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Kommentar

28.01.2018

AVV-Tarifreform: Ein Plädoyer für das Kurzstreckenticket

Warum bei allem verständlichen Ärger über die Tarifreform das Kurzstreckenticket richtig ist. Es bedarf allerdings einer Korrektur, um es noch besser zu machen.
Bild: Silvio Wyszengrad (Symbolbild)

Bei allem verständlichen Ärger über die Tarifreform ist das Kurzstreckenticket dennoch richtig. Es bedarf allerdings einer Korrektur, um es noch besser zu machen.

Sie ist der Aufreger des Jahres: Die Tarifreform, die seit 1. Januar im Augsburger Verkehrsverbund (AVV) gilt, hat einen Proteststurm wütender Fahrgäste ausgelöst. Der Ärger ist deshalb so groß, weil sich zumindest ein Teil der Kunden abgezockt sieht. Viele Leserbriefschreiber, die sich an unsere Redaktion in den zurückliegenden drei Wochen gewandt haben, listen exemplarisch auf, dass sie seit Januar oftmals sehr viel mehr Geld im AVV-Gebiet zahlen müssen als zuvor. Die Preispolitik stößt auf massive Proteste.

Verständlich, wenn eine Reform dem Bürger so hart in den Geldbeutel greift. In Augsburg ist die Wut so extrem, weil für bestimmte Fahrten im Stadtgebiet das Doppelte verlangt wird. Es trifft in diesem Fall Gelegenheitsfahrer, die für ein Einzelticket 2,90 Euro bei einer längeren Strecke zahlen müssen. Dieser Preis hat sich seit Januar zwar nicht geändert, doch die Tarifreform hat die Regelung deutlich verschärft. Wer jetzt mehr als fünf Haltestellen inklusive Einstieg in Anspruch nimmt, zahlt diesen Betrag. Bis zu fünf Haltestellen kostet das Ticket 1,45 Euro.

Augsburger ärgern sich über Tarifreform des AVV

Sauerei, heißt es deshalb immer wieder. Die Kritik ist sicherlich zutreffend, doch es gibt auch gute Gründe, ein solches Kurzstreckenticket eingeführt zu haben. Das sage ich, der als typischer Gelegenheitsfahrer zu bezeichnen ist. Als jemand, der sich nicht mit einem Abo binden möchte und der die Tram nutzt, wenn es regnet oder wenn er zu faul ist, zu laufen. Und als jemand, der immer schon als Gelegenheitsfahrer Probleme hatte, das komplexe Tarifzonensystem im Stadtgebiet zu verstehen. Denn hier gibt es die Zonen 10 und 20. Vereinfacht gesagt, betrifft die Zone 10 den innerstädtischen Raum. Weiter weg davon liegt die Zone 20.

Vor Januar 2018 galt für Gelegenheitsfahrer folgende Regelung: Wer aus der Zone 10 in die Zone 20 wollte und umgekehrt, zahlte bereits 2,90 Euro. Es gab ein spezielles Angebot für etwa fünf Haltestellen im Zonengebiet: Ein Miniticket war für den Betrag von 1,70 Euro erhältlich. Der Haken dabei war: Dieses günstige Angebot war vielen Fahrgästen gar nicht bekannt, deshalb zahlten sie dann oftmals den vollen Betrag von 2,90 Euro. Ein Beispiel aus der Praxis: Die Haltestelle Ulrichsbrücke ist die erste der Tramlinie 1 stadtauswärts in Lechhausen. Sie ist der Zone 10 zugeordnet. Etwa 200 Meter entfernt, nahezu in Sichtweite, ist die Haltestelle „Schlössle“. Sie gehört zur Zone 20. Wer nun vor Januar diese kurze Verbindung genutzt hat, konnte das Miniticket nutzen. Doch es gab sicherlich auch Fahrgäste, die 2,90 Euro zahlten. Es ist sicherlich ein Extrembeispiel. Im Rückblick gesehen, bleibt festzuhalten: Die Zonen 10 und 20, dazu ein Miniticket. Das war reichlich kompliziert und schwer durchschaubar.

Neues Kurzstreckenticket besser als bisheriges Miniticket

Ein Kurzstreckenticket, wie es jetzt auf den Markt gebracht wurde, ist jedenfalls in der Abwägung erst einmal eine bessere Lösung für Gelegenheitsfahrer. Gezählt wird die Zahl der Haltestellen. Die Logik ist erkennbar: Eine kurze Strecke ist günstig, eine längere teurer. Es ist eine einfachere Handhabe, die sich auch für Auswärtige schnell erschließt. Man kann sich leicht ausmalen, wie orientierungslos Nicht-Augsburg-Kenner im Dschungel des Zonen-Tarifsystems waren. Das Kurzstreckenticket in seiner jetzigen Form (1,45 Euro) ist auch günstiger als das mittlerweile eingestellte Miniticket (1,70 Euro).

Sind 1,45 Euro für fünf Haltestellen nun zu viel Geld? Das muss jeder für sich beantworten. 2,90 Euro für sechs Haltestellen sind es dagegen allemal. So ist der Ärger der Fahrgäste zu verstehen. Sie haben damit zweifellos recht. Wobei Gelegenheitsfahrer günstiger fahren, wenn sie etwas vorausschauend ihre Tickets kaufen. Die kurze Fahrt kostet 1,20 Euro mit der Streifenkarte, was einem Streifen entspricht, der zu entwerten ist. Auf die längere Fahrstrecke (ab sechs Haltestellen) sind es zwei Streifen, macht somit 2,40 Euro. Die Ersparnis gegenüber einem Einzelticket beträgt immerhin 50 Cent.

Dieses Beispiel mag verdeutlichen, dass es in einem komplexen Tarifsystem auch günstigere Angebote gibt. Wenn man sich damit ein wenig beschäftigt. Es ist vor allem Sache der Stadtwerke, diese Möglichkeiten viel deutlicher zu kommunizieren. Denn die Tarifreform beinhaltet sehr wohl kundenfreundliche Angebote.

Stadtrat entscheidet über Nachbesserung der Tarifstruktur

Das Kurzstreckenticket in der jetzigen Form ist es aber (noch) nicht. Die Stadträte haben bereits erkannt, dass Handlungsbedarf besteht. Die Stadtwerke werden sich deshalb schwertun, an der jetzigen Regelung festzuhalten. Es wird nachgebessert, davon ist auszugehen. Sollte die Zahl der Haltestellen beispielsweise auf sieben erhöht werden, kommen Fahrgäste von der Ulrichsbrücke direkt in die Innenstadt. Derzeit endet ihre Fahrt für 1,45 Euro an der Pilgerhausstraße, auf Höhe des Alten Stadtbads. Mit sieben Haltestellen kämen sie zum Moritzplatz, also direkt in die Innenstadt.

Dass an anderen Tarifangeboten ebenfalls zwingend nachgebessert werden muss, ist nötig. Ein Kurzstreckenticket mit verbessertem Angebot wäre jedoch ein Schritt für mehr Akzeptanz dieser Tarifreform.

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29.01.2018

Ich kann der Argumentation leider nicht folgen. Warum soll es soviel einfacher sein, im Vorfeld herauszufinden, wie viele Stationen von meinem Einstieg bis zu meinem gewünschten Ziel ist. Vor allem als Gelegenheitsfahrer - vor allem als Tourist? Als Tourist verlasse ich mich gerne auch darauf, dass ich beim Fahrer einsteigen kann und eine Auskunft bekomme. Das ist zwar nicht erwünscht, aber eigentlich eine selbstverständliche Serviceleistung. In Augsburg kriegt man dann die Antwort: Steigen Sie wieder aus, kaufen Sie am Automat ein Kurzstreckenticket und warten Sie auf die nächste Bahn/Bus. Das ist klasse. Das ist doch wirklich eine deutliche Verbesserung für Unkundige! Alternativ erhält man nicht mal diese Antwort sondern der Fahrer verlangt einfach 2,90.

Ich denke, der Wegfall der Zone 10 für Gelegenheitsfahrer trifft viel mehr Menschen negativ als das Problem des knappen über den Zonenrandhinausfahrens. Wahrscheinlich war das mit dem Miniticket auch deshalb nicht allgemein bekannt. Und weil die SWA kein Interesse daran hatten, darüber zu informieren. Wie sie ja auch nicht mal in ihren Tariftabellen auf den Umstand hinweisen, dass es das Kurzstreckenticket nur am Automaten gibt.

Wer kurze Strecken fährt zahlt etwas weniger, wer lange Strecken fährt etwas mehr, schreibt Herr Hörman. Nun, Wem das Kurzstreckenticket nicht ausreicht, der zahlt aber auch für ein wenig mehr Strecke erheblich mehr Kohle. Früher konnte man bis zu 11 Haltestellen erreichen, mit einem Fahrschein für die Innenzone.

Dazu kommt, dass sich, wenn quasi jede Haltestelle auf dem Ticket gekennzeichnet werden kann, es durchaus möglich wäre, für ein jede Haltestellen mehr auch etwas mehr zu zahlen. Vier Haltestellen kosten 1,20 (auf der Streifenkarte) Warum dann nicht 5 Haltestellen 1,60, 6 Haltestellen 2,00 Euro, sieben 2,40 - da wäre man dann bei dem Preis der Zone 2, ab dann kann man so weit man möchte.

Das würde auch das Argument entkräften, dass eine Ausweitung des Kurzstreckentickets so viel Geld kosten würde.

Leider wurde vergessen, darauf hinzuweisen, dass die Streifenkarte, mit der man etwas günstiger wegkommt künftig ein Verfallsdatum haben und nicht mehr umgetauscht werden können.

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