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Schicksal

08.06.2013

„Aladdine ist ein ganz neuer Mensch“

Prof. Werner Roschmann und Dr. Peter Stiller (rechts) haben Aladdine Salah geholfen.
Bild: Silvio Wyszengrad

Die Behandlung des verbrannten Tunesiers schreitet gut voran, jetzt sollen seine Ohren wiederhergestellt werden

Aladdine Salah kann wieder lächeln. Die Wunden, die der heute 17-jährige Tunesier erlitt, als er versuchte, sich mit Benzin selbst zu verbrennen, sind verheilt. Spezialisten haben jetzt begonnen, die Narben und Entstellungen durch die Brandverletzungen zu beseitigen. Dass der junge Mann wieder ohne Schmerzen leben kann, hat er der Hilfe mehrerer Augsburger Ärzte und der Spendenbereitschaft von Menschen zu verdanken, die die Behandlung möglich gemacht haben. Wie berichtet hatte sich Aladdine Anfang 2012 nach einem Streit mit seinem Vater in Tunesien mit Benzin übergossen und angezündet. Er erlitt schwerste Brandverletzungen an Kopf, Oberkörper und den Händen. Sein Onkel Ammar Chawki holte ihn zur Behandlung nach Augsburg.

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„Es ist unglaublich, wie sehr Aladdine sich in diesem einen Jahr verändert hat“, sagt FCA-Mannschaftsarzt Peter Stiller, der die Behandlung koordiniert. „Seitdem der Junge wieder atmen kann und die große Wunde an seinem Kopf geschlossen wurde, ist er ein ganz neuer Mensch“. Zu Beginn der Behandlung hatte Aladdine am Hinterkopf eine infizierte, eitrige Stelle, groß wie zwei Hände, und bekam kaum Luft. „Durch die Dauerintubation in tunesischen Krankenhäusern hatte seine Luftröhre nur noch den Durchmesser eines Strohhalms, Aladdine hatte dauernd das Gefühl zu ersticken“, erinnert sich Stiller. In der Augsburger Kinderklinik nahm sich der Oberarzt für Lungenheilkunde, Michael Gerstlauer, unbürokratisch des Jungen an und konnte in einer Operation die Luftröhre weitgehend wiederherstellen. Kinderchirurg Peter Knorr transplantierte Haut vom Oberschenkel auf Aladdines Hinterkopf und Nacken. „Es ist alles bestens angewachsen“, sagt Stiller. Als nächster Schritt steht an, die weitgehend verbrannten Ohren wiederherzustellen. „Es gibt zwei Möglichkeiten“, erklärt der Spezialist für künstliche Gesichtsteile, Werner Roschmann. „Wir könnten versuchen, die Ohren wieder aufzubauen oder Epithesen, also künstliche Ohren aus Silikon anfertigen“. Es werde jetzt geprüft, ob noch genug Gewebe erhalten ist, um Aladdines eigene Ohren wiederherzustellen.

Auch wenn die Beteiligten auf Honorare verzichten, kostet die Behandlung Geld. Peter Stiller hofft weiterhin auf die Spendenbereitschaft der Bevölkerung. „Vor Kurzem haben sogar die sechste und die zehnte Klasse des Gymnasiums in Königsbrunn für die Behandlung gesammelt“, freut sich der Mediziner. Noch ein Jahr, so schätzt er, wird es dauern, bis Aladdines Behandlung abgeschlossen ist.

Spendenkonto Bunter Kreis, Kontonummer 46464, Kreissparkasse Augsburg, Bankleitzahl 720 501 01, Stichwort: Tunesien

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