Enttäuscht wurde, wer geglaubt hatte, dass evangelische Geistliche vor den frösteln machenden Eisheiligen – noch dazu alle mit katholischen Namen – kapitulieren würden. Das nunmehr dritte Nachbarschaft-Tauf-Fest an einem Gewässer fand statt, wenn auch zunächst nur unter ziemlich verschärften Wetterbedingungen beim romantisch gelegenen Badeweiher westlich der Marktgemeinde.
Während nach und nach voll besetzte Autos, Mopeds, Fahrräder und Campingwagen dort eintrafen, fegte noch ein kühler Wind durch die Bäumchen am See. Schwere, dunkle Wolken zogen darüber hinweg und gaben nur selten den Blick auf einen blauen Himmel frei, der in diesen Stunden nicht nur meteorologisch, sondern auch liturgisch im Mittelpunkt stehen sollte. Pünktlich zum Festbeginn mit mehr als 200 Menschen – darunter 15 Täuflinge und deren Paten – ließ sich der große Heimatstern blicken. Da strahlten die Sonne und Pfarrerin Schobel um die Wette. Diakon Frembs, der für seine „Schäfchen“ im Bereich Meitingen sprach, versicherte schmunzelnd, dass „wir diesen Ablauf beim Herrn bestellt haben.“ Anna Barth von der Kirchengemeinde Gersthofen sah „Himmel und Erde jetzt ganz nahe zusammen“ und Felix Henkelmann (Zusmarshausen) fühlte sich wegen der sehr durchwachsenen Witterung an seinen kürzlich abgestatteten Island-Besuch erinnert.
Viel Gesang und Geklatsche in Thierhaupten
„Der Himmel geht über allen auf“, lautete auch das vierte Lied in Folge bei dieser Taufe, dem ältesten christlichen Ritual zur Aufnahme in die kirchliche Gemeinschaft. „Das Untertauchen ist bei uns, ob evangelisch-lutherisch oder auch römisch-katholisch, nicht üblich“, erklärte Henkelmann, während der Experte knöcheltief im klaren wie sauberen Wasser beim Badeweiher stand. Dieser wird von den Gesundheitsbehörden streng gecheckt und wegen seiner gepflegten Außenanlagen von Freizeitjüngern gerne angesteuert.
Nach der Segnung wurden die Täuflinge im Alter zwischen wenigen Monaten und 14 Jahren mit dem Wasser benetzt. Immer wieder mit kurzem wie bangem Blick nach oben, wurde gebetet, gesungen, geklatscht und sogar spielerisch getanzt. Väter hielten ihren Nachwuchs im Takt der Musik wippend fest, kleine Mädchen rannten, in dicke wie bunte Jäckchen eingepackt, durch die Stuhlreihen und zwischen Bierbänken. Der Evangelische Posaunenchor erhob seine Stimme genauso wie ein einsamer Kuckuck ganz in der Nähe. Ein von allen mitgesungenes Lied mit dem Refrain „Du bist gewollt, kein Kind des Zufalls, keine Laune der Natur“ trug den bezeichnenden Titel „Vergiss es nie“.
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