Ironman auf Hawaii: Für Triathlet Stefan Wieland geht ein Traum in Erfüllung
Triathlon
Der lange Weg zum Lauterbrunner Ironman: Es beginnt mit einer Verletzung und endet auf Hawaii
Stefan Wieland stand nicht nur einmal kurz davor, aufzugeben. Nun startet der Lauterbrunner beim Ironman auf Hawaii. Eine Geschichte mit Höhen und Tiefen.
Triathlet Stefan Wieland aus Lauterbrunn nimmt im Oktober am Ironman Hawaii teil. Dafür musste der 38-Jährige einige Strapazen auf sich nehmen.Foto: Sportograf
Mehrfach war Stefan Wieland kurz davor, alles hinzuschmeißen. Doch der Triathlet kämpfte sich immer wieder zurück, ließ sich weder von Verletzungen, Misserfolgen noch dem Hausbau stoppen, und biss sich durch. Mit Erfolg: Im Oktober startet der 38-Jährige auf der berüchtigten Triathlon-Langdistanz auf Hawaii. Warum sich der Lauterbrunner im Moment seines größten Erfolgs gar nicht richtig freuen konnte.
Stefan Wieland aus Lauterbrunn nimmt am Ironman Hawaii teil. Für den 38-Jährigen war es ein langer Weg mit vielen Rückschlägen.Foto: Sebastian Richly
„Ich muss alles selbst finanzieren, weil ich keine Sponsoren habe. Sogesehen ist meine Zeit als Triathlet allein dadurch schon arg begrenzt. Dennoch bin ich froh, dass ich mir diesen Lebenstraum erfüllen kann“, erzählt Stefan Wieland am Küchentisch seines Hauses. Auf sein Eigenheim ist der Lauterbrunnen fast noch stolzer als auf die Teilnahme am Ironman Hawaii. „Wir haben alles selbst gemacht. In vier Jahren haben wir hier so viel Arbeit reingesteckt. Ich weiß gar nicht, wie ich da noch so viel trainieren konnte.“
Ironman aus Lauterbrunn: Das ist Stefan Wieland
Denn neben dem Beruf als Vertriebsmanager standen viele Arbeiten Zuhause an. „Das war alles ein bisschen viel. Das habe ich mental und körperlich dann auch zu spüren bekommen.“ Zwischendrin war der Sportler ausgebrannt, musste sich mehrere Auszeiten von Wettkämpfen nehmen und eine Schulterverletzung warf ihn zwischenzeitlich aus der Bahn. Noch heute beeinträchtigt ihn diese Verletzung. Im Winter musste Wieland deshalb auf das Schwimmen verzichten, ohnehin nicht seine Paradedisziplin.
„Als Jugendlicher war ich ein guter Schwimmer, aber egal, wie viel ich trainiere, ich werde nicht mehr zu den Besten gehören. Ich bin auch sehr abhängig von den äußeren Bedingungen“, sagt Wieland. Der Lauterbrunner mag es warm, weshalb ihm das Rennen auf Hawaii entgegenkommt. Natürlich möchte er eine möglichst gute Zeit erreichen, am besten so nah wie möglich an die neun Stunden herankommen, doch eine andere Sache ist ihm viel wichtiger. „Es ist der Höhepunkt meiner Karriere, und da will ich doch Spaß haben.“
Stefan Wieland aus Lauterbrunn qualifizierte sich in Tallinn für den Iron Man auf Hawaii. Der 38-Jährige hat eine bewegte Triathlon-Geschichte.Foto: Sportograf
Ganz anders sah es noch im vergangenen Jahr aus, als Stefan Wieland im estnischen Tallinn ein starkes Rennen hinlegte und sich in seiner Altersklasse tatsächlich für den Ironman auf Hawaii qualifizierte. „Ich konnte mich nicht freuen, es war einfach nur ein Job für mich. Eigentlich echt traurig im Nachgang. Das möchte ich so nicht mehr erleben.“ Auch danach fiel er in ein Loch, fühlte sich antriebslos und gönnte sich eine Auszeit.
Triathlon: Challenge Roth als großes Ziel
Alles fing mit dem Laufen an. Ein Freund fragte Wieland 2008, ob er nicht auch mal mitlaufen möchte und schon bald absolvierte er seinen ersten Zehn-Kilometer-Lauf. Die Lust war geweckt. „Ich war gleich sehr gut und habe gemerkt, dass ich mit verhältnismäßig wenig Training besser werde.“ Also intensivierte Wieland seine Bemühungen und steigerte sich. Doch anscheinend übertrieb er es. Eine Schienbeinentzündung zwang ihn zur Pause, wodurch er zwangsweise aufs Rad umsteigen musste und mit dem Schwimmen begann. „Am Anfang war das nur ein Ersatz bzw. ein Ausgleich, aber dann habe ich gemerkt, dass ich richtig Spaß habe.“
Und so wurde Stefan Wieland 2013 zum Triathleten. Sein großes Ziel war immer die Challenge Roth, die er 2015 erstmals absolvierte. „Ich habe richtig gelitten und mein Ziel weit verfehlt“, erinnert sich Wieland. Doch auch davon ließ er sich nicht unterkriegen. Zehn Jahre später knackte er sogar die magische Neun-Stunden-Marke an selber Stelle. Im selben Jahr gewann Wieland in München sein erstes großes Rennen. „Das war ein Schlüsselmoment und hat in mir den Glauben geweckt, dass ich es nach Hawaii schaffen kann.“
Ironmann Hawaii: „Einmaliges Erlebnis“ für Lauterbrunner
Bis zum Oktober wird der 38-Jährige aber sein Pensum nochmals erhöhen, um dann auf Hawaii topfit zu sein. „Ich habe früher schon immer den Wettkampf im Fernsehen verfolgt. Ich kann nicht glauben, dass ich da jetzt dabei bin. Da will ich dann auch meine beste Leistung abrufen.“ Er fährt mit dem Rad meist Richtung Dillingen und Donauwörth, mal bis zu 160 Kilometer am Stück. Im Winter wird auf dem heimischen Laufband oder in der näheren Umgebung im Holzwinkel. Für das Schwimmtraining weicht der Lauterbrunner im Winter ins Hallenbad aus, im Sommer schwimmt er im See bei Weisingen. „Triathlon ist eine zeitintensive Sportart. Ich müsste eigentlich sogar noch öfter trainieren, aber das schaffe ich einfach nicht und tut mir auch nicht gut.“
Zuvor stehen noch einige Wettkämpfe an, etwa der Triathlon in Lauingen und der Nordschwabenlauf in Gundelfingen. Außerdem startet Wieland beim Allgäu Triathlon. Was nach Hawaii kommt, weiß Stefan Wieland noch nicht, nur so viel: „Vermutlich wird das ein einmaliges Erlebnis sein.“ Sportlich unterwegs wird der 38-Jährige mit dem Bewegungsdrang aber so weiterhin sein. Und auch am Haus gibt es noch einiges zu tun. „Das auf jeden Fall. Der Garten ist als Nächstes dran.“
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