01.12.2008

60 Jahre Vollgas

Der Motorsportclub (MC) Augsburg feiert am Samstag sein 60-jähriges Bestehen. Ein Mann der (fast) ersten Stunde ist Horst Molle. Seit 1955 ist der 72-jährige ehemalige LEW-Elektromeister Mitglied beim MCA, seit 1969 ist er Sportleiter. Wir sprachen vor dem Jubiläum mit dem Stadtberger, der alle Höhen und Tiefen mitgemacht hat.

Stören wir gerade?

Molle: Nein, ich bin gerade dabei, meine Unterlagen über den MCA zu ordnen. Zum 50-Jährigen haben wir eine Chronik rausgebracht, die habe ich jetzt aktualisiert. Sie wird knapp 200 Seiten haben und ist gerade in der Druckerei. Am Samstag werden wir sie beim Festabend druckfrisch in Händen halten. Man kann sich gar nicht vorstellen, was da zusammenkommt.

Sie müssen es ja wissen. Wie lange sind Sie denn schon Mitglied beim MCA?

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Molle: Wollen Sie das genau wissen? Da muss ich erst einmal nachschauen. Ich bin Mitglied seit 1955.

Und seit wann sind Sie Sportleiter?

Molle: Oh je, das geht weit zurück. Ich bin es seit 1969. Seitdem kümmere ich mich um die ganzen Großveranstaltungen. Das habe ich gerade rausgeschrieben. Es waren 85 Großveranstaltungen mit rund einer halben Million Zuschauer.

Apropos Großveranstaltungen. Der MCA ist ja bekannt für seine Flugplatzrennen.

Molle: Angefangen haben wir damit in Gablingen, dort wo früher die Abhörstation war. Das war 1969. Ein Jahr später sind wir nach Mühlhausen umgezogen. Dort haben wir bis 1991 22 Rennen ausgerichtet. Nach dem Ausbau des Flughafens wurde es aber immer schwieriger, eine Genehmigung zu bekommen. Schade. Dann sind wir aufs Lechfeld umgezogen. Zwei Mal mussten wir dort absagen. Einmal während des IrakKrieges und ein Mal hatten sich zu wenig Teilnehmer angemeldet. Seit 2002 sind wir nun auf dem Salzburgring. Auch 2009 wollen wir dort wieder ein Rennen durchführen, am ersten Juli-Wochenende. Ich hoffe, dass es klappt.

Ein Augsburger Verein, der in Österreich ein Rennen veranstaltet. Warum macht man das?

Molle: Es ist schade, dass wir hier kein Rennen mehr durchführen können. Aber so etwas ist wichtig, damit der Verein nicht in Vergessenheit gerät. Wir sind der einzige Verein in Bayern, der überhaupt noch ein Straßenrennen veranstaltet. Es gibt keine Strecken mehr und es ist auch sehr teuer. Das Unternehmen Salzburgring kostet so rund 250 000 Euro. Da hat man natürlich sehr viel Verantwortung. Mal macht man etwas Gewinn, mal etwas Verlust.

Der MCA hat ja eine tolle sportliche Vergangenheit.

Molle: Wir haben es immer wieder geschafft, Weltmeister rauszubringen wie Werner Haas, Dieter Braun oder Anton Mang. Haas war ja der erste deutsche Weltmeister. Er fuhr zu einer Zeit, als der Motorsport sehr hoch angesehen war. Da fuhren viele mit dem Motorrad zur Arbeit. Zu seinem Mythos trug auch sein tragischer Tod bei. Der Bekannteste war aber sicher der Toni Mang. Es gibt keinen anderen Deutschen, der fünf Mal Weltmeister wurde.

Diese Erfolge liegen aber alle schon ein wenig zurück. Wie gelang es, alle diese Fahrer zum MCA zu holen?

Molle: Das war die Zeit, in der viele unsere Mitglieder bei MAN oder Renk beschäftigt waren. Da konnten die Fahrer über uns natürlich günstig an Ersatzteile und dergleichen kommen. Und deswegen war es fast ein Selbstläufer, die Fahrer kamen fast schon automatisch zu uns. Aber wir haben jetzt mit Stefan Bradl wieder ein tolles Talent im Verein, das das Zeug zum Weltmeister hat.

Hilfe brauchte zuletzt aber auch die Motocross-Abteilung des MCA?

Molle: Ja, wir durften nicht mehr auf unserem Trainingsgelände an der Derchinger Straße trainieren. Die Stadt Friedberg hatte es verboten. Danach sind uns die meisten Motocrossler weggelaufen, weil wir keine Trainingsmöglichkeiten mehr bieten konnten. Jetzt haben wir aber den Prozess gegen die Stadt Friedberg gewonnen. Ich hoffe, wir können bald wieder dort trainieren und dann werden auch die Motocrossler wieder zu uns zurückkommen.

Sie sind seit 1969 Sportleiter. Wie lange wollen Sie dieses Amt noch ausüben?

Molle: Bis sich ein Jüngerer findet. Nach so vielen Jahren stumpft man etwas ab. Aber es ist gar nicht so einfach, einen Nachfolger zu finden.

Fahren Sie selbst noch Motorrad?

Molle: Ja klar. Eine BMW F 800 GS. Früher ist meine Frau Renate immer noch mitgefahren, aber jetzt will sie nicht mehr. Am liebsten fahre ich in die Berge, aber nur, wenn das Wetter schön ist und wenn ich Zeit habe. Und das kommt nicht so oft vor. Denn ich bin als Sportkommissar oft kreuz und quer in Deutschland unterwegs.

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