18.03.2013

Martin Zingsheim in der Mühle

Die Kunst der Parodie

Erst 29 und schon so zeitlos – Martin Zingsheim wirkt, als sei ihm der Kabarettist angeboren. Vor zehn Jahren gründete er das „Bundeskabarett“, nun ist er allein mit seiner Musik on Tour: „Opus Meins“ heißt sein Soloprogramm mit Balladen-Blöcken, Parodien-Medleys und Gitarren-Soli. Gitarre könne er eigentlich kaum spielen, kokettierte er Freitagabend in der Mühle, doch das hemmte ihn nicht, an der Klampfe göttlich larmoyante Herman-van-Veen-Imitationen zum Besten zu geben, dicht gefolgt von einer teuflisch guten, eruptiv-heiseren Grönemeyer-Einlage.

Zingsheims ureigenes Instrument aber ist das Klavier, auf dem er mit wenigen Akkorden oder bluesigen Läufen Atmosphäre schafft, auch am mitgebrachten clownesken „Camping-Flügel“, an dem er Platz nahm zur kurzweiligen „Telefon-Sinfonie“ mit Verbindungsstörungs-Largo und fünftönigem Telekom-Jingle. Das Mimen, Karikieren, Zitieren, Imitieren ist Zingsheims zweite große Stärke, ebenso die unfallfreie Sprachakrobatik, verblüffende Wendungen, bissige Pointen und das witzige Konterkarieren des Vorangegangenen: „Denk ich an Deutschland in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht“, grölte er in Anlehnung an Heinrich Heine und folgerte: Aber bei Tag, da geht’s schon.

Dann plauderte der Kölner von seiner „Kürbis-Klitsche“, dem Bio-Restaurant mit gesalzenen Rechnungen und sozialkritischen Liedern als „modernem Ablasshandel“ für die Yuppie-Kundschaft. Ein kurzes Wiehern im kulinarischen Rundumschlag-Programmpart genügte als Anspielung auf den Pferdefleisch-Aufreger. Ob Naturbelassen-Schickeria, Esoterik-Abzocke, Beziehungs-Stereotypen, Mittelalter-Nostalgie: Zingsheim seziert verbal, charmant zwar, aber scharf.

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