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Wirtschaftsweise: Teil-Lockdown kaum Auswirkungen auf Wirtschaftskraft

03.11.2017

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Ist Augsburg wirklich die „Rotlicht-Hauptstadt“?

Rotlicht-Hauptstadt: Diesen nicht gerade schmeichelhaften Titel verlieh die Zeitung Die Welt vor einigen Jahren der Stadt. Die Begründung lautete: Im Verhältnis zur Einwohnerzahl arbeiteten in Augsburg mehr Prostituierte als in allen anderen Städten. Schaut man genauer hin, so bekommt man aber Zweifel, ob Augsburg in Sachen Rotlicht wirklich Städte wie Hamburg hinter sich lässt. Eine Erklärung für das Ergebnis ist, dass von Augsburg die nächsten größeren Städte, in denen ebenfalls Prostitution erlaubt ist, relativ weit entfernt liegen – entsprechend groß ist das Einzugsgebiet. Außerdem gibt es im direkten Umkreis von Augsburg viele eigenständige Städte, die andernorts Stadtteile sind und dann dort auch bei der Einwohnerzahl mitgezählt werden. Ein weiterer Faktor: Nur wo es engmaschige Kontrollen gibt, kann man die Zahl der Prostituierten auch einigermaßen korrekt angeben. Die Augsburger Kripo hat den Ruf, es mit der Kontrolle des Milieus besonders genau zu nehmen. Unabhängig davon versucht die Stadt seit einigen Jahren, die Neuansiedlung von Bordellbetrieben möglichst zu verhindern.

Wo arbeiten die Prostituierten?

Rund 500 Prostituierte arbeiten nach Angaben der Kripo aktuell in der Stadt. Vor einigen Jahren waren es geschätzt noch an die 700 Frauen. Seit jedoch die Straßenprostitution Anfang 2013 von der Stadt komplett verboten wurde, sind die Zahlen rückläufig. Es gibt im Stadtgebiet laut Polizei etwa 20 Bordelle und rund 90 sogenannte Bordellwohnungen. Über 80 Prozent der Frauen im Milieu sind Ausländerinnen. Die meisten von ihnen stammen aus Osteuropa. Die Frauen arbeiten oft nur wenige Wochen in einer Stadt und ziehen dann in das nächste Bordell weiter.

Wie wird das Milieu kontrolliert?

Die Kripo in Augsburg steht schon seit Jahren in Kontakt mit den Bordellbetreibern – auf diese Weise kommen viele Frauen, die neu in der Stadt sind, freiwillig zur Polizei und melden sich dort an. So haben die Ermittler zumindest einmal Kontakt zu den Prostituierten und können reagieren, wenn sich der Verdacht ergibt, dass auf die Frau Druck ausgeübt wird. Die Kripo kontrolliert auch immer wieder die Bordellbetriebe in der Stadt. Seit diesem Juli gilt das neue Prostituiertenschutzgesetz: Frauen, die als Prostituierte arbeiten, müssen sich jetzt anmelden und regelmäßig zur Beratung zum Gesundheitsamt. Das Gesetz sagt, die Frauen sollen sich in der Stadt anmelden, in der sie überwiegend arbeiten. In der Praxis aber sind gerade die ausländischen Frauen selten länger als eine oder zwei Wochen an einem Ort.

Kann eigentlich jeder ein Bordell betreiben?

Bisher war das quasi so. Seit diesem Sommer ist aber eine Genehmigung erforderlich. Auch bestehende Häuser müssen eine Erlaubnis beantragen. Die Behörden prüfen dabei den Betreiber auch auf seine Zuverlässigkeit. Bei einer entsprechenden Vorstrafe oder anderen Hinweisen, die ihn als ungeeignet erschienen lassen, kann die Erlaubnis verweigert werden. Kritiker bemängeln, dass die eigentlichen Betreiber oft ohnehin nur im Hintergrund aktiv seien und Strohmänner als Geschäftsführer einsetzten. Zudem würden die illegalen Bordellwohnungen nicht auf diese Weise kontrolliert. (jöh)

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