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Augsburg

10.10.2017

300 Schwestern und Pfleger treten wieder in Streik

Anlässlich der Tagung der bayerischen Krankenhausdirektoren findet in Bad Wörishofeneine Demonstration und Kundgebung statt.
Bild: Markus Heinrich

In Bad Wörishofen streikten Mitarbeiter des Augsburger Klinikums und der Günzburger Kreiskliniken. Inzwischen haben sich die Fronten verhärtet.

Am Klinikum Augsburg sind am Dienstag die Pflege-Warnstreiks fortgesetzt worden. Rund 300 Schwestern und Pfleger demonstrierten am Dienstag in Bad Wörishofen, wo die bayerischen Krankenhausdirektoren eine Arbeitssitzung hatten. Ein Teil der Demonstranten kam aber von den Kreiskliniken in Günzburg. Der Warnstreik soll auch am Mittwoch fortgesetzt werden.

Die Gewerkschaft Verdi hat wie berichtet das Klinikum zu Verhandlungen über einen Haustarifvertrag aufgefordert, der mehr Personal auf Stationen vorsieht. "Den Beschäftigten ist die Forderung nach einer Entlastung ernst. Die Arbeitsbedingungen müssen sich verbessern – und zwar schnell", so Verdi-Gewerkschafter Stefan Jagel. "Die Beschäftigten der Krankenhäuser sind am Limit, die Arbeitsbelastung hat die Grenzen des tolerablen überschritten. Geredet wurde viel, jetzt müssen die Klinikleitungen endlich aktiv werden." Eine Intensiv-Schwester schildert ihren Alltag: "Manche Patienten brauchen zusätzlich zur Beatmung noch aufwändige Sonderpflege. Die ist mit der Personalausstattung kaum zu gewährleisten."

Streik: Klinikum sieht sich nicht als richtiger Ansprechpartner

Das Klinikum sieht sich aber nicht als richtiger Ansprechpartner. Man habe kein Mandat, um in Verhandlungen einzutreten, so Vorstandsvorsitzender Alexander Schmidtke. Rückendeckung für diese Haltung kommt vom Kommunalen Arbeitgeberverband Bayern. Im Extremfall könne es zum Ausschluss aus dem Verband führen, wenn einzelne Häuser ihr eigenes Süppchen kochen, so Geschäftsführer Armin Augat. "Auf diese Weise würde ja der Flächentarifvertrag in Frage gestellt."

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Gewerkschafter Jagel sieht das anders. Schließlich seien es die einzelnen Häuser, die über die Arbeitsbedingungen bestimmen. Das Klinikum werde so oder so aus dem kommunalen Arbeitgeberverband austreten, sobald es Anfang 2019 Uni-Klinik wird, merkt Jagel an. Dann gelte für Neueinsteiger der Tarifvertrag der Länder, der geringfügig schlechter ist. "Da ist es recht, den kommunalen Arbeitgeberverband zu verlassen, aber wenn es um die Situation auf den Stationen geht, wird das vorgeschoben", so Jagel. Allerdings sind auch Krankenhäuser in Landes-Trägerschaft tariflich gebunden. Hier gibt es eine Tarifgemeinschaft der Länder.

Die Fronten sind verhärtet

Die Fronten zwischen Klinikum und Gewerkschaft sind inzwischen verhärtet. Das Klinikum wirft der Gewerkschaft vor, ihre Forderung auf dem Rücken von Patienten durchsetzen zu wollen, indem auch sensible Bereiche bestreikt werden. "Nicht wir gefährden Patienten. Inzwischen ist es der Normalzustand auf den Stationen, der Patienten gefährdet", kontert Jagel.

Am Klinikum mussten wie berichtet rund 100 Operationen – es handelt sich um Eingriffe, die nicht sofort stattfinden müssen – abgesagt werden. Sie sollen nach und nach nachgeholt werden, so das Klinikum. Auf einigen Stationen sei der Betrieb im Hinblick auf den Streik heruntergefahren worden. "Die Besetzung von Stationen, die am Dienstag und Mittwoch bestreikt werden, wurde durch stationsfremdes Personal sichergestellt. Alle Schichten konnten so besetzt werden. Die Patientensicherheit ist zu jedem Zeitpunkt gegeben", so der stellvertretende Vorstand für Finanzen und Strategie, Michael Musick. Anders als beim Warnstreik im September mussten diesmal laut Verdi statt 200 Betten rund 110 Betten gesperrt werden. Dafür sei die Streikbereitschaft im OP-Bereich diesmal hoch.

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