagen als Ziehsohn aufgenommen. Der 20-Jährige ist der Vorzeigeathlet. Weil es von seinem Heimatort Kirchheim keine Zugverbindung nach Augsburg gibt, ist er anfänglich 40 Kilometer mit dem Rad zum Bahnhof nach Mindelheim gefahren, um ins Training zu kommen. Nach 2:48 Minuten hatte er Norbert Farkas durch technischen K.o. bezwungen.

    Otay Budak (rechts) brauchte nur wenige Sekunden, um seinen ersten Profi-Kampf gegen Jan Uhrin vorzeitig durch technischen K.o. zu beenden.
    Otay Budak (rechts) brauchte nur wenige Sekunden, um seinen ersten Profi-Kampf gegen Jan Uhrin vorzeitig durch technischen K.o. zu beenden. Foto: Oliver Reiser

    Noch schneller war Oktay Budak. Bereits in der ersten Runde schickte er den völlig überforderten Tschechen Jan Uhrin auf die Bretter. „Ich hätte gerne länger geboxt“, freute sich der 22-Jährige, der nach seinem Abitur nun in der Logistik eines großen Unternehmens arbeitet, mit seinen Arbeitskollegen. „Mit solchen Leuten im Rücken kann ja nichts schief gehen.“ Ebenso kurzen Prozess machte Alessandro Sisca mit Kristian Farkas. Auch hier brauchten die Nummerngirls nur die Tafel mit der Eins präsentieren. „Ich dachte, dass es schwieriger wird, weil ich so aufgeregt war“, bilanzierte der Italiener im Gespräch mit Ringsprecher Mustafa Göktas aus Stuttgart, der ansonsten die Kämpfe von Felix Sturm moderiert. Seinen dritten Sieg im dritten Kampf feierte Melih Kalayci. Sein Gegner Zaza Amiridze aus Georgien blutete bereits nach wenigen Minuten von Gesichtstreffern gezeichnet und befleckte die blütenweißen Handschuhe des Schützlings von Meistertrainer Firat Arslan aus Göppingen.

    „Bis jetzt ist es ziemlich langweilig, weil alle Kämpfe so schnell vorbei sind“, meinte Bülent Güney. Der Gersthofer, bis zu seiner Hochzeit selbst aktiver Kickboxer, ließ sich dieses Event vor seiner Haustür natürlich nicht entgehen. So gab es in den längeren Pausen Gelegenheit, sich an türkischen Spezialitäten zu laben, den Klängen einer Violinspielerin zu lauschen oder mit dem Duo Infinity zu rappen. Außerdem versprühten Salvatore & Rosario gute Laune.

    Frauen-Kampf wird von Ringrichterin geleitet

    Der Frauen-Kampf von Chanell Reinhardt gegen Ester Konecna wurde von Ringrichterin Diana Milani geleitet.
    Der Frauen-Kampf von Chanell Reinhardt gegen Ester Konecna wurde von Ringrichterin Diana Milani geleitet. Foto: Oliver Reiser

    Erstmals über die volle Distanz von vier Runden ging es im Kampf von Chanell Reinhardt aus Weingarten, dem neuen Stern am Frauen-Boxhimmel, gegen die erfahrene Tschechin Ester Konecna. Unter der Leitung von Deutschlands einziger Profi-Ringrichterin Diana Milani lieferten sich die beiden Frauen einen harten Kampf. Obwohl von vielen weiblichen und jugendlichen Fans angefeuert konnte sich Reinhardt nicht durchsetzen. „Das war nicht mein Tag. Im nächsten Kampf wird es garantiert wieder einen K.o.“, zeigte sich die „Demolition Diva“ nach dem Unentschieden enttäuscht.

    Bei den meisten Kämpfen war der Sieger schon angesichts der körperlichen Unterschiede vorhersehbar. So versprach der Kampf von Modellathlet Samuel Oduro aus Stuttgart gegen den nicht ganz austrainiert wirkenden Nikoloz Berkatsashvil aus Georgien ein schnelles Ende. Tatsächlich wurde der erfahrene Georgier zweimal angezählt, ehe der Kampf nach 1:31 Minuten beendet war.

    Emir Kececi feierte den Sieg mit seinem ehemaligen Lehrer Fabian Hüttinger.
    Emir Kececi feierte den Sieg mit seinem ehemaligen Lehrer Fabian Hüttinger. Foto: Oliver Reiser

    Ganz anders sah die optische Lage beim Kampf von Emir Kececi in seiner ehemaligen Schule aus. Sein zehn Jahre älterer Gegner Marcelo Ruben Molina aus Argentinien sah mit seinen viel Tattoos wirklich furchteinflößend aus. Doch der 20-Jährige ließ sich nicht beirren. „Es war ein tolles Gefühl hier in der Heimat zu kämpfen. Es lief sehr gut. Da ich nicht über mehrere Runden gegen den erfahrenen Gegner kämpfen wollte, habe ich mehr Druck gemacht“, freute er sich nach seinem Sieg durch technischen K.o. in der ersten Runde. Als erster Gratulant kletterte sein ehemaliger Lehrer Fabian Hüttinger in den Ring. „Heute würde ich mich im Pausenhof wohl nicht mehr mit ihm anlegen“, lachte Hüttinger.

    Atalay widmet den Sieg seinem Vater

    Nachdem sich der Brasilianer Eduardo Bajak (Giengen/Brenz) und der Chinese Seiran Engel (Düsseldorf) ein erbittertes Gefecht über acht Runden geliefert hatten, gab es im Hauptkampf wieder ein schnelles Ende. Der seit neun Jahren der Liebe wegen in Gersthofen lebende Kerim Atalay, der mit einer Gladiatoren-Maske einmarschierte, landete gegen Francisco Ramon Benitez ebenfalls in der ersten Runde einen Leberhaken, der den Argentinier außer Gefecht setzte. „Ich bin mittlerweile bekannt für meine Körpertreffer“, freute sich der Mitarbeiter des Augsburger Ordnungsamtes, der sich wenige Tage nach seinem 31. Geburtstag selbst beschenkte. Richtig emotional wurde es, als er sich bei seinen Trainern Magomed Schaburow (Der immer das Beste aus uns rausholt.“) und Sedat Kececi (“Seit 18 Jahren an meiner Seite.“) bedankte und den Sieg seinem Vater widmete, der am Vortag seinen 80. Geburtstag begehen konnte.

    Eine Violinspielerin intonierte in den Pausen die weltbekannten Box-Hits „Final Countdown“ oder Eye of the Tiger“.
    Eine Violinspielerin intonierte in den Pausen die weltbekannten Box-Hits „Final Countdown“ oder Eye of the Tiger“. Foto: Oliver Reiser

    Gersthofen und Boxen gehört zusammen

    „Gersthofen und Boxen - das gehört zusammen“, so fasste Bürgermeister Michael Wörle den Abend zusammen. Das scheidende Stadtoberhaupt meinte damit nicht nur Weltmeister Robin Krasniqi, der in Batzenhofen wohnt und in der Lechstadt ein Gym betreibt, sondern auch den bekannten Ringsprecher, Bayern 1-Moderator Roman Roell, der in Gersthofen aufgewachsen und mit ihm zusammen zur Schule gegangen ist. Während Wörle, der Krasniqi bei seinem WM-Kampf in Magdeburg begleitet hat, fast schon ein Experte ist, war seine designierte Nachfolgerin Susanne Olita erstmals beim Boxen. „Sehr interessant“, konstatierte sie und blickte auf ihre eigene Wahl-Kampfzeit zurück, die Ausdauer, Disziplin und Respekt gefordert hat. Was Boxen und Politik noch gemeinsam haben: „Wenn man eine drüber kriegt, muss man aufstehen und weitermachen“, so Olita.

    Kerim Atalay widmete seinen Sieg seinem Vater, der am Tag zuvor seinen 80. Geburtstag gefeiert hatte.
    Kerim Atalay widmete seinen Sieg seinem Vater, der am Tag zuvor seinen 80. Geburtstag gefeiert hatte. Foto: Oliver Reiser
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