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Kolumne

28.02.2018

Achtung, Ordnungsdienst!

 
Bild: Peter Fastl

Wer mit dem Rad zur falschen Zeit in die Fußgängerzone fährt, wird streng zurechtgewiesen. Aber: Lachen hilft.

Ich bin mit einer Freundin am Rathausplatz verabredet. Wie so oft bin ich spät dran und nehme daher mein Rad. Eigentlich wollte ich es an der Annastraße, Ecke Karlstraße abstellen, doch dann sehe ich das Einbahnstraßenschild mit dem „Fahrrad-frei“-Vermerk zur Steingasse. Wunderbar! Ich fahre los und freue mich: So komme ich doch noch pünktlich. Doch plötzlich taucht vor mir eine Frau in Uniform auf und hält mich auf. Ich stoppe verwundert, die Frau sagt: „Sie haben zwei Vergehen begangen: Sie sind auf dem Bürgersteig gefahren, außerdem befinden Sie sich in einer Fußgängerzone.“Das also ist meine erste Begegnung mit dem Augsburger Ordnungsdienst.

Erstaunt steige ich vom Fahrrad. Da war doch dieser „Fahrrad- frei“-Vermerk? Die strengen Worte der uniformierten Frau bahnen sich ihren Weg zu mir: Die Schilder, die ich gesehen hatte, sagt sie, gelten nur außerhalb der Ladenöffnungszeiten. Ansonsten ist die Steingasse Teil der Fußgängerzone; das Stück zwischen den Fahrradständern und der Postbank ist keine Fußgängerzone, sondern ein Gehweg. Ich habe das alles beim schnellen Lesen nicht erkannt. Das Ende vom Lied: Ich muss 20 Euro bezahlen. So heißt man hier Zugezogene willkommen.

Wo es gute Wünsche statt Knöllchen gibt

In Unkel, einem kleinen Dorf in Rheinland-Pfalz, verteilt das Ordnungsamt zu Neujahr an Falschparker statt eines Verwarnungsgeldes Null-Euro-Knöllchen – begleitet von guten Wünschen. In Augsburg muss ich nun 20 Euro bezahlen, weil die Beschilderung auf die Schnelle für mich nicht verständlich war.

Entweder kann ich mich nun darüber ärgern oder mir das mit etwas Sarkasmus von der Seele lachen. Ich finde allerdings: Die Dame vom Ordnungsdienst legt die „heiligen Gebote“ der Straßenverkehrsordnung arg streng aus. Fehlt nur noch, dass die Beamten mit dem Bußgeld-Block herumwedelnd in der Fußgänger-Zone auf und ab spazieren und die Verkehrssünder warnen: „Fahren Sie falsch Fahrrad, kommen Sie in die Bußgeld-Hölle!“

Meine Begegnung lehrte mich kurz, wie die Augschburger zu granteln. Spricht man dann mit den Leuten vom Ordnungsamt, wünschen die sich Verständnis. Verständnis dafür, dass sie halt auch mal hart durchgreifen müssen. Klar, logisch, das verstehe ich. Wenn die Mitarbeiter vor mir schon von drei Leuten angepöbelt wurden, dann muss ich eben etwas Verständnis aufbringen, wenn sie mir danach harsch begegnen.

Ein Spiegel unserer selbst

Nun gut. Es ist ja ein weit verbreitetes Vorurteil, dass Ordnungsamtsmitarbeiter verbitterte, strenge Menschen sind. Aber irgendwie glaube ich das nicht! Die Menschen um uns herum sind die Spiegel unserer selbst. Wenn ich mir vorstelle, dass mir alle Menschen, denen ich begegne, böse Blicke zuwerfen und ich nur auf meine Uniform und meinen Beruf reduziert würde, dann wäre auch ich als notorisch gut gelaunter Mensch zwischendurch mal grantig.

Nun ist das Ordnungsamt in Augsburg ja überall anzutreffen. Weil ich dessen Mitarbeiter mittlerweile häufiger als meine Familie sehe, habe ich mir vorgenommen, mich mit ihnen zu versöhnen. Ich sehe sie jetzt an, grüße freundlich und wünsche einen entspannten Arbeitstag. Die Damen und Herren in Uniform lachen und grüßen zurück. Geht doch!

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Die Diskussion ist geschlossen.

04.03.2018

Welch "wertiger" Beitrag zu einem doch so (aber offenbar noch nicht

genügend) ausgelutschten Thema ......


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