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Augsburg

06.05.2020

15-Jähriger in Asyl-Unterkunft getötet: So ging es weiter

Vor etwa einem Monat musste die Polizei zur Flüchtlingsunterkunft in Göggingen ausrücken. Der gewaltsame Tod eines 15-Jährige löste Betroffenheit aus.
Bild: Peter Fastl

Plus Nach der Tragödie in der Unterkunft für Flüchtlinge wurden viele Gespräche geführt. Wie es dort weiter geht und warum die Familie ein neues Zuhause hat.

Die Wohnung in der Asyl-Einrichtung in Göggingen ist frisch geweißelt. Die Blutspuren sind verschwunden. Nichts deutet mehr auf das Drama hin, dass sich vor einem Monat in der Friedrich-Ebert-Straße abgespielt hat. Nichts zeugt mehr von dem gewaltsamen Tod eines 15-jährigen Jungen. Doch für die Betroffenen ist die Tragödie nicht zu Ende.

Es war ein sonniger Samstagnachmittag Anfang April, als Einsatzkräfte zur Unterkunft „Haus Noah“ nach Göggingen eilten, in der rund 80 Menschen untergebracht sind. Sie wird von der Stadt Augsburg und der Caritas betrieben. Bei den Bewohnern handelt es sich um Familien und alleinerziehende Mütter mit Kindern aus Afghanistan, Syrien, Nigeria und Uganda. Hier lebte seit drei Jahren auch die afghanische Familie: Vater, Mutter, zwei Töchter und ein Sohn. Die dritte und älteste Tochter, verheiratet mit einem Afghanen, wohnte woanders. Die 24-Jährige hatte sich offenbar von ihrem Ehemann getrennt. Darin ist wohl auch der Hintergrund der blutigen Tat zu sehen.

Bluttat von Göggingen: Der Tatverdächtige sitzt in U-Haft

Der 29-jährige Afghane, der nicht in der Region Augsburg lebt, soll mit einem Messer die Familie seiner Frau in der Gögginger Unterkunft angegriffen haben. Dabei tötete er laut Ermittlungen seinen 15 Jahre alten Schwager. Als die Polizei eintraf, war der Jugendliche bereits tot.

Seine 24 Jahre alte Schwester ist nach Angaben der Polizei zur Tatzeit nicht in der Wohnung gewesen; sie soll sich aber auf dem Gelände des Hauses Noah befunden haben. Der 29-Jährige sitzt seitdem in Untersuchungshaft in Gablingen. Gegen ihn besteht Haftbefehl wegen Mordes und vierfachen versuchten Mordes. „Er hat sich bei der Haftbefehlseröffnung zu dem Sachverhalt eingelassen“, berichtet Oberstaatsanwalt Matthias Nickolai auf Nachfrage. Dies sei allerdings nicht als ein Geständnis zu werten, macht Nickolai klar. Die Ermittlungen seien noch nicht abgeschlossen.

In der Flüchtlingsunterkunft Haus Noah, in der Gögginger Friedrich-Ebert-Straße war es zu einem tödlichen Familienstreit gekommen.
Bild: Peter Fastl

Der Tatverdächtige muss alle Familienmitglieder mit einem Messer attackiert haben. Die 37-jährige Mutter wurde nach dem Angriff notoperiert. Wie Walter Semsch, Geschäftsführer der Caritas erzählt, habe man zwischenzeitlich auch um ihr Leben bangen müssen.

Die Frau habe schwere Schäden davongetragen. Sie soll demnächst aus dem Krankenhaus entlassen werden. Die betroffene Familie hat inzwischen in einer anderen Unterkunft in der Stadt ein Zuhause gefunden. Man wollte ihr eine Rückkehr an den Tatort ersparen. Der getötete Junge wurde in Augsburg bestattet.

Caritas kümmerte sich um Beerdigung des Jungen in Augsburg

Laut Semsch habe die Caritas die muslimische Beerdigung organisiert. Man habe dafür einen Imam organisiert. „Wegen Corona durften nur 15 Personen bei der Beerdigung dabei sein. Es waren Angehörige und Freunde des Jungen.“ Die Hinterbliebenen würden weiterhin betreut. Es habe viele Gespräche gegeben, um das Geschehen zu verarbeiten, sagt Semsch. Auch mit den anderen Bewohnern der Unterkunft.

Nach dem Tötungsdelikt kümmerten sich Helfer um verstörte Bewohner

Inzwischen sei dort glücklicherweise wieder Ruhe eingekehrt, so der Caritas-Geschäftsführer. „Wir mussten die Bewohner auch davon überzeugen, dass die Tat nicht gegen sie gerichtet war“, erklärt er. Caritas-Helfer, Seelsorger der Polizei, ein Kriseninterventionsteam der Malteser sowie ein Mitarbeiter der Diakonie hätten sich um die verstörten Bewohner gekümmert. Im Mittelpunkt der Seelsorge stand freilich die Familie des getöteten Jungen. Eine Caritas-Mitarbeiterin, die Augenzeugin der Bluttat wurde, befinde sich in Therapie. „Das alles hat ihr sehr zugesetzt.“

Semsch selbst sei nach wie vor bestürzt. „Gegen so etwas ist man einfach machtlos.“ Erleichtert ist der Caritas-Geschäftsführer allerdings, dass es keine Anrufe besorgter Bürger mehr gibt. Die Menschen hätten verstanden, dass die Tat ausschließlich im privaten Umfeld zu sehen ist. Die frisch geweißelte Wohnung in Göggingen soll demnächst wieder an eine Familie vergeben werden.

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