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Kultur

13.05.2015

Abschied von Alin Coen?

alin coen band konzert augsburg

Interview Eigentlich sollte es um ihren schönen deutschen Pop gehen, den wachsenden Erfolg, vielleicht ein neues Album – aber dann …

Von Wolfgang Schütz

Die Alin Coen Band tritt am Freitag in der Augsburger Kantine auf. Nur bei solchen Auftritten ist ihr neues Live-Album erhältlich, von dem es überhaupt nur 450 Stück gibt. Anlass für ein Interview:

Schwappt die seit Jahren wachsende Zuneigung für die Alin Coen Band nun ins nicht-deutschsprachige Ausland über? Sie sind gerade von einer größeren Italien-Tour zurück. Wie war’s?

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Alin Coen: Ehrlich gesagt: eine Reise mit gemischten Gefühlen. Wir sind überall unheimlich freundlich empfangen worden. Aber die Konzerte verliefen nur zum Teil nach unseren Vorstellungen, in einer Stimmung also, wo die Menschen leise sind und der Musik lauschen. Oft ging es da eher zu wie in einem Restaurant oder einer Bar, wo sich die Leute eben laut unterhalten, und die Band, ach ja, die ist auch noch da.

In Deutschland kennen Sie das ja ganz anders. Da ist es immer erstaunlich, wie andächtig das Publikum ist, und zwar Frauen wie Männer.

Coen: Ja, wir sind da total verwöhnt. Es ist so, wie wir es uns von Anfang gewünscht haben. Es herrscht diese Ruhe, die unsere Musik auch braucht, weil sie ja so wesentlich mit Pausen arbeitet. Und dieses Atmen geht eben nur in der Stille.

Viel Ruhe scheinen Sie aber selbst nicht zu haben. „Nach der Tour ist vor der Tour“ heißt es auf ihrer Homepage ja nicht ohne Grund. Denn nach der Italien-Tour sind sie jetzt ja gleich wieder in Deutschland unterwegs. Wann bleibt denn da Zeit, auch mal was Neues zu schreiben?

Coen: Na ja, im Vergleich zu normalen Berufen haben wir schon ganz schön viel Freizeit. Ich war zum Beispiel letzten Herbst zweieinhalb Monate einfach mal auf Reisen, an der australischen Ostküste. Wer kann so was sonst schon? Für normale Schreiberlinge müsste das also durchaus reichen. Aber tatsächlich habe ich seit zwei Jahren kaum etwas geschrieben. Dazu bräuchte ich wohl tatsächlich mal richtig Abstand und Rückzug, damit die Inspiration wieder um die Ecke kommen kann.

Sie bringen also keinen neuen Songs mit nach Augsburg?

Coen: Nein, wir spielen die Lieder vom letzten Album in einer Mischung mit denen der beiden anderen Platten – manche davon aber in einer ganz neuen Version.

Dann können Sie auch noch nicht sagen, ob es künftig wieder mehr dieser innig melancholischen, deutschsprachigen Lieder gibt, mit denen alles angefangen hat – oder weiter Richtung englischsprachigem Pop wie zuletzt? In unserem letzten Gespräch hatten Sie gesagt, das hinge auch damit zusammen, dass Sie diese Schmerzenslieder einfach nicht schreiben könnten, wenn Sie selbst glücklich sind …

Coen: Na, es gibt ja durchaus auch glückliche Lieder auf Deutsch wie zum Beispiel „Alles, was ich hab“. Ob englisch oder deutsch hängt eigentlich viel mehr von der Phonetik, den Sprachmelodien ab. Beim letzten Album war eben zuerst die Musik da. Und zu der hat der Klang des Deutschen eben oft nicht gepasst.

Macht Ihnen das Sorgen, dass schon so lange die Inspiration fehlt?

Coen: Ich habe da keine Angst. Ich will da flexibel bleiben. Bald beginnt sowieso eine andere Phase, ich beginne im September in den Niederlanden einen internationalen Studiengang zum Management von Wasserressourcen. Da wird im ersten Jahr kaum Zeit für die Musik bleiben – und vielleicht auch im zweiten. Mal sehen, ob ich danach zur Musik zurückkehre. Oder ob ich einfach anfange, mich auf irgendwelche Stellen zu bewerben.

Oh je, das hört sich ja an, als könnte es ein Abschied sein. Und was ist mit dem Lebenstraum Musiker?

Coen: Es ging immer schon darum, Musik nur machen, wenn’s auch Spaß macht. Nicht aus Druck oder Verpflichtung. Dieses Schaffen muss etwas Freiwilliges sein. Wie es bis jetzt auch war, so muss es wenn dann bleiben: dass die Musik aus dem eigenen Drang heraus entsteht. Wir werden sehen, ob das dann so ist … So, jetzt muss ich aber packen, die Konzertreise geht weiter.

Ist doch eh schon Druck, viel auftreten zu müssen, wenn ja eine Band ihren Lebensunterhalt verdienen will.

Coen: Wir waren da ja in der glücklichen Lage, dass wir gleich unser erstes Album in einem eigenen Label herausgebracht haben – und insofern auch durch die Plattenverkäufe relativ okay verdient haben.

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