1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. 650 Jahre Fugger: Die "Fuggerstädter" feiern ihre Namensgeber

Augsburg

16.10.2017

650 Jahre Fugger: Die "Fuggerstädter" feiern ihre Namensgeber

Die Stadt dankte den Fuggern für 650 Jahre Engagement in Augsburg (von links): Isabella Gräfin Thun-Hohenstein, Alexander Erbgraf Fugger-Babenhausen, Europaministerin Beate Merk, Oberbürgermeister Kurt Gribl, Maria Elisabeth Gräfin Thun-Fugger und Maria Theresia Gräfin Fugger von Glött.
Bild: Silvio Wyszengrad

Die Fugger haben über 650 Jahre Augsburg geprägt. Nun sagte die Stadt Danke und die Fugger von heute berichteten von Geschichte, Stiftungen und kalten Gängen.

Wenn über den FC Augsburg berichtet wird, dauert es nicht lange, bis der Fußballreporter von der Fuggerstadt und den Fuggerstädtern spricht. Oberbürgermeister Kurt Gribl hört das gerne, denn das erinnert ihn an die prägende Kraft der berühmten Kaufmannsfamilie: „Wir sind Fuggerstädter“, sagte er im Goldenen Saal, wo sich die Stadt bei einem Festakt für das Engagement der Fugger in Augsburg über nun 650 Jahre bedankte: „Ihr Engagement ist ein Geschenk für die Stadt.“

Vor 650 Jahren war mit Hans Fugger der erste Vertreter der Familie nach Augsburg gekommen. Von hier aus betrieben die Fugger erfolgreich weltweit Handel, die Stadt entwickelte sich zu einem wirtschaftlichen und politischen Zentrum. Der Kaiser hielt hier gerne seine Reichstage ab. Das prägte Augsburg ebenso wie das soziale Engagement der Fugger und ihrer Stiftungen. Bekanntestes Beispiel ist die Fuggerei, die älteste Sozialsiedlung der Welt. Gribl würdigte das „hochmoderne Konzept“ der fast 500 Jahre alten Siedlung, die es jedem eine Chance auf eine „eigenverantwortliche Zukunft“ geben wolle. Zugleich verwies er vor rund 400 Gästen - unter ihnen auch Vertreter der Kaufmannsfamilie der Welser und der Familie von Stetten - auf die vielfältigen Spuren der Fugger im Stadtbild und deren Anziehungskraft für Touristen. Europaministerin Beate Merk lobte das Zusammenspiel von „Eigenverantwortung und Solidarität“ in der Fuggerei. Und Prof. Dietmar Schiersner blickte zurück auf „650 Jahre Fugger in Augsburg“. Danach hatten die Fugger selbst das Wort.

Verantwortung für Stiftungen

Maria Elisabeth Gräfin Thun-Fugger, Theresia Gräfin Fugger von Glött und Alexander Erbgraf Fugger-Babenhausen bilden das Fuggersche Familienseniorat. Sie vertreten die drei Fuggerlinien und leiten die Geschicke der Stiftungen, deren berühmteste die Fuggerei ist. Sie haben eigene Besitzungen und Unternehmen, aber: „Uns eint der Name und die Verantwortung für die Stiftungen“, sagte Senioratsvorsitzende Maria Elisabeth Gräfin Thun-Fugger. Seit fast 500 Jahren leben dort bedürftige Menschen für heute 88 Cent Miete im Jahr und für Alexander Erbgraf Fugger-Babenhausen ist es ein Teil der „Faszination“ der Fugger, dass sich die Stiftung seit dieser langen Zeit ohne staatliche Hilfe finanziert. Die Fugger setzen dabei auf nachhaltiges Wirtschaften vor allem in der Forstwirtschaft.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
650 Jahre Fugger in Augsburg
9 Bilder
Stadt würdigt Familie Fugger im Goldenen Saal
Bild: Silvio Wyszengrad

In der Kita in Bergheim

Alexander Erbgraf Fugger-Babenhausen lebt in Wellenburg und erinnerte sich daran, wie er in Bergheim in den Kindergarten, in Göggingen in die Grundschule auf in Neusäß auf das Gymnasium ging. Er habe sich als Kind und Jugendlicher „auch nicht anders gefühlt als seine Spezis in Bergheim“, sagte er. Theresia Gräfin Fugger von Glött arbeitet in einer staatlichen Behörde. Sie lebte lange Zeit in der Jakobervorstadt, ganz in der Nähe der Fuggerei: „Ich mag die Fuggerei und ich mag ihre Bewohner“, sagte sie. Im Beruf erlebt sie regelmäßig Nachfragen zu ihrem Namen. Eine davon: „Warum müssen Sie arbeiten?“ Ihre Antwort: „Weil man vom Namen nicht herunterbeißen kann.“ Und auch das Leben im Schloss ist nicht immer so toll wie in der Vorstellung, verriet Maria Elisabeth Gräfin Thun-Fugger. „Vor allem im Winter, wenn die Gänge kalt sind und sich Eisblumen am Fenster bilden.“

Zu Beginn und zum Abschluss gab es im Goldenen Saal stimmungsvolle Ausblicke auf die nächste Freilichtbühnensaison. Aus dem Fuggermusical „Herz aus Gold“ stimmte Chris Murray begleitet von Komponist Stephan Kanyar den gleichnamigen Titel an. Den Abschluss bildete das Duett „Tanz deine eigene Weise“. Mehr ist im Sommer 2018 zu hören. 

Lesen Sie auch: Die Fugger: So prägt eine Familie ganz Augsburg  

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20Jakobspfr%c3%bcnde_Neubau_1898_Detail_jpg.tif
Augsburg

Plus Evakuiertes Haus: Schon beim Bau gab es Probleme

WhatsappPromo.jpg

Alle News per WhatsApp

Die wichtigsten Nachrichten aus Augsburg, Schwaben
und Bayern ganz unkompliziert auf Ihr Smartphone.

Hier kostenlos anmelden