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07.08.2017

83-jähriger Ladendiebin droht Gefängnis

Justiz Seniorin aus Bad Wörishofen sagt: „Ich klaute vor Hunger.“ Wenn die Staatsanwaltschaft nicht Gnade vor Recht ergehen lässt, muss sie neun Monate hinter Gitter – wegen 70,11 Euro

Bad Wörishofen Muss die 83-jährige Ingrid Millgramm wirklich neun Monate lang ins Gefängnis, weil sie Lebensmittel und Waren im Wert von insgesamt 70,11 Euro mitgehen ließ? Fünf Mal wurde die Rentnerin erwischt, als sie in Supermärkten nahe ihrer Wohnung Suppenfleisch, Knäckebrot oder Papiertaschentücher klaute. „Ich habe aber extra nur die bereits reduzierte Ware gestohlen“, sagt sie.

Dafür wurde sie zu einer Geldstrafe verurteilt, die sie aber nicht bezahlen konnte. Nach zwei weiteren Bewährungsstrafen geht das Memminger Gericht jetzt davon aus, dass ihre „Sozialprognose schlecht ist und weitere Straftaten zu befürchten sind“, bestätigte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Weil jetzt ein Gutachter trotz mehrerer chronischer Krankheiten und einer leichten Verwirrtheit die Haftfähigkeit der 83-Jährigen bestätigte, können nur noch Rechtsmittel und letztlich ein „Gnadengesuch“ eine Haftstrafe verhindern.

Nachdem sie nach dem Tod ihres Mannes ihr Vermögen verloren und sich wochenlang nur von „Knäckebrot und Leitungswasser“ ernährt habe, sah Ingrid Millgramm keinen anderen Ausweg mehr: „Ich habe vor Hunger gestohlen, und dafür schäme ich mich heute zutiefst.“

Von ihrer knappen Rente bleiben ihr nach Abzug aller Fixkosten für Miete, Strom und Medikamente höchstens 100 Euro monatlich, mit denen sie klarkommen muss. Dabei habe sie doch 45 Jahre gearbeitet, sagt die gelernte Schneiderin ratlos. Hilfen wie etwa von der Tafel lehnt sie aber ab: Sie schäme sich zu sehr für ihre Altersarmut, sagt sie. Als „Oma Ingrid, die vor Hunger klaute“, hat sie bereits eine zweifelhafte Berühmtheit erlangt. Sie will gar nichts beschönigen – sie weiß, dass sie Unrecht getan hat, und verspricht mit tränenerstickter Stimme: „Ich werde bestimmt nie wieder etwas stehlen.“

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