Ramona Schirrmeister ist alleinerziehend, eigentlich hat sie zwei Jobs, um sich und ihren Sohn über Wasser zu halten. Doch momentan kann sie nicht zur Arbeit gehen. Zu groß ist ihre Angst, dass dem 13-Jährigen in der Zwischenzeit etwas passieren könnte. Denn nach einer verpfuschten Schimmelsanierung, sagt sie, spiele die Elektrik in ihrer Wohnung in Pfersee verrückt. Knapp fünf Wochen ist es her, da saß ihr Sohn in der Badewanne, als er plötzlich nach ihr rief. „Er war mit dem Ellenbogen gegen den Griff gekommen und hat dabei einen Stromschlag bekommen.“ Eine Überprüfung ergab dann, wie ernst die Sache ist.
Erst, sagt Ramona Schirrmeister, habe sie ihrem Sohn kaum glauben können. Doch am Arm war eine Rötung zu erkennen. Ein befreundeter Elektriker stellte schließlich mit einem Prüfgerät fest, dass Armaturen und Ablauf der Badewanne sowie der Griff des Wasserhahns am Waschbecken immer wieder unter Strom stehen. Zeitweise, sagt Schirrmeister, hätten sie 240 Volt gemessen. „So viel kommt normalerweise aus der Steckdose, das ist lebensgefährlich.“
Ein Elektriker stellt fest: Nur die Steckdosen im Bad haben einen Schutzleiter
Immer wieder habe sie ihren Vermieter darauf hingewiesen, dass hier schnell etwas passieren müsse. Auch eine Fachfirma, die vor einigen Tagen vor Ort war, habe mehrfach vergeblich versucht, den Vermieter zu erreichen, damit das Problem mit der Elektrik so schnell wie möglich behoben werden kann. „Der Elektriker hat mir gesagt, er müsste die Wohnung eigentlich sperren. Mit Ausnahme der Steckdosen im Bad hat keine Steckdose einen Schutzleiter. Hier zu wohnen, sei lebensgefährlich.“ Nur der Kühlschrank sei noch am Netz, alles andere sei zu gefährlich.
Schirrmeister zeigt die Kopie eines Schreibens der Fachfirma. „Eine weitere Nutzung der Elektroanlage ist nicht zulässig“ heißt es darin. Nun ist sie in ständiger Sorge, dass etwas passieren könnte. Auch sie selbst hat in der Badewanne schon einen Stromschlag abbekommen, nachdem die Fachfirma nach einem ersten Termin sicher war, den vermeintlichen Fehler gefunden und behoben zu haben. Schirrmeister ist fassungslos, dass ihr Vermieter nicht reagiert. Denn eigentlich hätten sie immer ein sehr gutes Verhältnis gehabt.
Nach dem Verputzen lief das Wasser an den Wänden hinab
Doch nachdem sich in ihrer Wohnung Schimmel entwickelt habe, habe sich das gewandelt. Bereits im ersten Winter entdeckte die Mutter Schimmel, den sie mit Lüften und Spray versuchte loszuwerden. In diesem Winter sei die Situation dann aber schlagartig schlimmer geworden. „Innerhalb von zwei Wochen waren alle Wände im Kinderzimmer meines Sohnes betroffen. Das Wasser ist von den Wänden getropft, dass ich es bis ins Schlafzimmer hören konnte.“ Ihren Sohn versuchte sie daraufhin viel außerhalb unterzubringen und sie kontaktierte den Vermieter. Der habe schließlich Handwerker geschickt, die sich ihr gegenüber als Schwarzarbeiter zu erkennen gegeben hätten. „Sie haben die Tapeten von den Wänden gerissen, neu verputzt, ein bisschen Schimmelspray draufgesprüht, drübergestrichen und für gerade mal zwei Tage ein Trocknungsgerät aufgestellt.“
Videos zeigen, wie auf den frisch verputzten Wänden weiterhin das Wasser in kleinen Rinnsalen von der Decke rann. Schon jetzt, einige Wochen später, zeigen sich in den ersten Ecken wieder schwarze Flecken. Schirrmeister, die nach eigenen Angaben erst eine Lungenentzündung, die sie der Schimmelbelastung zuschreibt, überstanden hat, fürchtet, dass bald wieder alles von vorne anfängt. Doch das Schlimmste sei eben, dass die Arbeiten offenbar die Elektroleitungen in der Wand beschädigten. „Die Fachfirma vermutet, dass man alle Wände aufreißen muss, um das zu reparieren.“
Die Mutter sucht nun verzweifelt eine neue, sichere Wohnung in Augsburg
Sie hat mittlerweile einen Anwalt eingeschaltet und sich auch an die Stadt Augsburg gewandt. Denn für die Mutter sind die Zustände in der Wohnung untragbar geworden. Für eine Unterbringung in einer Notunterkunft der Stadt sei ihre Lage noch nicht schlimm genug, habe man ihr gesagt. Auch die sehr bemühte Mitarbeiterin im Wohnbüro habe ihr nicht weiterhelfen können. So fahren sie nun täglich von Pfersee nach Oberhausen, um bei ihrer Schwester zu duschen und suchen verzweifelt nach einer neuen Wohnung.
Und sie versuchen, mit Hilfe eines Anwalts das Geld für die Miete, monatlich immerhin 1100 Euro für 58 Quadratmeter, zurückzubekommen. Selbst die Polizei habe sie schon kontaktiert und auf die Zustände aufmerksam gemacht. Sie wollte, dass die Lage dokumentiert ist, falls doch etwas passiert und es etwa zu einem Kabelbrand in dem Mehrfamilienhaus kommt. Der Vermieter der Wohnung wollte sich auf Anfrage unserer Redaktion nicht zu der Sache äußern.
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