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Tourismus

28.05.2019

2800 Betten: Braucht Augsburg so viele neue Hotels?

An der Eichleitnerstraße entsteht derzeit ein neues Hotel. Auch andernorts in Augsburg sind weitere Übernachtungshäuser geplant.
Bild: Silvio Wyszengrad

Plus In den nächsten zwei bis drei Jahren sollen in der Stadt neun Häuser mit rund 2800 Betten entstehen. Private Hoteliers haben Bedenken.

"Wir haben keine Angst, machen uns aber Gedanken." So fasst Hotelier Christian Dreisbach es zusammen, wenn er an die Hotels denkt, die bis 2023 in Augsburg entstehen sollen. Mit "wir" meint er nicht nur sich und sein "Best Hotel Zeller" in Königsbrunn, sondern auch die Betreiber anderer privat geführter Häuser, darunter das Hotel Alpenhof (Oberhausen), das Hotel Drei Mohren (Innenstadt) oder das Parkhotel Schmid (Adelsried).

Zuletzt haben die Inhaber dieser Häuser intensiv über den Bettenzuwachs in Augsburg diskutiert. Mindestens neun Hotels mit rund 2800 Betten sollen in den nächsten zwei bis drei Jahren neu in die Stadt kommen. Das wäre ein Betten-Plus von rund 56 Prozent (derzeit sind es 4600 Betten), die Entwicklung in den beiden Landkreisen noch nicht mitgerechnet. Doch wer soll dieses Angebot nutzen?

Großer Zuwachs in kurzer Zeit macht angestammten Hoteliers Sorgen

"Wir sind nicht grundsätzlich gegen neue Hotels und eine Steigerung der Kapazitäten. Das ist eine normale Entwicklung. Nur der Mengenzuwachs in dieser kurzen Zeit macht uns Sorgen", fasst Simone Kink (Parkhotel Schmid) die Lage zusammen. Sie und ihre Kollegen haben ausgerechnet, dass es rund 420.000 Übernachtungen pro Jahr mehr bräuchte, um die dann rund 7400 Betten zu füllen – bei gleichbleibender Auslastung von derzeit 49,8 Prozent.

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Dass in Spitzenzeiten Betten fehlen, wie es Tourismusdirektor Götz Beck oft anmahnt, und sogar Veranstaltungen mangels Übernachtungsangebot abgesagt werden mussten, lassen die Privathoteliers nur bedingt gelten. "Wir sehen auch, dass es an der ein oder anderen Stelle Nachholbedarf gibt. Zu Zeiten der Messen Interlift, Grindtec und Americana kann es knapp werden. Aber wir müssen im Blick behalten, dass wir unsere Betten möglichst an 365 Tagen belegen und nicht nur zu Spitzenzeiten", sagt Dreisbach.

Weil rund 70 Prozent der Übernachtungsgäste Geschäftsreisende, Tagungs-, Kongress- oder Messegäste sind, habe man vor allem in den Ferienzeiten schon jetzt Probleme, die Auslastung zu halten. "Im August muss ich mit den Preisen runter, damit ich jemand in mein Hotel bekomme", sagt Andreas Schön vom Hotel Alpenhof. Dazu kämen private Anbieter, die in der Bettenstatistik gar nicht aufgelistet seien, weil sie unter zehn Übernachtungsplätze anbieten. Gegen die geplanten Hotels vorgehen will keiner der Hoteliers, doch sie fordern Konzepte.

Argumente, die Tourismusdirektor Götz Beck von der Regio Augsburg nachvollziehen kann – obwohl er die Sache positiver sieht: "6000 Betten in der Stadt wären ideal, um Augsburg touristisch weiterzuentwickeln. Dass es jetzt mehr als 7000 werden, hat mich auch überrascht. Aber ich habe keine Sorge, dass wir sie nicht belegt bekommen." Seine Argumente: Sowohl im Städtetourismus als auch bei Tagungen, und Kongressen sowie Messen sei man gewachsen. "Damit wir hier aber noch weiter zulegen können, sind die neuen Kapazitäten nötig."

Zuletzt hätten Kongressveranstalter Augsburg als Standort mehrfach eine Absage erteilt, weil nicht ausreichend Übernachtungsmöglichkeiten in gewünschter Form zur Verfügung standen. All jene Anbieter könne man nun an den Standort holen und damit auch der Forderung der Hoteliers nach mehr übernachtungsrelevanten Veranstaltungen gerecht werden.

Der Städtetourismus wird weiter zunehmen - auch in Augsburg

Dazu zeigen Prognosen, dass sich der Städtetourismus und das Thema Kurzurlaub im eigenen Land stark nach oben entwickeln. Auch hier sieht Beck Augsburg als attraktive Stadt, die mit ihren Themen Brecht, Fugger oder Mozart vom Boom profitieren kann. Nicht zuletzt würden die sich neu ansiedelnden Hotelketten zu einem guten Teil ihre Kunden über eigene Vertriebswege generieren. Mit der Uniklinik, dem FC Augsburg, den Augsburger Panthern sowie der Kanu WM 2022 habe man weitere Pfunde, mit denen man wuchern kann. Sollte Augsburg dann auch noch Unesco-Welterbe werden, gebe das dem Tourismus in der Stadt einen weiteren großen Impuls.

Die etwa 400.000 Übernachtungen pro Jahr mehr, die der Kreis der Hoteliers ausgerechnet hat, sind laut Beck daher durchaus realistisch. Eine Steigerung von den derzeit 855.000 Übernachtungen (Stand 2018) auf dann um die 1,2 bis 1,3 Millionen deshalb auch ein erklärtes Ziel.

Eines, an dem die Hoteliers gemeinsam mit der Regio arbeiten wollen. "Das vorhandene Potenzial auszuschöpfen ist nicht nur Aufgabe der Regio, sondern auch von uns als Hoteliers sowie der Stadt und den Landkreisen", so Theodor Gandenheimer. Doch man möchte mitgenommen werden und man müsse zeitnah agieren, um der Dynamik gerecht werden zu können.

Würde dies gelingen, hätte die Entwicklung auch wirtschaftliche Auswirkungen auf die Stadt. Bereits heute generiert der Tourismus in Augsburg und der Region etwa eine Milliarde Euro Umsatz pro Jahr. Allein in Augsburg sind gut 20.000 Menschen in der Branche beschäftigt, die Stadt erhält Steuern aus diesem Segment in Höhe von über 14 Millionen Euro. Würden die Übernachtungen wie gewünscht steigen, würden sich auch diese Zahlen deutlich nach oben bewegen.

Lesen Sie hier den Kommentar von Andrea Wenzel: Hotelbetten: Augsburgs Bedarf ist bald gedeckt

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28.05.2019

Noch ein Nachschlag: Würzburg mit ca. 125.000 Einwohner hat ca. 4.400 Betten, Nürnberg mit gut 500.000 Einw. ca. 18.000 Betten und die Planung sieht bis Ende 2022 mehr als 21.000 Betten vor. Und Fürth hat bei 125.000 Einw. auch noch 2.000 Betten, obwohl zusammenhängend mit Nürnberg. Da braucht ein Hotelier aus Königsbrunn nicht zu jammern.

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28.05.2019

Kann mir schon denken, dass einige bestehende Hotels bedenken haben. In der Vergangenheit konnte man die Preise bei angefragten Terminen sehr hoch ansetzen und auch Gruppen mit dem Hinweis "die benötigen wir nicht zu diesen Zeiträumen" abweisen. Gerade bei den hier aufgeführten Hotels. Allein attraktive Hotels der gehobenen 3*** und 4***** Sterne Kategorien sind bei Touristen gefragt. Und die lassen dann auch in den Geschäften einige Euros liegen bei einem Übernachtungsaufenthalt. Augsburg ist bei den Touristen eine gefragte und beliebte Stadt.

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