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Augsburger Geschichten

27.06.2018

50 Jahre Augsburg-Airport

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3 Bilder
Aus über 50 Meter Höhe bietet der Müllberg einen umfassenden Überblick über den „Augsburg-Airport“.
Bild: Sammlung Häußler

Seit 22. Juni 1968 ist der Flugplatz in Betrieb. Linienflüge wurden 2005 aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt. Heute sind Segelflugvereine auf dem Areal.

Vor 50 Jahren hob am Flugplatz an der Haunstetter Straße die letzte Maschine ab. Sie landete auf dem neuen Flughafen nördlich des Autobahnsees. Dessen offizielle Eröffnung jährte sich am 22. Juni zum 50. Mal. Der verlassene Flugplatz wurde zum „Alten Flugplatz“. Darauf erstand ab 1972 das Universitätsviertel. Wo heute große Wohnblocks stehen, startete am 1. Juli 1917 der erste in Augsburg gebaute Rumpler-Doppeldecker. Die riesengroße Wiese war der Werksflugplatz der Rumpler-Werke. Sie hatten sich hier 1916 angesiedelt und Hallen gebaut.

Nach dem Ersten Weltkrieg begann auf dem 110-Hektar-Areal der zivile Luftverkehr. Die Wiese wurde zu Augsburgs Verkehrsflugplatz. Am 13. März 1919 landete die erste Doppeldecker-Passagiermaschine der „Rumpler Luftverkehr“. Augsburg war einige Jahre in den Linien-Luftverkehr zwischen München und Berlin einbezogen. Der Verkehrsflugplatz Augsburg erreichte jedoch nie größere Bedeutung.

Im Frühjahr 1927 wurde zwar die „Schwäbisch-bayerische Fluggesellschaft m.b.H. Augsburg“ gegründet, doch sie vermittelte nur Flüge. Sie warb für Rundflüge und Vergnügungsflüge sowie für Zubringerflüge zum Liniennetz der Lufthansa. Die weite baumfreie Fläche blieb zugleich ein Werksflughafen mit Graspiste: bis 1923 für die Rumpler-Werke, ab 1926 für die „Bayerischen Flugzeugwerke“, danach für die „Messerschmitt AG“.

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Der Flugplatz war im Zweiten Weltkrieg Ziel alliierter Bomber

Der Flugplatz sowie die Entwicklungs- und Produktionsgebäude von Messerschmitt waren im Zweiten Weltkrieg mehrmals Ziele alliierter Bomber. Nach Kriegsende blieb das Flugfeld bis Mai 1956 von den Amerikanern beschlagnahmt. Bis zu 25 kleine Militärmaschinen und eine Hubschrauberstaffel waren hier stationiert. Eine betonierte Start-und-Lande-Bahn bekam der Platz auch unter den Amerikanern nicht.

Die US Army überließ ab 1952 den Südteil des Flugfelds den Segelfliegern, ab 1955 auch den motorisierten Sportfliegern. Im Herbst 1963 begann die Verlegung militärischer Flugaktivitäten nach Gablingen. Zum 30. April 1964 kündigte die Bundesrepublik Deutschland das Pachtverhältnis für das Flugplatzgelände mit Augsburg. Die Stadt war Besitzerin des riesigen Areals und wollte alle Flieger von dort längst loswerden. Der Grund: Der Flugplatz zwischen Augsburg und Haunstetten war als Baugelände für Wohnungen vorgesehen. Deshalb sollte ein neuer Flugplatz weitab von der Stadt und ihrer Wohnbebauung liegen.

Seit Ende der 1950er-Jahre war eine Verlegung betrieben worden. Anfang 1962 genehmigte die Regierung einen „Landeplatz für Motorflugzeuge bis 5700 Kilo Fluggewicht nach Sichtflugregeln“ zwischen Autobahnsee und Mühlhausen. Eine 700-Meter-Betonpiste wurde genehmigt. Währenddessen nahm die Fliegerei an der Haunstetter Straße enorm zu: 1963 gab es 35192 zivile Starts und Landungen.

Am 22. Juni 1968 ging der neue „Verkehrslandeplatz“ offiziell in Betrieb

Am 17. Oktober 1965 ordnete Oberbürgermeister Wolfgang Pepper den Baubeginn für den neuen Flughafen an, der teils auf Mühlhauser, teils auf Augsburger Gebiet entstand. Am 9. Dezember 1967 machte Flugkapitän Helmut Kaden den ersten fünfminütigen „Lufthüpfer“ vom alten zum neuen Flugplatz. Am 22. Juni 1968 ging der neue „Verkehrslandeplatz“ offiziell in Betrieb. Auf dem „Alten Flugplatz“ begann 1972 die Bebauung. Der Stadtteil bekam den Namen „Univiertel“. Die am Rand des neuen Wohngebiets entstehende Universität gab dafür den Ausschlag. Der neue „Augsburg-Airport“ war allerdings bereits in der Planungsphase umstritten. Es gab in den Stadtteilen Hammerschmiede und Firnhaberau sowie im Umland Befürchtungen wegen des erwarteten Lärmpegels. Als nach der Inbetriebnahme ein schrittweiser Ausbau mit Startbahn-Verlängerungen, weiteren Gebäuden und einem neuen Tower folgte, löste diese „Aufrüstung“ Proteste aus.

Der defizitäre Betrieb und die Abdeckung der Fehlbeträge aus Steuermitteln beschäftigen Politiker nach wie vor. Mit der Aufnahme eines Linienflugverkehrs im Jahr 1986 war die Erwartung verbunden, dass sich durch Erhöhung der Einnahmen der Zuschussbedarf für die Aktivitäten verringern würde. 1981 hatte die Papierfabrik Haindl „Interot Airways“ gegründet. 1986 begann das Unternehmen ab Augsburg mit Linienflügen. 1990 nutzten 24165 Passagiere das Angebot. Im Oktober 1995 wurde „Interot“ in „Augsburg Airways“ umbenannt. In diesem Jahr flogen 97000 Passagiere mit Linienmaschinen ab und bis Augsburg. Bis zu 13 Ziele wurden planmäßig angeflogen, darunter Dresden, Leipzig, Berlin-Tempelhof, Hamburg, Düsseldorf, Köln und Frankfurt. Urlauberflüge mit bis zu 50-sitzigen Turboprop-Maschinen gingen nach Neapel, Usedom, Brac, Sardinien und Korsika in die Luft.

2005 brach über den Flugplatz ein wirtschaftliches Desaster herein

Im Jahr 2000 registrierte der „Augsburg-Airport“ mit 76766 Starts und Landungen von Motorflugzeugen ein Allzeithoch. 216632 Passagiere nutzten in diesem Jahr die 8108 Linienflüge. Dem steilen Aufschwung nach der Wiedervereinigung folgte eine verlustreiche Abschwungphase. 2005 endeten die Linienflüge. „2005 brach über den Flughafen ein wirtschaftliches Desaster herein“, heißt es in einem Rückblick der „Flughafen GmbH“.

Seit 2005 ist die „Flughafen GmbH“ eine 100-prozentige Tochter der Stadt Augsburg. Sie wirbt für den „City-Airport“: Er sei „ideal für Business Aviation und General Aviation“. Fünf Chartergesellschaften, mehrere Wartungsbetriebe und Flugschulen haben sich angesiedelt. 140 Maschinen parken in den Hallen. Angegliedert ist ein Gewerbepark.

Die Flugbewegungen haben sich auf etwa 50000 im Jahr eingependelt. Es besteht ein regelmäßiger Werkflugverkehr nach Marseille. Den zweistrahligen Jets genügt die 1280 Meter lange Asphaltpiste, die um 314 Meter befahrbare Sicherheitsstreifen verlängert ist. Ein Segelflugzentrum ist angegliedert. Bei idealem Flugwetter herrscht dort Hochbetrieb. Vier Segelflugvereine mit 50 Flugzeugen und vier Hallen sind hier „zu Hause“. Ihnen stehen drei Graspisten zur Verfügung.

"Frühere Folgen des Augsburg-Albums zum Nachlesen finden Sie im Online-Angebot unserer Zeitung unter

www.augsburger-allgemeine.de/augsburg-album

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