1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Abschied vom Mohrenkönig

Auigsburg

27.02.2019

Abschied vom Mohrenkönig

Bernhard Riepl (rechts) hört mit 66 Jahren als Gastwirt im Mohrenkönig im Antonsviertel auf. Die ehemaligen und zukünftigen Macher des Friday Jazz Jam, Dietmar Liehr und Andreas Skowronek, bedauern das.
Bild: Bernd Hohlen

Nach zehn Jahren gibt Wirt Bernhard Riepl die Kultkneipe im Antonsviertel ab. Damit ist es dort auch vorbei mit dem Friday Jazz Jam. Doch die Fans können hoffen.

Und des Mohrenkönigs Name

Ward verherrlicht und gefeiert

Nimmer wird sein Ruhm verhallen,

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Ehe nicht die letzte Saite

Schnarrend losspringt von der

letzten Andalusischen Gitarre.

So endet Heinrich Heines Gedicht: „Der Mohrenkönig“. Nur 43 Jahre nach Heines Tod, 1895, gab es in Augsburg auch einen Mohrenkönig. Die Gastwirtschaft „Zum Mohrenkönig“ in der Sulzerstraße 20 im Antonsviertel. Erster Wirt und Wirtin waren Johann-Heinrich und Rosine Bachmann. Nach nur zehn Jahren war die Gastwirtschaft schon in dritter Hand. Es muss eine raue Zeit gewesen sein, lag der „Mohrenkönig“ doch zwischen zwei Kasernen. In den 1920er-Jahren erwarb die Riegele Brauerei das Anwesen. 125 Jahre Mohrenkönig. Eine lange Zeit. Nur das „Zum“ ging irgendwann verloren. Zehn Jahre lang hieß der Wirt Bernhard Riepl. Von 1974 bis 2005 hatte er Augsburg den Rücken gekehrt und war in der Pharmabranche tätig. 2009 übernahm er den Mohrenkönig und füllte ihn mit Leben, Unterhaltung und Musik. Mit 66 Jahren ist jetzt aber Schluss. Doch so einfach ist es nicht für alle. Fünf Jahre war die Kneipe Treffpunkt nicht nur für Gäste, auch für Jazzfans.

Vom Geheimtipp zum Pflichttermin mit Kultstatus

Fünf Jahre lang organisierte Gitarrist und Jazzliebhaber Dietmar Liehr hier den „Friday Jazz Jam“. Regionale und überregionale Jazzformationen spielten und anschließend konnten Jazz-Einsteiger ihr Können zeigen. Wunderbar. Das gibt es viel zu wenig. 46 „Friday Jazz Jams“ hat Dietmar Liehr organisiert. „Das entwickelte sich vom Geheimtipp zum Pflichttermin mit Kultstatus“, sagt er. Wenn man etwas Kultiges auf den Weg gebracht hat, kann man ja stolz darauf sein, aber Dietmar Liehr verweist gern auf den Wirt Bernhard Riepl, dass der ja auf die Idee kam. Wie auch immer. Wenn gute Wirte gehen, ist der Kummer groß, denn gute Wirte sind ja auch Seelsorger und wenn sie das nicht sein möchten, immerhin Diplomaten. Denn eine Stadtteilkneipe mit Musik und Biergarten heil durch die Zeit zu bringen, ist nicht einfach. Selbst aus den renovierten umliegenden Häusern und ihren neuen Bewohnern kamen keine Beschwerden. Nicht geschimpft ist genug gelobt, so die alte schwäbische Devise. Dahinter steckt aber immer eine gute Strategie. Gibt es für Dietmar Liehr eine Strategie Abschied zu nehmen vom Mohrenkönig? „Ich habe alles einmal durchfotografiert“, sagt er. Denn an den Wänden hängen Bilder, Plakate und Ankündigungen, die viele Jazzgrößen zeigen. So kann man wenigstens optisch festhalten, was einem innerlich verloren geht. Ob Jazzmusiker besonders sentimental sind? Vielleicht. Auch wenn der Abschied von Bernhard Riepl und dem Mohrenkönig schwerfällt, aufgeben wollen die Jazzfreunde nicht. Andreas Skowronek, Journalist, Fotograf und langjähriger Freund von Dietmar Liehr wird zusammen mit anderen den „Friday Jazz Jam“ weiterführen. Auftakt am 12. April im „Rheingold“ in der Prinzstraße 14. Dietmar Liehr will dann nur noch Gitarre spielen. Doch bevor alles vorbei ist und der neue Wirt übernimmt, gibt es am 28. Februar die ultimative Abschiedssause im Mohrenkönig. Mit Swing, Jazz und Musik fürs Herz, „damit des Mohrenkönigs Ruhm niemals verhalle“ -frei nach Heinrich Heine.

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren