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Augsburg

17.06.2019

Achtjährige missbraucht: Schul-Vergewaltiger soll dauerhaft in Klinik

Tatort Wittelsbacher Grundschule: Ein 21-Jähriger hat im Oktober vorigen Jahres auf der Schultoilette ein achtjähriges Mädchen missbraucht.
Bild: Silvio Wyszengrad

Er sagt, Stimmen hätten ihn geleitet: Ein 21-Jähriger hat auf dem Klo einer Augsburger Grundschule eine Achtjährige missbraucht. Er ist wohl schuldunfähig.

Er glaubt, Gott zu sein. Die Sonne folge ihm überall hin. Er ist überzeugt, mithilfe des Deckels einer Tequila-Flasche mit dem Satan Kontakt aufnehmen zu können. Was im Kopf von Peter K. (21, Name geändert) vor sich geht, ist für einen gesunden Menschen nur schwer nachvollziehbar. Genauso schwer nachvollziehbar, wie die Tat, die er im vergangenen Oktober in Augsburg begangen hat. Er hat eine achtjährige Schülerin auf der Toilette der Wittelsbacher Grundschule vergewaltigt. An diesem Dienstag will die Jugendkammer des Landgerichts das Urteil verkünden. Es spricht alles dafür, dass die Richter anordnen, Peter K. dauerhaft in einem psychiatrischen Krankenhaus unterzubringen.

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Der Psychiater Dr. Fabian Lang, 36, ist überzeugt, dass Peter K. seit Jahren schwer psychisch krank ist. Er bescheinigt ihm eine paranoide Schizophrenie. Peter K. habe sich, sagt der Arzt als Gutachter vor Gericht, während der Tat in einem Zustand der Schuldunfähigkeit befunden. Der 21-Jährige sagt, Stimmen hätten ihn zum Übergriff auf das Mädchen getrieben. „Es ist ein in sich geschlossenes Wahngebäude, in dem der Betroffene lebt“, sagt Fabian Lang. Ist ein Täter wegen einer solchen Erkrankung nicht schuldfähig, kann er nicht bestraft werden. Das Gesetz sieht aber vor, dass das Gericht die Unterbringung im Maßregelvollzug anordnen kann – in einer speziellen klinischen Einrichtung für Straftäter. Voraussetzung ist, dass von dem Täter einer Gefahr für die Allgemeinheit ausgeht.

Vor dem Übergriff in Augsburg wurde er schon mehrfach aggressiv

Bei Peter K. ist das laut Gutachter der Fall. Seine Krankheit lasse ihn aggressiv werden, auch gegenüber fremden Personen. Das zeigen mehrere Fälle, die sich vor dem sexuellen Übergriff auf das Mädchen abgespielt haben. So attackierte Peter K. einen Pfarrer, weil er dachte, er stehe dem Teufel gegenüber. Er drohte einem Passanten mit dem Tod, weil er dachte, der Mann habe in einem Koffer etwas Gefährliches dabei. Er bedrohte eine 15-Jährige, mit der er kurzzeitig liiert war und lauerte ihr nach der Trennung auf. Er verfolgte er sie auch an ihre Schule. Der Direktor rief die Polizei, weil Peter K. sich weigerte, zu gehen.

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Hätten die Behörden früher erkennen müssen, welche Gefahr von dem jungen Mann ausgeht? Hätte man den Missbrauch des Mädchens so verhindern können? Im Prozess wegen diese Fragen nicht aufgeworfen. In den Monaten vor dem Übergriff an der Schule, im April und im Mai, wurde Peter K. aber zumindest zwei Mal vorübergehend ins Bezirkskrankenhaus eingewiesen, weil er sich aggressiv verhalten hatte. Der Gutachter berichtet, Peter K. sei in der Klinik jeweils so aggressiv gewesen, dass er isoliert untergebracht und zeitweise auch gefesselt werden musste. Eine dauerhafte Unterbringung gegen seinen Willen war aber nicht möglich. Dazu waren seine Taten nicht gravierend genug.

Der Verteidiger sagt, sein Mandant sei ein "Grenzfall"

Rechtsanwalt Helmut Linck verteidigt Peter K. in dem Verfahren. Er sagt, sein Mandant sei vor dem Übergriff in der Grundschule ein „Grenzfall“ gewesen bei der Abwägung zwischen Freiheit und Sicherheit. Anwältin Mandana Mauss, die das missbrauchte Mädchen vor Gericht vertritt, erhebt keine Vorwürfe gegen die Behörden. Sie ist wie der Gutachter der Ansicht, dass Peter K. nicht bestraft werden kann, aber dauerhaft im Krankenhaus untergebracht werden muss. Darin sind sich alle Beteiligten einig – auch Staatsanwältin und Verteidiger.

Die Unterbringung im Maßregelvollzug ist unbefristet. Die Betroffenen sollen dort behandelt werden. Erst, wenn Gutachter feststellen, dass von einem Täter keine Gefahr mehr ausgeht, kommt er frei. Mindestens jährlich muss das Gericht den Stand der Dinge überprüfen. Bei Peter K. könnte es lange dauern, ehe er eines Tages entlassen werden kann. Gutachter Fabian Lange erkennt bei dem 21-Jährigen eine Reihe von Faktoren, die dafür sprechen, dass es schwer wird, ihn erfolgreich zu behandeln. Problematisch ist es, wenn ein Betroffener früh auffällig wird. Bei Peter K. war das schon im Kindergartenalter der Fall. Zudem ist seine Krankheit längere Zeit nicht behandelt worden, und er nahm Drogen. Auch ein stabiles soziales Umfeld fehlt. Die Familie hat sich von ihm abgewandt. Als er 2017 bei der Mutter ausziehen musste, lebte er zeitweise auf der Straße.

Bei seinen Taten steigerte er sich. Beim Übergriff im Schulklo wehrte sich das Mädchen mit aller Kraft und schrie laut. So wurde eine Mitschülerin aufmerksam und ein Lehrer schritt ein. Dem 21-Jährigen war es gelungen, mit einem Finger in den Po des Kinder einzudringen. Die Ermittler sind überzeugt, dass er noch weiter gegangen wäre, wenn der Lehrer ihn nicht gestoppt hätte.

Anwältin Mandana Mauss sagt, es blieben Fragen. Sieht Peter K. heute ein, dass er eine schlimme Tat begangen hat? Bereut er es? Ist er zu Reue überhaupt fähig? Im Gerichtssaal sitzt er reglos da, den Blick nach unten gerichtet. Als ihm der Vorsitzende Richter Lenart Hoesch das letzte Wort erteilt, sagt er nur: „Das passt schon.“

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Die Diskussion ist geschlossen.

17.06.2019

Wo ist "der Grenzfall bei der Abwägung zwischen Freiheit und Sicherheit" , wie vom "Herrn" Anwalt bedeutungsschwanger interpretiert ? Es ist mittlerweile seit vielen Jahren immer dasselbe , egal über welchen Straffall man liest :

Immer sind es Wiederholungstäter , deren absolute Gefährlichkeit man hätte schon viel früher sehen können , wenn man es hätte sehen wollen !

In unserer Seiten fast 30 Jahren stark nach links abdrifteten Gesellschaft sind die angeblichen "Grundrechte" von - eigentlich schon bekannten -Tätern weitaus mehr wert als die Grundrechte der Opfer .

Mir fehlt mittlerweile jegliches Verständnis für die Art und Weise , mit der unsere Justiz arbeitet und welche Ziele dabei verfolgt werden .
Unsere Kuschel- und Besserungsjustiz ist am Ende

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17.06.2019

Zitat."Achtjährige missbraucht: Schul-Vergewaltiger soll dauerhaft in Klinik"
Mich stört das soll! Also kein Muss! Wer glaubt noch an das Soll? Ich nicht!

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17.06.2019

Falls es Ihnen entgangen ist: das Urteil fällt erst morgen, so daß das "soll" die Forderungen von Staatsanwalt und Verteidigung wiedergibt...

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