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Augsburg

22.01.2020

Ärger um Airbnb in Augsburger Altstadt-Wohnanlage

Yvonne Sellke (links) und Eva Jafri leben in Eigentumswohnungen in einem Haus in der Schwibbogengasse. Sie fühlen sich durch Kurzzeitmieter verunsichert.
Bild: Bernd Hohlen

Plus Zwei Bewohnerinnen in der Schwibbogengasse beobachten mit Sorge viel fremde Menschen im Haus – und einen „Trick“ des Vermieters, um mehr Geld zu verdienen.

Yvonne Sellke hat eine schöne Wohnung mitten in der Augsburger Altstadt. Bislang fühlte sich die 67-Jährige in der Eigentumswohnanlage an der Schwibbogengasse sehr wohl, wie sie sagt. Seit drei Monaten ändert sich das. Yvonne Sellke und ihre 81-jährige Wohnungsnachbarin Eva Jafri beobachten mit wachsender Sorge, dass immer wieder fremde Leute mit viel Gepäck durchs Gebäude laufen. Der Grund: Eines der rund 30 Apartments im Haus wird seit November über Online-Portale wie Airbnb als Ferienwohnung vermietet.

Die beiden älteren Damen betonen, sie hätten nichts gegen den ursprünglichen Gedanken von Airbnb. Wenn jemand seine private Wohnung oder sein Haus von Feriengästen hüten lasse, während er im Urlaub sei, gehe das in Ordnung, so Sellke. Der Eigentümer wisse dann in der Regel, wen er ins Haus lasse. Anders sei das in der Wohnanlage an der Schwibbogengasse. Dort werde ein Apartment über verschiedene Internet-Portale an Interessenten vermietet und keiner wisse, wer wirklich in die Wohnung kommt. Sellke und Jafri kritisieren, auch die Haus- und Wohnungsschlüssel seien nicht sicher genug deponiert. Diese befinden sich in einem kleinen Tresor vor der Haustüre.

Airbnb in Augsburg: Wohnung wird gewerblich untervermietet

Fremde, die keiner im Haus kennt, dazu eine mehr oder weniger anonyme Schlüsselübergabe per Zugangscode, der vom Vermieter verschickt wird. Eva Jafri sagt, das alles sorge bei ihr für ein „absolut unsicheres Gefühl“. Yvonne Sellke ärgert sich aber auch noch über etwas anderes. Nach ihren Angaben ist in der Wohnanlage eine gewerbliche Vermietung ohne Zustimmung der Eigentümergemeinschaft laut Teilungserklärung nicht zulässig. Diese Zustimmung der Eigentümer liege aber nicht vor. Stattdessen werde die entsprechende Klausel in der Teilungserklärung umgangen, und zwar durch einen Trick: Der Besitzer habe das Apartment an einen Mann vermietet, der es nun seinerseits gewerblich im Internet als Ferienwohnung untervermiete.

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Der Eigentümer der betreffenden Wohnung war für unsere Redaktion nicht zu sprechen. Auskunft gibt jedoch der Mann, der das Ferienapartment in bester Altstadtlage weitervermietet. „Alles ist offiziell angemeldet und auch die Hausverwaltung ist informiert“, sagt er. Beschwerden von Hausbewohnern seien ihm bislang nicht bekannt. Auch sonst kann er die Sorgen der beiden Hausbewohnerinnen nicht nachvollziehen. Der Ort, an dem der Schlüssel hinterlegt wird, sei sicher. Diesen könne man ohne Code „nur mit krimineller Energie“ öffnen. Zum Teil sei er persönlich bei der Schlüsselübergabe an Urlauber anwesend, sagt der Mann. Yvonne Sellke hat eine andere Erfahrung gemacht. Zum Test mietete sie die betreffende Ferienwohnung an und quartierte eine Freundin ein. Der Vermieter habe sich nicht blicken lassen. „Da können irgendwelche Leute rein, das hat mich total umgehauen.“

Wohnung über Airbnb vermietet: Werden andere Eigentümer in Augsburg folgen?

Neben der Angst um die Sicherheit im Haus treibt die beiden älteren Damen auch noch eine andere Sorge um. Denn der Mann mit der Ferienwohnung in der Schwibbogengasse macht ein lukratives Geschäft. Sellkes Freundin hat beim Miettest über 570 Euro pro Woche für das Apartment mit 35 Quadratmetern bezahlt. In anderen Wohnungen der Anlage liegen die Quadratmeterpreise für Dauermieter nach ihren Recherchen bei etwa zehn bis elf Euro im Monat. Damit wären für diese Wohnung bei einer „normalen“ Vermietung nur gut 350 Euro kalt fällig. Yvonne Sellke und Eva Jafri befürchten: Wenn sich das im Haus herumspricht, werden auch andere Eigentümer diesem Beispiel folgen.

Sie wünschen sich, dass die Stadt aktiv wird, um solche Praktiken zu unterbinden. Was sagen Experten zu diesem Fall? Gabriele Seidenspinner von Haus und Grund in Augsburg meint: „Airbnb ist bei uns noch kein großes Thema.“ Das Problem in der Schwibbogengasse ist aus ihrer Sicht, dass der Eigentümer der Wohnung die gültigen Regelungen eigentlich an seinen Mieter weitergeben müsste. Die Sache sei aber „rechtlich kompliziert“, weil das Wohneigentumsrecht und das Mietrecht nicht aufeinander abgestimmt seien. Deshalb sei es schwer, gegen solche Fälle vorzugehen.

Allgemein ist die Expertin von Haus und Grund der Meinung, dass die Mietpreisbremse in Augsburg zur Folge haben kann, dass Vermieter ähnliche Wege wie in der Schwibbogengasse wählen. Das seien Auswüchse dessen, dass am Wohnungsmarkt deutlich höhere Mieten zu erzielen wären, als die Mietpreisbremse zulässt.

Bislang gibt es in Augsburg keine Zweckentfremdungs-Satzung

Thomas Weiand vom Augsburger Mieterverein sieht Handlungsbedarf für die Stadt. Das Beispiel in der Schwibbogengasse zeige, dass – entgegen der Meinung der Augsburger Stadtregierung– die gewerbsmäßige Vermietung von Wohnungen als Ferienwohnung wohl nicht auf unbedeutende Einzelfälle beschränkt sei, die ein Handeln nicht erfordern. „Bei aktueller und weiter anhaltender Wohnungsknappheit sollte Augsburg endlich eine Zweckentfremdungssatzung erhalten“, fordert Weiand. Einige Städte wie Berlin und Köln haben das private Vermieten inzwischen eingeschränkt und kontrollieren verschärft. Die Stadt Augsburg hat bisher keinen Bedarf für eine so genannte Zweckentfremdungssatzung gesehen. Sie würde es ermöglichen, die gewerbliche Vermietung von Wohnungen als Ferienwohnung zu ahnden.

Die Zahl der Wohnungen, die als Ferienunterkünfte genutzt werden, sei überschaubar, heißt es. Die Grünen scheiterten zuletzt zusammen mit der SPD im Stadtrat damit, eine solche Satzung durchzusetzen. Man wolle, auch wenn die Zahl der Wohnungen wohl nicht hoch sei, schnell ein Instrument zur Hand haben, falls sich die Lage verschärfe, so Sozialbürgermeister Stefan Kiefer (SPD). CSU und Pro Augsburg konterten, es handele sich um eine Scheindiskussion. Wenn Wohnungen massenhaft als Ferienwohnungen genutzt würden und somit nicht mehr Mietern zur Verfügung stünden, sei das ein Problem – in Augsburg sei das aber nicht der Fall.

Nach Zahlen der Regio Tourismus werden von 860.000 Übernachtungen in Augsburg pro Jahr etwa 40.000 über Airbnb gebucht. Von den in Augsburg aktiven Unterkünften würden nur weniger als ein Drittel dauerhaft bei Airbnb angeboten. Yvonne Sellke sagt, sie wisse allein in der Schwibbogengasse von mehreren Studenten, die aus ihren Wohnungen ausziehen mussten, weil sie nun lukrativer an Urlauber vermietet werden. Allein der gewerbliche Vermieter in ihrer Wohnanlage hat nach eigenen Angaben sieben Apartments in der Altstadt und in Haunstetten, die er online als Ferienwohnungen anbietet.

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22.01.2020

Ich bin der Meinung dass Eigentümer mit Ihrem Eigentum tun und lassen können was sie wollen. Also auch über Airbnb vermieten.

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22.01.2020

Gut das es nur Ihre Meinung ist, aber nicht in einer Wohngemeinschaft !!
Mach Airbnb und erzähle dann von deinen Erfahrungen !!!

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27.01.2020

Ich habe bishe rnur gute Erfahrungen damit gemacht - und, dass der Augschburger keine Veränderungen mag, dies ist ja allgemein bekannt :-)

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