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Westfriedhof Augsburg

01.11.2018

Abschied in Würde: Wo Obdachlose ihre letzte Ruhe finden

Der Grabstein schmückt eines der ersten beiden Obdachlosengräber. Inzwischen gibt es in Augsburg drei.
Foto: Silvio Wyszengrad

Auch Menschen, mit denen es das Leben nicht gut meinte, verdienen eine würdevolle Beerdigung. Auf dem Westfriedhof gibt es inzwischen drei besondere Grabstätten.

Herrn K.s größte Sorge kurz vor seinem Tod war, was mit ihm „danach“ passiert. Als der Sozialarbeiter ihm sagte, er solle sich keine Sorgen machen, es gebe ein Grab, schlief K. beruhigt ein. Für immer. Herr K. ist der erste, der im inzwischen dritten Obdachlosengrab am Westfriedhof seine letzte Ruhe gefunden hat. Beim Sozialdienst Katholischer Männer (SKM) ist man froh, dass Spenden die Obdachlosengräber ermöglichen. Über eines hat man sich jetzt besonders gefreut.

Die Blätter fallen auf dem Westfriedhof von den Bäumen. Sie bilden einen bunten Teppich auf den Wegen. Blätter hängen auch an den Grabsteinen der ersten beiden Obdachlosengräber. Sie allerdings sind aus Ton gestaltet. In ihnen eingeritzt stehen 17 Namen, Geburts- und Todesdaten. 17 Verstorbene, mit denen es das Leben nicht so gut gemeint hatte. Seit Februar dieses Jahres gibt es die mittlerweile dritte Grabstätte für Obdachlose. Acht Urnen und zwei Särge haben in dem neuen Gemeinschaftsgrab Platz. Drei Menschen wurden hier bislang bestattet. Wie Herr K.

Auf dem Grabstein aus hellem Marmor sind aber noch keine Namen zu lesen. Das Denkmal mit dem schmiedeeisernen Kreuz darauf ist nämlich neu. Die Tonblätter mit den Inschriften müssen noch angefertigt werden. Der Grabstein wurde erst im September aufgestellt. Wie Hans Stecker, Vorstandsmitglied des Fördervereins Wärmestube SKM Augsburg, stolz erzählt, sei das Grabmal keine Selbstverständlichkeit.

Menschen ohne festen Wohnsitz sollen eine würdevolle Ruhestätte erhalten

„Wir haben den Stein von dem Gedenkwerk der Steinmetzgenossenschaft geschenkt bekommen“, berichtet der 69-Jährige dankbar. „Er ist zwischen 18.000 und 20.000 Euro Wert. Wir durften ihn uns sogar aussuchen.“ Stecker und seine Vorstandskollegin Ulla Schmid freuen sich, wenn ihre Arbeit von den Bürgern unterstützt wird. Sie selbst haben sich der Hilfe für arme Menschen in Augsburg verschrieben. „Wenn wir nur einem Menschen das Leben erleichtern konnten, haben wir nicht umsonst gelebt“, findet Hans Stecker. Ihm und Ulla Schmid ist es wichtig, dass die Menschen, die im Leben keinen festen Platz gefunden haben, wenigstens eine würdevolle Ruhestätte erhalten und nicht anonym begraben werden müssen. So wie Ludmilla D.

Für ein weiteres Obdachlosengrab am Westfriedhof wurde im September ein besonderer Grabstein gespendet. Hans Stecker und Ulla Schmid vom Förderverein Wärmestube SKM freuen sich.
Foto: Silvio Wyszengrad

Die 64-Jährige, erzählt Hans Stecker, sei regelmäßig in die Wärmestube in die Klinkertorstraße gekommen. Sie habe sogar ab und zu mitgeholfen und geputzt. Als Frau D. nicht mehr erschien, schaute ein besorgter Sozialarbeiter nach ihr. „Sie wurde tot in ihrem Zimmer gefunden.“ Ludmilla D. war in der Wärmestube beliebt. Deshalb wurde die Frau auch nicht in aller Einsamkeit beerdigt.

Gemeinsam Abschied nehmen: Viele in der Wärmestube teilen ähnliche Schicksale

Wie es bei Todesfällen beim SKM immer gemacht wird, wurde der Bestattungstermin für die 64-Jährige in der Wärmestube ausgehängt. Schließlich kennen sich viele Klienten untereinander. Man isst eine warme Mahlzeit, unterhält sich, sitzt auch mal so zusammen. Die Menschen hier teilen oftmals ähnliche Schicksale. Am Tag der Beerdigung von Ludmilla D. nahmen Besucher der Wärmestube und Sozialarbeiter auf dem Westfriedhof von ihr Abschied. Der SKM organisierte dafür einen Kleinbus von der Wärmestube nach Pfersee. Wie so oft gestaltete Pater Simon die Trauerfeier auch für die verstorbene Frau D. Der Geistliche kümmert sich als Seelsorger um Augsburgs Obdachlose. Für ihn ist das ein Akt der Barmherzigkeit. Bruno Ardelt, der bei Obdachlosenbegräbnissen gerne Drehorgel spielt, war diesmal nicht dabei. Wie Hans Stecker erzählt, kam die Musik von einem Kassettenrekorder.

Jetzt, für Allerheiligen, wurden die Obdachlosengräber von der Caritaswerkstätte frisch bepflanzt. Den Gießdienst für den Blumenschmuck haben längst Bürger ehrenamtlich übernommen. Sie wechseln sich untereinander ab, berichtet Stecker, der froh über so viel Engagement ist. Zufrieden schaut er auf die gepflegten Gräber. „Wenigstens im Tode sollen die Menschen Blumen haben und Frieden finden. Die Ungewissheit hat sie im Leben lange genug herumgetrieben.“

Info Wer in irgendeiner Form helfen will, kann sich an info@waermestube-augsburg.de wenden.

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