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Prozess in Augsburg

13.06.2019

15-Jährige in Asylheim vergewaltigt: Gericht verurteilt zwei Männer

Zwei Männer stehen in Augsburg vor Gericht, weil sie eine 15-Jährige in einem Asylheim vergewaltigt haben sollen.
Bild: Jörg Heinzle

Ein Angeklagter gesteht die Vergewaltigung einer 15-Jährigen in einem Augsburger Asylheim. Sie wurde wohl noch von anderen Männer mehrfach missbraucht.

Er trägt einen dunklen Anzug, weißes Hemd, dazu eine blaue Krawatte. Aus der Brusttasche seines Jacketts blitzt ein blendend weißes Einstecktuch. Tarik B. (Namen der Betroffenen geändert), 18, will vor Gericht in Augsburg einen guten Eindruck machen. Der junge Afghane ist höflich, am Ende des Prozesses reicht er der Richterin sogar die Hand, auch wenn das mit den Handschellen nur schwer geht. Und er bittet um Entschuldigung. „So was macht man nicht“, sagt er. „Jetzt muss ich dazu stehen.“ Tarik B. hat den Drogenrausch der 15-jährigen Paula ausgenutzt. Er hatte Sex mit ihr in einem Zimmer des Asylheimes in der Proviantbachstraße. Deswegen wurde er nun zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und drei Monaten verurteilt.

Es ist das erste Urteil im Fall der mutmaßlichen mehrfachen Vergewaltigung des 15-jährigen Mädchens durch Asylbewerber aus Afghanistan. Insgesamt wird derzeit vier Männern Vergewaltigung vorgeworfen. Sie sollen Teil einer Clique gewesen sein, die junge Frauen mit Alkohol und Drogen versorgte und, so formulierte es Amtsrichterin Angela Reuber, „wahllos den Geschlechtsverkehr mit den Mädchen ausübte“. Die Ermittler halten es für gut möglich, dass die 15-Jährige nicht das einzige Opfer der Clique gewesen ist. Dass es andere Opfer geben könnte, die womöglich nicht den Mut hatten, der Polizei von ihren Erlebnissen zu erzählen.

Ein Passantin entdeckte das Mädchen bewusstlos in Augsburg auf der Straße

Der Missbrauch der 15-Jährigen kam ans Licht, weil eine Passantin das Mädchen am Abend des 2. Juli in einer Straße in Lechhausen fand. Sie lag bewusstlos am Boden. Sie kam in die Kinderklinik, wo die Ärzte Hinweise auf eine Sexualstraftat feststellten. Und wo sie auch selbst den Polizeibeamten berichtete, dass sie wohl vergewaltigt worden sei. Was genau in dem Zimmer des Asylheims geschehen ist, weiß die Jugendliche bis heute nicht. Sie hatte sich nach der Schule mit Tarik B. am Jakobertor getroffen. Er lebte zu der Zeit bei seinen Eltern.

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Sie besuchten im Asylheim in der Proviantbachstraße einen weiteren, damals 20-jährigen Afghanen. Die drei rauchten eine Haschisch-Zigarette. Später verging sich Tarik B. an der 15-Jährigen. Das Mädchen sagte den Ermittlern, sie habe durch die Drogen einen Filmriss erlitten. Sie könne sich nur noch an wenige Szenen erinnern. Etwa daran, dass sie in dem Zimmer aufwacht, fast nackt ist und neben ihr der ebenfalls nackte Tarik B. liegt.

Die Ermittler der Kripo gehen davon aus, dass die 15-Jährige am selben Tag noch ein zweites Mal vergewaltigt worden ist. Diese Tat soll gegen Abend passiert sein, als sie vom Asylheim auf dem Weg nach Hause war. Eine DNA-Spur belegt, dass sie mit Milad F., 21, ihrem Ex-Freund, Geschlechtsverkehr hatte. Daran kann sie sich aber ebenfalls nicht erinnern. Deshalb ist auch der genaue Tatort unklar.

In diesem Asylheim in Augsburg wurde ein 15-jähriges Mädchen vergewaltigt.
Bild: Silvio Wyszengrad

Milad F. legte beim Prozess am Donnerstag kein Geständnis ab. Das Verfahren gegen ihn wurde deshalb abgetrennt. Er wird sich nun bei einem neuen Termin vor Gericht verantworten müssen. Die Ermittler haben eine Handy-Nachricht gesichert, die Milad F. wenige Tage vor der Tat am 2. Juli an Tarik B. sandte. Sie lautet: „Bring zehn, 15 Euro mit, dann kaufen wir Alkohol und ficken gemeinsam Paula.“

Mehrfache Vergewaltigung? Das Mädchen wurde inzwischen neun Mal von Ermittlern befragt

Dass das Urteil gegen Tarik B. mit zwei Jahren und drei Monaten Haft mild ausfällt, begründet Richterin Angela Reuber vor allem mit dem Geständnis des jungen Mannes. Dadurch sei es Paula erspart geblieben, in dem Prozess noch einmal auszusagen. Rechtsanwältin Marion Zech vertritt die Schülerin. Sie sagt, die Jugendliche sei durch die vielen Aussagen bei der Polizei ohnehin schon stark belastet. Insgesamt neun Mal wurde sie bisher von den Ermittlern befragt. Nach Einschätzung des Gerichts sandte die 15-Jährige den jungen Flüchtlingen auch missverständliche Signale. Über Handy-Nachrichten habe sie mit ihnen derbe, auch sehr sexualisierte Nachrichten ausgetauscht. Richterin Angela Reuber stellte aber klar: „Sie hat im Kreis der Asylbewerber nach Anerkennung gesucht, es war aber sicher nicht so, dass sie sich allen für Geschlechtsverkehr zur Verfügung stellen wollte.“

Verurteilt wurde am Donnerstag auch der junge Afghane, der an dem Julitag sein Zimmer in dem Asylheim zur Verfügung gestellt und auch das Haschisch besorgt hatte, das dann gemeinsam geraucht wurde. Gegen ihn verhängte das Gericht eine Bewährungsstrafe von 20 Monaten. Beide jungen Männer müssen damit rechnen, dass sie nach Afghanistan abgeschoben werden, wenn ihre Verurteilungen rechtskräftig werden. Eine Flüchtlingshelferin, die den Prozess beobachtet hat, sagt, der Freistaat Bayern gehe da inzwischen sehr streng vor.

Gab es auch noch eine Gruppenvergewaltigung in einer Friedberger Wohnung?

Noch nicht abgeschlossen sind die Ermittlungen im Fall einer weiteren mutmaßlichen Vergewaltigung des 15-jährigen Mädchens durch mehrere afghanische Flüchtlinge. Drei Männer stehen unter Verdacht, die Schülerin in der Wohnung eines Afghanen in Friedberg vergewaltigt zu haben. Die Tat soll sich einige Monate vor dem Vorfall in dem Augsburger Asylheim abgespielt haben. Einer der Verdächtigen ist auch in diesem Fall Milad F., der Ex-Freund des Opfers. Tarik B. hat am Donnerstag mehrere Freunde aus seiner ehemaligen Clique belastet. Er erzählte vor Gericht, einer seiner Freunde habe mit der Gruppen-Vergewaltigung in der Friedberger Wohnung geprahlt. Der Freund habe ihm auch erzählt, sie hätten Paula zuvor mit K.-o.-Tropfen gefügig gemacht.

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Die Diskussion ist geschlossen.

16.06.2019

Zitat: " Beide jungen Männer müssen damit rechnen, dass sie nach Afghanistan abgeschoben werden, wenn ihre Verurteilungen rechtskräftig werden. Eine Flüchtlingshelferin, die den Prozess beobachtet hat, sagt, der Freistaat Bayern gehe da inzwischen sehr streng vor"
...und genau das glaube ich nicht!! AZ bitte an dem Fall dran bleiben und beobachten.

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14.06.2019

Es ist ja wohl nur korrekt dass der Freistaat Bayern hier streng vorgeht oder?

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