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Augsburg

15.02.2018

Alle fünf Jahre gerüstet für die Schlacht

Das "Fähnlein" beziehungsweise die Kampanie der Landsknechte  tritt an.
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Das "Fähnlein" beziehungsweise die Kampanie der Landsknechte  tritt an.
Bild: Beltran

Michael Beltran ist Hauptmann im Verein Landsknechte und Marketenderinnen Augsburg und spürt gerne dem Mittelalter nach.

Im realen Leben ist Michael Beltran Justiz-Wachtmeister und als solcher angestellt beim Freistaat Bayern. In seinem Privatleben verkörpert der 38-Jährige zusammen mit rund 130 anderen eine längst vergangene Epoche im „Landsknechte und Marketenderinnen Augsburg e. V.“ unter Vorsitz von Florian Böhme. Den historischen Rahmen bilden seiner Erzählung zufolge die Bauernkriege unter Maximilian I. Erklärend fügt er noch hinzu: „Die Bauern haben den Aufstand geprobt und wurden gnadenlos zurückgeschlagen.“

Die Leidenschaft fürs Mittelalter entdeckte Michael Beltran früh – genauer gesagt, zur 2000-Jahr-Feier Augsburgs 1985. Der feine Zwirn der Patrizier sprach ihn dabei nie so sehr an wie das derb gewirkte Leinenzeug der niederen Stände. Auf die Frage, ob er sich „auch ein wenig wie ein Revoluzzer“ fühle, nickt er zögerlich und antwortet noch knapper: „Manchmal schon.“ Seiner eigenen Definition zufolge bedeutet das, dass er sich vor keiner Auseinandersetzung scheue. Aber der Zusatz „in keinster Weise“, hört sich bedrohlicher an, als er ist.

Alle  Waffengattungen

Die Augsburger Landsknechte sind bewaffnet bis unter die Zähne. Zumindest klingt es so, wenn Michael Beltran die einzelnen Waffengattungen aufzählt, die sich im Verein zusammenfinden. Es gebe Hellebardiere, Bogenschützen, Pulverschützen, Kanoniere, Reiter und Schwerter beziehungsweise Katzbalger, die seiner Auskunft nach als sogenannte Kurzwehr zur Grundausstattung eines jeden Landsknechts gehören. Er selbst sei ein sogenannter Spießer und in einer festgelegten Rangfolge als Hauptmann im Verein unterwegs.

„Ich war nie beim Militär“, sagt Michael Beltran. Stattdessen habe er im Behinderten-Fahrdienst der Malteser Ersatzdienst geleistet. Als Ersatz für den Wehrdienst sehe er seine Mitgliedschaft bei den Landsknechten keineswegs an. Sie sei ein Hobby, sagt er, wenngleich eines, das er sehr ernst nehme. So gebe es beispielsweise einen Verhaltenskodex, den einzuhalten er sogar habe unterschreiben müssen. Denn das Treiben der Landsknechte wirkt auf Außenstehende alles andere als ungefährlich. Beltran bestätigt diese Einschätzung mit einem abermals knappen „richtig“. Bei den Kampfhandlungen, die während der diversen Zusammenkünfte im Felde simuliert werden, habe er sich auch schon die Schulter ausgekugelt. Zweimal im Jahr – einmal im Frühling und einmal im Herbst – gipfeln die Treffen der Landsknechte im sogenannten „Drill“. Dann beginnt unter den Landsknechten ein großes Hauen und Stechen, während die Marketenderinnen die Versorgung im Felde sicherstellen. Laut Beltran gehören auch nichtkämpfende Männer dem Versorgungstrupp an. Der sogenannte Landsknechtsdrill, der 300 bis 400 historisch gewandete Gleichgesinnte gewissermaßen „zur Ausbildung in der Schlacht“ zusammenführt, schließt auch Verletzungen nicht aus. Wichtig sei jedoch, dass sie den Kämpfern nicht absichtlich zugefügt werden. Deshalb sei die Mitgliedschaft für notorische Schlägertypen alles andere als geeignet. Und wenn es doch einmal zu Vergehen komme, sei „Gasse laufen“ wie zu Störtebeckers oder Freiherr von Trenks Zeiten in abgeschwächter Form die Konsequenz. Während ein Delinquent damaliger Zeiten das Ende der Gasse kaum lebend erreichte, werden heute nur Kläpse verteilt.

Historisch geheiratet

Michael Beltran lebt voll und ganz in, vor allem aber für die Welt des Mittelalters. So ist es kaum überraschend, dass er sagt, „ich habe historisch geheiratet“. Zusammen mit seiner Verena, die er bei Kolping Lechhausen kennenlernte, stand er im vergangenen Fasching als Kaiser Augustus wieder auf der Bühne. Kontakt halten die Mittelalter-Fans regelmäßig. So finden jeden ersten Sonntag eines ungeraden Monats im Thorbräu-Stüberl die Stammtische statt, denen eine Vorstandssitzung vorausgeht. Auf diese Weise könnten die Entscheidungen anschließend im größeren Kreis gleich besprochen werden. Alle fünf Jahre ruft der Bund der oberschwäbischen Landsknechte seine Vertreter in die Schlacht. Diese heißt dann „Landsknecht Hurra“.

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