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Augsburg

19.01.2020

Ärger ums Gehwegparken - Anwohner sind empört

Wenn der Platz breit genug ist, kann die Stadt das Gehwegparken erlauben.
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Wenn der Platz breit genug ist, kann die Stadt das Gehwegparken erlauben.
Bild: Alexander Kaya

Um die Parkplatznot zu lindern, darf oft auf dem Fußweg geparkt werden. Weil die Regelung in einer Straße kassiert wurde, gehen Anwohner in Oberhausen auf die Barrikaden.

Wenn die Straßen in Augsburger Wohngebieten eng sind, kommen sich parkende Autos und größere Fahrzeuge schnell ins Gehege. Damit die Anwohner trotzdem ihre Fahrzeuge abstellen können, erlaubt die Stadt regelmäßig an geeigneten Straßen, dass auf dem Gehsteig geparkt werden darf. Umso ärgerlicher ist es für die Anwohner, wenn diese Erlaubnis wieder einkassiert wird.

Die Schützenstraße in Oberhausen verläuft parallel zur Wertachstraße kurz hinter dem Modehaus Jung. Genau 5,30 Meter ist das Sträßchen breit, die Gehwege auf beiden Seiten sind großzügige drei Meter breit, wie die Anwohner ausgemessen haben. Perfekte Bedingungen zum Gehwegparken, das bislang dort auch erlaubt war. Doch Ende letzten Jahres wurden die Erlaubnisschilder plötzlich abgeschraubt – rund die Hälfte der etwa 50 Parkplätze fielen quasi über Nacht weg.

Die Anwohner sind empört, sie sammeln Unterschriften gegen diese Maßnahme des Tiefbauamtes und wollen die plötzliche Parkplatznot in ihrer Straße nicht hinnehmen. „Es gibt im Viertel rechts der Wertach keine Park-Alternativen, es ist durch das Tiefbauamt eine Situation geschaffen worden, die wir nicht nachvollziehen und akzeptieren können“ schreibt Anwohner Martin Häuser in einem Brief an die Stadt, den er zusammen mit den Unterschriften ans Tiefbauamt übergeben will.

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Die neue Regelung schafft nicht nur Parkprobleme

Die neue Regelung, die die angeblich Jahrzehnte lang funktionierende Situation abgelöst hat, schafft nicht nur Parkprobleme, sagt Anwohnerin Barbara Strauß. Weil jetzt Fahrzeuge in voller Breite gegenüber auf der Straße stehen, kommt sie mit ihrem Fahrzeug kaum mehr aus der Garage. „Wenn da ein SUV oder ein Lieferwagen steht, reicht der Platz zum Ausparken nicht mehr“, ärgert sie sich.

Von der Stadt heißt es, die auf beiden Seiten der Straße auf dem Gehsteig stehenden Fahrzeuge hätten zu Engstellen geführt, die größeren Fahrzeugen Probleme bei der Durchfahrt bereitet hätten. „Aus Gründen der Verkehrssicherheit, insbesondere für Einsätze der Feuerwehr, Rettungsdienste, Müllabfuhr und andere, galt es diesen Missstand zu beseitigen“, sagt Baureferent Gerd Merkle. „Durch die Aufhebung des Gehsteigparkens ist nunmehr klargestellt, dass nur noch auf jeweils einer Seite der Schützenstraße geparkt werden darf“, so der Referent.

Die Anwohner bestätigen, dass es an der Kreuzung zur Inneren Uferstraße für die Müllabfuhr oftmals extrem eng zugegangen sei. Allerdings erst, seitdem das Umweltamt an dieser Stelle eine Hecke an der Straße gepflanzt hatte, damit genau dort nicht auf dem Gehsteig geparkt werden sollte. Ein absolutes Halteverbot im Bereich der Kreuzung sei ausreichend, um den Flaschenhals zu beseitigen – dann könnte in der restlichen Wohnstraße wieder auf dem Gehweg geparkt werden, ist Martin Häuser überzeugt. Er verweist darauf, dass in der nur wenige Meter entfernten Glückstraße das Gehsteigparken weiterhin erlaubt ist – bei exakt gleicher baulicher Situation.

Ärger auch in Lechhausen

Eine andere Situation liegt in der Aspernstraße in Lechhausen vor. Hier wurde das Gehsteigparken bislang offenbar geduldet, ohne entsprechende Beschilderung. Kurz vor Weihnachten kam dann die Verkehrsüberwachung und verteilte Strafzettel, beschwert sich Anwohner Heinz Vejmelka. „Jetzt sind die Gehsteige leer, dafür ist es auf der Straße eng“, hat er beobachtet. Dazu sagt der Chef der Verkehrsüberwachung der Stadt, Andreas Bleymaier, es gebe kein Gewohnheitsrecht auf Falschparken. „Wenn es Anwohnerbeschwerden gibt, sind wir verpflichtet zu reagieren“, so Bleymaier.

Damit auf Gehwegen geparkt werden darf, müssen bestimmte Kriterien erfüllt sein, erklärt Baureferent Merkle. „Die Ausweisung von Gehwegparken ist nur möglich, wenn neben den bautechnischen Voraussetzungen eine Restgehwegbreite für Fußgänger von mindestens 1,50 Meter gegeben ist. Außerdem muss sichergestellt sein, dass für den fließenden Verkehr eine Durchfahrtsbreite von etwa 3,50 Metern aufrechterhalten bleibt.“ Das Gehwegparken könne die an vielen Orten festzustellende zunehmende Parkplatzproblematik sicherlich nicht grundsätzlich lösen, doch könne eine „partielle Verbesserung“ erzielt werden. Die Stadt hat eine Prioritätenliste erstellt, welche Straßen in nächster Zeit fürs Gehsteigparken freigegeben werden sollen. Sofern der Stadtrat die Mittel dafür bewilligt, stehen die Kolbergstraße, die Katzbachstraße und die Hegelstraße.

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Die Diskussion ist geschlossen.

19.01.2020

Ich sehe das so: Es gibt nicht zu wenig Parkplätze sondern zu viele Autos, genau dort, wo es eigentlich wegen des ausgezeichneten Angebots an öffentlichen Verkehrsmitteln total überflüssig ist. Warum kann derjenige, der sich nur für sein privates Vergnügen einen PKW leistet, nicht aufs Land ziehen? Augsburg sollte Anreize zum autofreien Wohnen bieten, z.B. die Grundsteuer erlassen, wenn jemand nachweist, dass sein Haushalt kein Fahrzeug hat. Das würde sich über Einsparungen bei der Verkehrs- Infrastruktur wieder amortisieren.

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19.01.2020

Sehe ich genauso. In der Stadt ist Platz teuer und knapp. Wenn man sich den Luxus einer zentralen Wohnung leister, muss man sich auch mit den einhergehenden Nachteilen erträumt machen und eben die Konsequenzen ziehen und verdammt nochmal sich kein Auto kaufen. Selbst schuld würde ich mal sagen. Es gibt nunmal kein recht auf einen Parkplatz auf öffentlichen Straßen. Die Stadt sollte viel mehr und viel restriktiver mit dem Kfz-Verkehr umgehen.

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