04.02.2017

Allah ist kein Despot

Islamwissenschaftler wirbt für Reformen

„Reformer“ will er sich nicht nennen. Schließlich sei Reflektion und Selbsterneuerung ein Wesenszug des Islam. Seit seinem Amtsantritt als Professor für islamische Religionspädagogik und Leiter des Zentrums für Islamische Theologie in Münster erhält Mouhanad Khorchide für diese unermüdlich vertretene Überzeugung jedoch von den Islam-Verbänden einiges an Gegenwind. In Augsburg füllte Khorchide als Uni-Gastdozent des Jakob-Fugger-Zentrums bereits zum dritten Mal den Hörsaal. Sein Thema: „Was bedeutet es, dass der Islam ständig Reformen braucht?“

Khorchide predigt einen den Menschen zugewandten Islam. Die fünf Säulen (bekennen, beten, fasten, spenden, pilgern), den Monotheismus, die Auferstehung und die ethischen Grundsätze des Islam wie Gerechtigkeit und Verantwortung für die Schöpfung tastet er nicht an. Aber die Religion ist nicht als ein einmaliger Monolog Gottes an Mohammed und alle Generationen nach ihm zu verstehen. Der Koran muss als Text historisch und als ein offener Kommunikationsprozess gesehen werden. Nicht nur die Gelehrten der letzten 1400 Jahre formten den Dialog mit Gott, sondern auch jeder einzelne Leser heute.

Der Koran könne im Europa des 21. Jahrhunderts neu gelesen werden, sagt Khorchide. Im innermuslimischen Diskurs markiert der Theologe viele Baustellen. „Warum sollten Frauen getrennt von Männern oder gar nicht in die Moschee gehen, wenn doch bei Pilgerfahrten in Mekka zwei Millionen Männer und Frauen dicht gedrängt und bunt gemischt nebeneinander beten können?“ Auch sei die Verhüllung weiblicher Reize keine islamisch akzeptable Begründung für ein Kopftuch. „Das macht Frauen zu Objekten und Männer zu Triebtätern.“

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Das Verhältnis zu Gewalt-Suren, Arroganz gegenüber Nichtmuslimen, die Ablehnung von Kunst, Musik, Homosexualität und pädagogische Einschüchterungen wie der Mahnung „Wer sich schminkt, dem verbrennt Gott die Hände“ – all dies müsse ernsthaft diskutiert werden, meint Khorchide. „Gott ist kein egoistischer Despot und der Islam kein Herrschaftskonzept, sondern Spiritualität, Liebe und Barmherzigkeit.“

Dem weitverbreiteten politischen Islam hingegen können solche Überzeugungen nicht gefallen. Seine Vertreter sind auf Gehorsam, Angst und Kontrolle der Menschen angewiesen. Khorchide: „Der politische Islam will eine Religion mit starrem juristischen Schema, das alle Bereiche des Lebens erfasst. Da geht es um Macht, nicht um Gott.“

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05.02.2017

Khorchide ist ein weiterer Angestellter des deutschen Staates und vertritt seine Interessen, wie auch alle anderen Proffessoren an deutschen Unis die dieses Fach inne haben.

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