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Ausstellung(Folge 31)

12.05.2015

Alles auf den Kopf stellen

Auf den ersten Blick sieht es aus wie ein Bild von Piet Mondrian. Auf den zweiten erkennt man, dass es sich um einen Wühltisch handelt. Felix Weinold hat ihn hergerichtet und er hat gefilmt, wie der Tisch leer geräumt wird. Die Arbeit wird in der neuen Sonderausstellungs des Textilmuseums zu sehen sein.
Bild: Felix Weinold

Das Augsburger Textil- und Industriemuseum feiert das fünfjährige Bestehen auf besondere Weise. Die Vorbereitung darauf hat vor anderthalb Jahren begonnen

Dass etwas Besonderes am Textil- und Industriemuseum Augsburg (Tim) ansteht, ist mittlerweile weithin sichtbar. Vor dem Museum steht ein eingestrickter Leopard-Panzer (wir berichteten). Das Woll-Stahl-Ungetüm ist einer von vielen Bausteinen, mit denen das Museum sein fünfjähriges Bestehen feiern will. Die Dauerausstellung, das Herzstück des Tims, bekommt durch die Eingriffe verschiedener Künstler einen neuen Dreh.

Gut anderthalb Jahre Vorbereitungszeit stecken in dem Projekt, das unter dem Titel „Kunst-Stoff“ am 22. Mai erstmals zu sehen sein wird. Wer jetzt durchs Museum geht, ahnt, dass dort gerade etwas im Entstehen ist. Eine große Plastik schwebt in der Eingangshalle, ein bemalter Perserteppich ist im Eingangsbereich zu sehen und eine der Wände des Museumsrestaurants Nuno sieht aus wie eine überdimensional gestaltete Lochkarte.

Insgesamt werden es 17 Künstler sein, die mit rund 30 Werken die Dauerausstellung des Museums bereichern, wie der Museumsleiter Karl Borromäus Murr vorab verrät. Voraus ging eine intensive Findungsphase für das Projekt.

Den Ausschlag zur Sonderausstellung hat ein ähnliches Projekt in der archäologischen Staatssammlung München gegeben, an dem der Augsburger Künstler Felix Weinold beteiligt war. „Habseligkeiten“ hieß diese Schau. Und Weinold gefiel es, zu sehen, wie Kunstwerke teilweise äußerst raffiniert mit der Dauerausstellung verschmolzen.

Das Haus soll ein Laboratorium der Moderne sein

Begeistert vom Projekt schlug er dem Tim vor, etwas Ähnliches auf die Beine zu stellen. „Das Tim versteht sich ja nicht nur als Museum, sondern als Laboratorium der Moderne“, sagt Weinold. Genau das sagt auch der Museumsleiter Murr – sein Museum soll ein Laboratorium sein, eine Institution, die neue Wege beschreitet, die Verknüpfungen zwischen verschiedenen Disziplinen herstellt.

Weinold brachte für die Ausstellung 30 Künstler ins Gespräch, die in ihrem Arbeiten thematisch Bezüge zum Textil- und Industriemuseum aufweisen und die er als Künstler schätzt. Das Museum wiederum setzte drei Termine an, an denen es diesen Künstlern ausführlich die Dauerausstellung und das Konzept dahinter erklärte. Auf Basis der gut dreistündigen Führung haben die Künstler Konzepte für ihre Kunstinterventionen erstellt.

Für die endgültige Auswahl setzte das Tim eine Jury ein, in der unter anderem der Museumsleiter Karl Borromäus Murr und die Theaterintendantin Juliane Votteler darüber entschieden, wer zum Zug kommen soll. Überzeugt waren die Juroren von 30 Konzepten, die von 17 Künstlern eingereicht worden sind, darunter auch eine Arbeit von Felix Weinold und eine von Lab Binaer, dem Labor für Medienkunst.

Wichtig war Murr bei der Planung, Kooperationspartner für das Projekt zu gewinnen. Das Tim versteht sich als einziges staatliches Museum in Augsburg – nicht als bayerisch-freistaatliche Insel inmitten der Stadt, sondern als ein Teil des Ganzen. Das Theater Augsburg beteiligt sich an der Sonderausstellung „Kunst-Stoff“, auch dort werden Arbeiten zu sehen sein. Das Grandhotel Cosmopolis veranstaltet auf den Freiflächen an der Provinostraße ein Peace-Camp und wird mit Aktionen auch im Tim Präsenz zeigen. Ein Poetry- und ein Philosophy-Slam sind ins Rahmenprogramm aufgenommen.

Was die Zuschauer zu sehen bekommen, sei nicht das, was man unter Textilkunst versteht, sagt Murr. Die einzelnen Arbeiten setzen unter anderem dort an, wo die Textilindustrie Vorreiter der modernen Computertechnologie war. Es gibt Kunst, die sich kritisch mit den Arbeitsbedingungen der heutigen Zeit beschäftigt. Den Mustern aus den historischen Musterbüchern werden neue hinzugefügt. „Auf diese Weise wird unsere Dauerausstellung ein halbes Jahr auf den Kopf gestellt“, sagt Murr.

„Kunst-Stoff“ ist vom 22. Mai bis zum 29. November im Textil- und Industriemuseum Augsburg zu sehen.

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