Große Erfolge wie Pokale und Meisterschaften kann Nicole Scheich nicht vorweisen, das wollte die Leichtathletin allerdings auch nie. Für die 23-Jährige stand schon immer der Spaß im Vordergrund. Daran hat sich nichts geändert. Beim TSV Gersthofen trainiert sie seit 2019 die U10 und ist mittlerweile auch Jugendleiterin. Wie die junge Frau Studium und Training unter einen Hut bringt und warum ihr der Umgang mit dem Nachwuchs später auch im Beruf helfen kann.
„Ob ich als Lehrerin in ein Klassenzimmer komme, oder hier in die Halle als Trainerin – da gibt es sicher einige Gemeinsamkeiten“, erklärt Nicole Scheich, die im neunten Semester Lehramt studiert. Ihre Hauptfächer sind Französisch und Geografie. „Man muss sich Respekt verschaffen. Wenn alle laut sind, kann ich nicht einfach die Begrüßung machen. Pädagogik spielt auch beim Training eine wichtige Rolle. Das hilft mir später hoffentlich im Beruf.“
Leichtathletik: So wird beim TSV Gersthofen in der U10 trainiert
Wobei ihre Schüler dann etwas älter sein werden, als ihre Schützlinge beim TSV Gersthofen. Die sind acht und neun Jahre alt. Mit den Bambini gibt es aber noch eine Altersgruppe darunter. Insgesamt kümmert sich Nicole Scheich um 38 Kinder, zusammen mit drei anderen Trainern. Einer davon ist ihr Bruder Maximilian, der für die SpVgg Auerbach-Streitheim schon einige Meisterschaften gewonnen hat. „Ich hatte nie seinen Ehrgeiz. Ich wollte einfach nur trainieren und Spaß haben. Natürlich freut man sich, wenn man besser wird, aber ich musste mich nie mit anderen messen“, schildert die 23-Jährige den Unterschied zu ihrem Bruder.
Neben der Trainingsplanung kümmert sich Nicole Scheich zusätzlich um organisatorische Dinge. Überhaupt bleibt ihr neben Studium und Leichtathletik wenig Zeit. „Am Freitag muss ich nicht in die Uni, da plane ich dann immer das Training.“ Darauf legt die angehende Lehrerin großen Wert. „Der Unterricht muss auch vorbereitet werden. Ich will den Kindern etwas bieten, und dann kann ich mir nicht vor Ort spontan etwas überlegen.“
Im Winter wird einmal pro Woche rund anderthalb Stunden lang trainiert, im Sommer sind es zwei Tage pro Woche. Nach dem Aufwärmen und Dehnen geht es zu spezifischen Übungen in den verschiedenen Disziplinen. Scheich und ihr Trainerteam achten darauf, dass die Kinder eine breite Ausbildung in allen Bereichen bekommen. „Sie sollen alles lernen und können sich dann später spezialisieren, aber natürlich sehen wir schon, ob der ein oder andere Talent hat.“
Angehende Lehrerin Nicole Scheich aus Gersthofen bekommt Preis
Die meisten sind schon ein oder zwei Jahre dabei, bevor sie zur U10 kommen. „Es geht um die Technik. Es fängt schon an, wie man einen Ball hält. Auch die Laufschule ist ganz wichtig, denn manche wissen nicht, wie man richtig läuft. Und das zeigen wir ihnen dann.“ Langweilig wird es der 23-Jährigen bei fast 40 Kindern nie.
Für ihre Verdienste wurde Nicole Scheich von der Deutschen Leichtathletik-Jugend (DLJ) ausgezeichnet. Prämiert wurden Personen zwischen 14 und 26 Jahren, die sich in besonderer Weise für ihren Verein oder Verband einsetzen. Dass die Wahl der Jury auf die 23-Jährige fiel, überrascht nicht. Ihr Training ist geprägt von Kreativität, pädagogischem Feingefühl und viel Liebe zum Detail. So gestaltet die Lehramtsstudentin seit drei Jahren einen digitalen Adventskalender, der täglich sportliche Aufgaben, Rätsel oder kleine Rezepte an die Familien versendet. Sie entwickelte zudem das Gruppenmaskottchen Biene Lilli, gestaltete passende T-Shirts und Caps und schreibt sogar eigene Bewegungsgeschichten – etwa über die „Familie Bienenglück“, die Weihnachtsabenteuer erlebt.
Spielerische Elemente gehören für Scheich fest zum Konzept: Krafttraining wird schon einmal in ein Brettspiel verpackt, Themenstunden zu Halloween oder Ostern sorgen für Abwechslung, und nachhaltige, selbst gebaute Trainingsgeräte geben dem Training eine persönliche Note. Während der Coronazeit bot sie zusätzlich wöchentliche Online-Trainings samt gemeinsamer Entspannungsgeschichte an.
TSV Gersthofen: Nicole Scheich ist mit Herzblut Trainierin
Ihre Motivation schöpft die Gersthoferin aus ihrer Arbeit mit den Kindern. Als Lehramtsstudentin kann sie viele Konzepte aus dem Studium und ihrer 2024 erworbenen Trainerlizenz sofort praktisch anwenden. „Die jungen Athleten geben einem so viel zurück. In zwei Jahren wächst eine richtige Bindung – und trotzdem bleibt man professionell und vermittelt erste leichtathletische Grundfertigkeiten“, erklärt sie. Besonders freut sie sich, wenn ältere Kinder, die in höhere Gruppen wechseln, sie begeistert begrüßen: „Das zeigt mir, dass ich ihnen etwas mitgeben konnte.“
Ob ihre Schützlinge später einmal Titel einfahren, ist der 23-Jährigen deshalb auch nicht so wichtig. „Wir wollen das sie besser werden und die Voraussetzungen schaffen, dass sie erfolgreich sein können. Aber wenn jemand wie ich einfach nur aus Spaß dabei ist und die Gemeinschaft liebt, ist das völlig in Ordnung.“
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