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Augsburg

15.06.2020

Alle haben ausgemistet: Sozialkaufhäuser werden Spenden kaum noch Herr

Omar Hassan sortiert im Sozialkaufhaus „Contact“ die eingehenden Spenden. Während der Corona-Krise haben viele Menschen zuhause ausgemistet.
Bild: Fridtjof Atterdal

Plus Gerade bringen so viele wie nie ihre "Schätze" zu den sozialen Einrichtungen. Für die Kunden bedeutet das eine riesige Auswahl – für die Mitarbeiter viel Arbeit.

Roswita Kugelmann, Chefin des Sozialkaufhauses „Contact“, befindet sich in einem Dilemma. Gespendete Möbel, Bücher und Kleidungsstücke sind die Lebensgrundlage des Sozialkaufhauses in Haunstetten. Doch seit drei Wochen bricht geradezu eine Flut von Spenden über die Einrichtung herein – mehr als das durch Krankheitsfälle und Kurzarbeit noch geschmälerte Team abarbeiten kann. Offenbar haben viele Menschen die Corona-Zeit genutzt, um Zuhause zu entrümpeln.

Die Spenden seien natürlich immer noch hoch willkommen, betont Kugelmann zu Beginn des Gesprächs. Denn das Sozialkaufhaus musste durch die Corona-Einschränkungen große finanzielle Einbußen hinnehmen, die jetzt dringend ausgeglichen werden müssen. Doch obwohl die meisten der 120 festangestellten Mitarbeiter mittlerweile wieder aus der Kurzarbeit zurück sind, arbeite das Team gerade am Rand seiner Kapazitäten. „Viele unserer freiwilligen Helfer gehören der Corona-Risikogruppe an und trauen sich deshalb noch nicht wieder her“, berichtet Kugelmann. Dabei werde jetzt jede Hand gebraucht. An einem normalen Tag vor Corona gingen rund sechs Tonnen an gespendeten Gegenständen ein, so die Kaufhauschefin. Wie viel es jetzt sind, kann sie nicht beziffern – aber es sei erheblich mehr.

Alltag im Sozialkaufhaus: "Wir kommen nicht mehr hinterher"

Das liege wohl auch daran, dass sich über die sieben Wochen, in denen das Kaufhaus ganz geschlossen war, bei den Spendern eine Menge Dinge gestapelt hätten. „Momentan sind unsere Fahrer dabei, die Spender abzuarbeiten, die wir wegen Corona kurzfristig versetzen mussten“, so Kugelmann. Die drei weißen Transporter mit der „Contact“-Aufschrift seien den ganzen Tag unterwegs, um Möbel und andere Dinge einzusammeln.

Roswitha Kugelmann ist die Chefin des Sozialkaufhauses Contact.
Bild: Fridtjof Atterdal

Wer jetzt als Kunde ins Kaufhaus in Haunstetten kommt, hat eine riesige Auswahl. Kleiderständer biegen sich unter der Last teilweise hochwertiger Textilien, in der Bücherabteilung gelingt es den Mitarbeitern nur mit Mühe, die vorgeschriebenen Rettungsgassen frei zu halten. Möbel, Unterhaltungselektronik – alles ist in großer Menge vorhanden.

„Meine Damen sind total unglücklich, dass es teilweise chaotisch aussieht – aber wir kommen nicht mehr hinterher“, schildert Kugelmann die Situation. Dabei hatte man es vor Corona geschafft, das Sozialkaufhaus, das mit 2500 Quadratmetern Verkaufsfläche zu den größten in Bayern zählt, ordentlich und aufgeräumt in Schuss zu halten.

Das Sozialkaufhaus Contact in Augsburg muss Rücklagen angreifen

Das Sozialkaufhaus dient eigentlich als Zweckbetrieb dazu, die vielfältigen sozialen Unternehmungen des Trägervereins „Contact in Augsburg e.V.“ zu finanzieren. Doch durch Corona sei man jetzt gezwungen, auch die Rücklagen anzugreifen. Aufgrund der besonderen rechtlichen Struktur sei das Kaufhaus bei den Hilfszahlungen durch alle Raster gefallen und musste ohne Soforthilfe überleben. Kugelmann ist fest entschlossen, das Haus auch weiterhin für Spender offen zu halten und nicht wie viele andere Einrichtungen in Bayern einen Lieferstopp zu verhängen. Dazu trägt sie gerne auch ihren Teil bei – seit drei Wochen hat sie ihren Büroarbeitsplatz verlassen und hilft bei der Warenannahme mit.

Auch im Sozialkaufhaus Augsburg in der Hirblinger Straße, einer Einrichtung des Vereins „Arbeitshilfe 2000“, werden die Mitarbeiter von der Spendenbereitschaft überrollt. „Es geht unheimlich viel rein – aber zum Glück geht auch viel wieder raus“, sagt die Leiterin des Kaufhauses, Marion Losert. Ihrer Beobachtung nach haben die Menschen richtig tief in Kellern und Speichern gestöbert und dabei viele Schätze zu Tage gefördert. „Da kommt jetzt das Kinderspielzeug aus den 80er Jahren“, sagt sie lachend.

 

Nicht alles kann im Sozialkaufhaus gebraucht werden

Warum mit einem Mal so viel mehr Kunden die gebrauchten Artikel haben wollten, kann sie sich allerdings auch nicht erklären. Zum großen Teil seien es junge Leute, die „Fridays-for Future-Fraktion“, wie sie es nennt. „Bei denen ist Nachhaltigkeit und Umweltschutz ein großes Thema“, glaubt die Kaufhauschefin. Aber auch die Flohmarktgänger, die coronabedingt ihrer Leidenschaft nicht nachgehen konnten, stöberten gerade gerne in den Artikeln des Sozialkaufhauses.

Nicht alles, was gebracht wird, kann im Sozialkaufhaus allerdings auch verkauft werden. „Manche Menschen bringen Müll vorbei und sind dann verärgert, wenn wir die Spende nicht haben wollen“, wundert sich Losert. Um unnütze Arbeit und Ärger zu vermeiden bittet sie die Bürger, nur ordentliche Waren zu spenden.

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