Startseite
Icon Pfeil nach unten
Augsburg Land
Icon Pfeil nach unten
Stadtbergen
Icon Pfeil nach unten

Stadtbergen: Anwohner der Kneippanlage in Stadtbergen wollen gegen "Schwarzbau" klagen

Stadtbergen

Anwohner der Kneippanlage in Stadtbergen wollen gegen "Schwarzbau" klagen

  • |
  • |
  • |
    Die Liste der Verbote am Eingang zum Kneippbecken in Stadtbergen ist lang. Anwohner kritisieren jedoch, dass es dort immer noch zu viel "Halligalli" gibt und wollen jetzt klagen.
    Die Liste der Verbote am Eingang zum Kneippbecken in Stadtbergen ist lang. Anwohner kritisieren jedoch, dass es dort immer noch zu viel "Halligalli" gibt und wollen jetzt klagen. Foto: Marcus Merk

    Es soll den Kreislauf anregen, die Durchblutung fördern und den Stoffwechsel verbessern. Wassertreten nach der Methode von Pfarrer Kneipp liegt voll im Trend und dient dem Wohlbefinden. Normalerweise. In Stadtbergen allerdings sorgt die Kneippanlage wieder einmal für einen eher ungesunden Anstieg des Blutdrucks. Deutlich wurde dies unter anderem auch bei der jüngsten Sitzung des Bauausschusses im Rathaus. Bürgermeister Paul Metz musste gleich mehrfach auf die verbalen Angriffe eines Stadtrats reagieren.

    Mit welchen harten Bandagen die Gegner des Kneippbeckens ihre Kritik vorbringen, haben bereits einige Sitzungen in der Vergangenheit gezeigt. Bürgermeister Paul Metz musste beispielsweise vor etwas mehr als einem Jahr eine Zuschauerin mehrmals ermahnen, die Beratungen nicht zu unterbrechen. Nach dem vierten Zwischenruf warnte er sie, dass er von seinem Hausrecht Gebrauch machen müsse, sollten die Störungen nicht unterbleiben. Diesmal aber gab es Störfeuer quasi aus den eigenen Reihen. Gleich mehrfach kritisierte Thomas W. Oppel von Pro Stadtbergen das "Planschbecken" und redete Stadtbergens Stadtoberhaupt mit verniedlichten Koseformen seines Titels an. Metz konterte die Attacken jedoch souverän.

    Lage des Kneippbeckens Stadtbergen entspricht nicht dem Bauantrag

    "Ich verbiete mir solche Äußerungen", sagte er ruhig. Oppels "Beleidigungen" seien "nicht die feine Art" und eine "Frage des Anstands". Stadtrat Michael Niedermair (CSU) fand kurze Zeit später hingegen deutlichere Worte. "So dumm hat noch niemand daher geschwätzt", sagte er über Oppels Wortmeldung. Stein des Anstoßes war die Tektur zum Neubau des Kneippbeckens südlich des August-Abenstein-Wegs. Zwar wurde die Größe der Anlage von der Stadt ordnungsgemäß beantragt und auch vom Landratsamt genehmigt. Die Lage allerdings entspricht nicht der des Bauantrags.

    "Warum die Anlage parallel zum Fußweg – statt wie geplant etwas gen Süden gedreht – gebaut wurde, lässt sich heute nicht mehr klären", sagte Bauamtsleiter Rainer Biedermann. Er ist erst kurz nach der Eröffnung im Mai 2019 im Amt. Fakt sei jedoch, dass sich am Sachverhalt lediglich die Lage und nicht die Größe und Ausführung des Kneippbeckens geändert habe. Dies soll nun durch die Änderung des Bauantrags nachträglich korrigiert werden. Dies wollen einige Anwohner jedoch nicht so ohne Weiteres hinnehmen. Sie haben mittlerweile einen Anwalt eingeschaltet und sprechen von einem "Schwarzbau".

    Anwohner klagt: "Das Becken wird nicht zum Kneippen benutzt"

    "Das Kneippbecken befindet sich aufgrund der geänderten Lage sechs Meter näher an dem August-Abenstein-Weg", sagt Elke Mausch. Sie wohne unmittelbar dahinter und habe nun unter erheblichen Lärmbelästigungen zu leiden. Kinder würden die Kneippanlage als Planschbecken missbrauchen, Lärm und Geschrei bis spät in die Nacht seien an der Tagesordnung und junge Leute feierten dort laute Partys. Sogar mit Wasser gefüllte Luftballone oder Steine seien immer wieder gegen ihr Haus geworfen worden. "Das Becken wird nicht zum Kneippen benutzt", kritisiert auch ihr Nachbar Fritz Schlögl. Zudem hätte die Stadt mit einem nicht genehmigten Armwaschbecken der ganzen Sache "noch eins drauf gesetzt". Sie fordern daher, dass die Anlage vom jetzigen Ist-Zustand in die ursprünglich beantragte Lage zurückversetzt werde und haben mittlerweile sogar einen Anwalt eingeschaltet.

    Anwalt Bernhard Hannemann teilt die Kritik der Anwohner. "Es ist ein Schwarzbau, da die Anlage nicht entsprechend der Baugenehmigung errichtet wurde", sagt er auf Anfrage unserer Redaktion. Auflagen, wie beispielsweise die im Bauantrag beschriebene Bepflanzung, seien nicht erfüllt worden, das Armwaschbecken wäre ohne Antrag gebaut worden. "Wenn ich als privater Häuslebauer mich nicht an die Vorgaben halte und nur ein paar Zentimeter zu hoch baue, bekomme ich ein Ordnungsgeld aufgebrummt oder sogar eine Beseitigungsverfügung", sagt er. "Wie will man als Kommune authentisch wirken, wenn mit zweierlei Maß gemessen wird?", fragt er.

    Videos zeigen "Halligalli" in der Kneippanlage Stadtbergen

    Videos der Anwohner hätten zudem eindeutig belegt, dass dort regelmäßig "Halligalli" stattfindet. Würde die Anlage wirklich nur zum Kneippen genutzt, wäre ja alles in Ordnung. So aber sei die Stadt in der Verantwortung und müsse unter anderem durch verstärkte Kontrollen diese Auswüchse unterbinden. Markus Voh, der Leiter des Ordnungsamts, hat regelmäßig entsprechende Beschwerden zu bearbeiten und widerspricht. "Wir führen regelmäßig Kontrollen durch und haben wilde Partys und die geschilderten Lärmbelästigungen nicht feststellen können", sagt er. Natürlich versuche man die geltend gemachten Beeinträchtigungen in den Griff zu bekommen. So seien beispielsweise entsprechende Schilder aufgestellt worden, die auf entsprechende Verbote hinweisen und zur Rücksichtsmaßnahme auffordern. Rechtlich sei jedoch eine Nutzung als Sport-, Freizeit- und Erholungsfläche zulässig.

    Abgelehnt wurde daher auch ein Antrag der Anwohner, eine Mittagsruhe von 12 bis 14 Uhr vorzuschreiben und die Nutzung nur bis 18 Uhr zuzulassen. Der Grund für die Beibehaltung der Zeiten von 7 bis 22 Uhr sei gewesen, dass vor allem im Sommer auch Berufstätige nach Feierabend noch Gelegenheit haben sollen, in der Kneippanlage etwas für ihre Gesundheit zu tun. So habe es laut Voh sogar Beschwerden gegeben, dass die Kneippanlage zu früh schließe. Anwalt Hannemann und die Anwohner warten nun erst einmal die Antwort des Landratsamts auf die Tekturänderung ab. Sollte die Entscheidung nicht im Sinne der Anwohner ausfallen, werde man klagen, sagt Hannemann.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein
    Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden