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Augsburg

12.01.2020

2000 Bauern demonstrieren in Augsburg

Auf dem Plärrergelände treffen seit dem Vormittag hunderte von Traktoren ein. Landwirte wollen am Mittag in der Innenstadt eine Demo abhalten.
Bild: Silvio Wyszengrad

Mit rund 1000 Traktoren kamen Landwirte am Sonntag zum Plärrergelände und zogen von dort aus auf den Rathausplatz. Sie kritisieren steigende Umweltauflagen. Ministerpräsident Söder versucht, den Protest zu besänftigen.

Rund 2000 Landwirte aus Schwaben haben nach einer Schätzung der Polizei am Sonntag auf dem Rathausplatz gegen aus ihrer Sicht überbordende Vorschriften zum Umweltschutz, die Preispolitik und das schlechter werdende Image ihres Berufs demonstriert. Man wolle auch in der Großstadt, wo es kaum Bauern gibt, ein Zeichen setzen, so Philipp Jans von der Landwirte-Bewegung „Land schafft Verbindung“ (LsV), die seit einigen Monaten aktiv ist. Schließlich säßen hier die Verbraucher. Grundsätzlich werde durch steigende Regulierungen und Anforderungen gerade den Kleinbetrieben die Luft abgeschnürt, so Jans. Am Ende würden mehr Lebensmittel aus dem Ausland importiert, deren Produktionsbedingungen nicht kontrolliert würden.

Die Demo sorgte am Sonntag für Aufsehen, weil die Bauern mit rund 1000 Traktoren aus dem Umland kamen. Sammelpunkt war das Plärrergelände, das bis zum späten Vormittag komplett mit Schleppern zugeparkt war. Auf den Zufahrtsstraßen zum Plärrer war der Verkehr teils durch die Traktorenkonvois blockiert. Als weiterer Abstellplatz wurde der Parkplatz des FCA-Fußballstadions geöffnet. Zur Kundgebung auf dem Rathausplatz kamen die Landwirte zu Fuß oder mit dem Shuttlebus, weil die Traktoren die Innenstadt komplett belegt hätten.

Hunderte Traktoren haben sich inzwischen am Plärrer eingefunden. Schwäbische Landwirte wollen während des CSU-Neujahrsempfangs im Rathaus am Rathausplatz demonstieren. Video: Silvio Wyszengrad

Gepostet von Alles aus Augsburg am Sonntag, 12. Januar 2020

Anlass für die Demo war der Neujahrsempfang der CSU im Rathaus, zu dem auch Ministerpräsident Markus Söder kam. Söder, der ursprünglich ein kurzes Gespräch mit einer dreiköpfigen Delegation der Bauern geplant hatte, stellte sich angesichts der vielen Demonstranten dem Protest. Mit sichtlich mäßiger Laune trat er auf die Bühne, wo er mit Pfiffen empfangen wurde. „Die Unionsparteien sagen, sie sind uns am nächsten, aber es kommt aus der Politik nur heiße Luft“, kritisierte Michael Schütz von LsV.

Vor allem auf die geplante neue Düngeverordnung haben es die Bauern abgesehen. Ziel des Vorstoßes der Bundesregierung ist die Senkung der Nitratwerte im Grundwasser. Sie sind teils deutlich zu hoch. Zwar sind Trinkwasserbrunnen weniger betroffen (in Augsburg ist die Nitratbelastung sehr gering), doch das Umweltbundesamt sieht in der Hintergrundbelastung ein grundsätzliches Problem. Auch die EU hat angekündigt, die deutschen Grenzwertverstöße nicht zu dulden. Nitrat wird im Körper zu Nitrit umgewandelt, das Krebs begünstigen kann.

Von den Landwirten wird kritisiert, dass es zu wenige Messstellen gibt, von denen aus die Belastung des Grundwassers flächendeckend hochgerechnet wird. So komme es zu verzerrten Werten. Zudem gebe es in Schwaben so gut wie keinen Trinkwasserbrunnen, an dem wegen der Nitratwerte das Wasser gereinigt werden muss. „Und auch die Wirkungszusammenhänge zwischen Düngung und Nitrat im Grundwasser sind noch nicht klar genug. Da hat die Politik geschlafen“, so Bauern-Vertreter Jans.

Die Bauern sammeln sich dort, um ab etwa 13 Uhr gemeinsam zu Fuß in die Innenstadt zu ziehen. Um 14 Uhr soll es eine Kundgebung auf dem Rathausplatz geben.
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Bauerndemo: Hunderte Traktoren treffen auf dem Augsburger Plärrer ein
Bild: Silvio Wyszengrad

Söder sagte, dass man sich innerhalb der Landes-Koalition darauf verständigt habe, die Zahl der Messstellen zu verdoppeln, wobei Freie-Wähler-Landtagsabgeordneter Johann Häusler (Biberbach, Kreis Augsburg) betonte, dass dies auf Initiative der FW zurückgehe. „Auf Bundesebene geht die Union jeden Kompromiss mit, weil sie die Große Koalition retten will“, so Häusler, der in Vertretung von Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger kam. Angesichts der Abkehr vieler Bauern von der CSU versuchen die Freien Wähler, ihre Position bei den Landwirten zu festigen. Söder kündigte postwendend an, dass Bayern im Bundesrat der Düngeverordnung nicht zustimmen werde.

Söder, der innerhalb weniger Tage zum dritten Mal mit einer Demo von LsV konfrontiert wurde, sagte, man müsse grundsätzlich über den Wert der Landwirtschaft sprechen. „Ohne Landwirtschaft ist Bayern nicht denkbar. Und den Verbrauchern muss klar sein, dass ein Schnitzel nicht als Schnitzel auf die Welt kommt.“ Das „propagierte Misstrauen“ gegen die Landwirtschaft könne er nicht verstehen.

Kritik an der Demo kam von der veganen V-Partei, die in den Stadtrat einziehen möchte. Die CSU habe die aktuellen Produktionsbedingungen in der Landwirtschaft über Jahrzehnte gefördert, die jetzt Dinge wie eine Düngeverordnung nötig machen. OB-Kandidat Roland Wegner sagte, nötig sei eine Umschichtung der Subventionen von der Massenproduktion hin zur Förderung von bioveganem Ackerbau.


Lesen Sie auch: Wer hinter der Bewegung "Land schafft Verbindung" steckt

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14.01.2020

Leider musste es erst soweit kommen das die Landwirte sich in dieser Form wehren müssen.
Die Ursachen dafür sind genauso vielfältig wie die Probleme weswegen die Bauern protestieren.

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13.01.2020

Die Bauern hätten wohl gerne wieder so einen CSU Glyphosat Schmidt als Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft.
Hat nicht Söder schon in Seeon zugesagt sich wieder für einen CSU Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft einzusetzen. Es kann nur noch schlimmer werden und die Bauern sägen sich den eigenen Stuhl an.

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13.01.2020

Liebe Bauern, Sie sind meines Erachtens auf dem falschen Weg. Sie wurden in ein toxisches Setting konventioneller Landwirtschaft hineinmanövriert bzw. haben sich hineinmanövrieren lassen. Nun verlangen Sie noch toxischere Bedingungen, um besser wirtschaften zu können. STEIGEN SIE AUS DER KONVENTIONELLEN LANDWIRTSCHAFT AUS und wählen eine Politik die Ihnen das mit nicht-toxischen Subventionen ermöglicht! So haben Sie keine Zukunft. Lassen Sie los.

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12.01.2020

Bravo, endlich geht in Deutschland mal einer auf die Straße und wehrt sich gegen die Missverhältnisse, Missverständnisse und Missmanagement.

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13.01.2020

Genau deiner Meinung!! Sonst wird immer alles nur geschluckt.

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13.01.2020

Um im schönen Bilde zu bleiben: Im Bund vertritt die Bauernlobby Miss Klöckner, in Bayern Miss Kaniber.

Was wollen die Herrschaften eigentlich?
Uns Verbrauchern noch mehr Geld aus der Tasche ziehen - Subventionen über Brüssel, Bund und Länder, höhere Preise über die Ladentheke? Die Milchmädchenrechnung von den niedrigsten Lebensmittelpreisen in Deutschland nimmt denen keiner mehr ab.

Oder einfach munter weitermachen mit der Vergiftung von Böden und Grundwasser, mit hohem Pestizid-, Herbizid-, Gülle- und Düngemitteleinsatz in Monokulturen, mit dem Ausrotten vieler Arten, mit Antibiotikaeinsatz in der Mast, mit legaler Tierquälerei, usw., usf.

Die nächste Legende:
"Grundsätzlich werde durch steigende Regulierungen und Anforderungen gerade den Kleinbetrieben die Luft abgeschnürt"

Nicht "steigende Regulierungen und Anforderungen" sondern die Tatsache, dass die größten Profiteure der Subventionitis eben nicht die bäuerlichen Familienbetriebe, sondern Großagrarier, die industrielle Landwirtschaft und Agrarfabriken, Massentierhalter und immer mehr völlig branchenfremde, weltweit nach Anlagemöglichkeiten suchende Investoren sind.

Da ist die Ursache für die seit vielen Jahren anhaltende Konzentration auf Großbetriebe und für die "Kleinen" nicht mehr bezahlbare Preise z. B. für Pacht und Zukauf von Ackerfläche zu sehen.

Der Markt regelt eben nicht alles - schon gar nicht, wenn es um ein nicht beliebig vermehrbares Gut wie Grund und Boden und zudem um einen begrenzten Markt geht. Auch viele Mieter machen in unseren Tagen diese schmerzliche Erfahrung. Den bäuerlichen Familienbetrieben sollte langsam ebenfalls ein Licht aufgehen. Ihre Gegner sind nicht die Verbraucher, die Klimaschützer, die Grünen, die Fridays for Future-Bewegung. Ihre Hauptgegner sind marktradikale neoliberale Ideologen und sitzen z. T. in den eigenen Reihen.

Dagegen hält sich der Protest der Demonstranten leider aber in engen Grenzen. Hier müsste er sich nämlich gegen das ganze System, ihren eigenen Verband, zu einem großen Teil gegen ihre Berufskollegen wenden.

Zuallererst würde ich den Demonstranten, soweit es sich um bäuerliche Familienbetriebe handelt, zu einem raten:
Seid äußerst misstrauisch gegen alle, die euch bei welchen Anlässen auch immer, "Honig ums Maul schmieren", euch ständig populistisch nach dem Mund reden. Seht sie euch genau an: Dann werdet ihr feststellen, dass sie uns seit vielen Jahren regieren und somit wenigstens zu den Hauptschuldigen an der momentanen Situation gehören.

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12.01.2020

Die Landwirte brauchen höhere Preise für ihre Produkte. Dann kann und muss sich auch was in der Landwirtschaft ändern. Dass das Grundwasser mit Nitrat überfrachtet ist darf so nicht sein. Auch die Tierhaltung muss sich dann ändern. Aber das Geld muss wo herkommen. Das 1€ Huhn gibts dann nicht mehr.

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12.01.2020

beim Spaziergang durchs Dorf sah ich bei einem Bauernhof 8 geparkte Autos. Da wurden wohl alle 4 Traktoren aktiviert um zur Demo zu fahren - ein (Vollerwerbs)Landwirt plus 7-8 weitere Menschen macht 8-9 demonstrierende "Bauern".
Nun bin ich grundsätzlich für das Anliegen, vom Vollerwerb auch leben zu können, nur 6x odeln, 6-7 x ernten, Monokulturen aufbauen, etc. kann und darf nicht sein.
Die Bauern täten gut daran, sich die Nachhaltigkeit stärker auf die Fahnen zu schreiben.

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12.01.2020

Die Landwirte demonstrieren also dafür das Grundwasser und Oberflächenwasser noch mehr mit Nitrat versaut werden darf Das mir deren Monster Traktoren die Umwelt mit Abgasen verpestet wird ist auch egal Es ist an der Zeit das wir Bürger uns das nicht mehr gefallen lassen Kälber ziehen die Bauern mit Palmöl Produkten auf statt mit Kuhmilch wie in "Unser Land" des BR zu sehen war Wenn die Bauern ernst genommen werden wollen müssen sie einsehen das eine Umkehr stattfinden muss dahin gehend das nachhaltiger gewirtschaftet wird

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12.01.2020

Selbstverständlich fahren sie standesgemäß mit subventioniertem Agrardiesel zur Demo und kriegen Polizeischutz - falls sie Lust verspüren, mit ihren "Panzern" über die Autobahn zu brettern. Diese dauerjammernden, über zu wenig Wertschätzung klagenden Herrschaften kassieren Subventionen für jedes Kräutlein, das sie nicht totspritzen und genießen staatlich geförderte Narrenfreiheit . . .

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12.01.2020

Ich kann mich noch gut erinnern als die Panzer durch Oberhausen nach Kriegshaber in Ihre Kasernen gefahren sind. Man konnte Mittags keine Sonne erblicken so schwarz geräuchert war der Himmel. Wo war der Protest? Auch die AZ hatte da medial sich still gehalten.

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12.01.2020

In der Stadt kriegt man in den Geschäften aus Umweltschutzgründen keine Plastiktüten mehr aber mit 1000 Traktoren durch die Innenstadt fahren ist in Ordnung.

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