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Augsburg

25.09.2019

8000 Hektar Fläche: Warum der Wald für Augsburg so wichtig ist

Bei dem rund einstündigen Spaziergang mit Jürgen Kircher, Leiter der Forstverwaltung, ging es auch darum, was der Wald den Bürgern für gute Behandlung zurückgibt.
Bild: Michael Eichhammer

Die Bäume sind Teil des Augsburger Lebensgefühls. Dafür gibt es gute Gründe. Warum Nachhaltigkeit heute wichtiger ist als der wirtschaftliche Aspekt.

Wer denkt, der derzeit allgegenwärtige Begriff „Nachhaltigkeit“ sei ein brandneues Phänomen, irrt sich gewaltig. „Das Wort Nachhaltigkeit kommt aus der Forstwirtschaft“, weiß Jürgen Kircher, Leiter der Augsburger Forstverwaltung. Im Wald wird dieser Gedanke bereits seit über 300 Jahren gelebt. Und Wald gibt es reichlich in der Schwabenmetropole: Der Stadtwald macht 25 Prozent von Augsburg aus. Mit anderen Worten: Ein Viertel der Stadt ist unbebautes Waldgebiet. Mit knapp 8000 Hektar Waldfläche (umgerechnet mehr als 10.000 Fußballfelder) ist Augsburg der größte kommunale Waldbesitzer Bayerns.

Zwei der sieben Forstreviere befinden sich direkt im Stadtgebiet: der Haunstetter Wald und der Siebentischwald. Zu einem Spaziergang durch letzteren luden Jürgen Kircher und die Zweite Bürgermeisterin und Forstreferentin Eva Weber die Presse am Montagnachmittag ein. „Der Termin findet bei jedem Wetter statt“, war auf der Einladung zu lesen. Ein wichtiger Hinweis, denn es regnete bei dem Rundgang durch den Wald bisweilen in Strömen. Darüber freute sich einer besonders: „Regen ist gut für den Wald“, weiß Jürgen Kircher. Was man dem Wald noch Gutes tun kann und was der Wald uns zurückgibt, darum ging es in dem rund einstündigen Spaziergang durch das südliche Ende des Siebenbrunner Reviers.

Jedes Jahr 200.000 neue Bäume

Der Aspekt der Nachhaltigkeit steht für Kircher über dem der Wirtschaftlichkeit.
Bild: Michael Eichhammer

Rund 200.000 Bäume pro Jahr werden im Stadtwald neu gepflanzt. Wichtig ist der Wald nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen oder als Erholungsgebiet. Er ist auch Heimat von Tieren, Lärmschutz und Trinkwasserschutzgebiet. Zudem dient er als natürliche Klimaanlage. Der Unterschied zwischen bebautem Gebiet und Wald kann bis zu fünf Grad ausmachen. So hat der Wald einen Kühleffekt auf die Stadt.

Auch für den Klimaschutz spielt der Wald eine elementare Rolle. Ein Rechenbeispiel: Ein Baum bindet eine Tonne CO2. Eineinhalb Bäume sind also in Sachen CO2 quasi der Gegenpol zu einem Jahr Autofahren. Der derzeit viel diskutierte CO2-Anstieg sei messbar und die damit einhergehende Häufung von Wetterextremen vorauszusehen, so Kircher. Daran müssen sich nicht nur die Menschen anpassen, sondern auch die Natur. „Die Mischung macht’s“, erklärte der Förster die städtische Strategie, um den Wald widerstandsfähig zu halten. Gefragt sind Bäume, die mit den Klimaveränderungen zurechtkommen. „Mit Monokultur kommt man nicht weiter“, weiß Jürgen Kircher. Als Testgelände, welche Bäume sich in Schwaben wohlfühlen, gibt es den Exotenwald in Diedorf. Hier wachsen unter anderem Himalaya-Zedern und Türkentannen.

Mit einem Missverständnis räumte der Leiter der Forstverwaltung auf: „Den Wald zu nutzen ist nichts Schlechtes“, erklärte Jürgen Kircher. So lange der Aspekt der Nachhaltigkeit nicht aus den Augen verloren wird, versteht sich. Dieser Aspekt würde bei ihm und seinen 50 Mitarbeitern über der Wirtschaftlichkeit stehen, so Kircher. Durch die Waldnutzung wird CO2 gebunden. „Wird ein Baum als Dachstuhl genutzt, wird das Potenzial nicht genommen, sondern aktiv genutzt“, nannte der „Herr der Wälder“ ein Beispiel. „Der Klimawandel ist bei uns nicht erst seit Kurzem ein Thema“, stimmte Eva Weber zu. Doch die CO2-Bilanz sei nur dann gut, wenn man den Wald nutzt. Denn egal ob Dachstuhl aus Holz, Tisch, Stuhl oder ein komplettes Holzhaus: Das von den Bäumen gespeicherte CO2 bleibt darin gebunden.

Stadtwald ist Teil des Augsburger Lebensgefühls

„Der Stadtwald ist Teil des Augsburger Lebensgefühls“, findet Jürgen Kircher. Immer wieder laden Projekte dazu ein, die Bindung der Augsburger zur Natur zu verstärken. Auch beim Bürgerwald, der in rund drei Wochen in der Hammerschmiede angelegt wird, ist der Name Programm. Einen ersten Bürgerwald hat Augsburg bereits seit 2013 in Bergheim. Nun werden 10.000 neue Bäume im waldarmen Nordosten des Stadtgebietes gepflanzt. Vier Hektar Fläche, drei davon Wald, stehen für die Erstaufforstung in unmittelbarer Nähe des Lärmschutzwaldes Hammerschmiedewald zur Verfügung.

Der Forstverwaltung geht es, neben dem Naherholungsort für die Bürger der Stadt, auch um die „Begründung eines standortgerechten klimatoleranten Waldes mit Laubbaumarten“ und eine „hohe ökologische Vielfalt“. Der Bürgerwald soll nebenbei auch das Bewusstsein der Städter für die Natur und deren Wertschätzung schärfen. Ein generationenübergreifendes Thema also. Beim Pflanzfest am Dienstag, 15. Oktober, können Schüler Bäumchen pflanzen.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Bürger können den Spaten in die Hand nehmen

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