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Soziales

07.11.2014

Als Helfer in der Welt zuhause

Weltenbummler Rüdiger Maas hat schon 121 Länder bereist. Mit seiner Hilfsorganisation engagiert der Psychologe sich in Krisenländern. Das hätte ihn beinahe das Leben gekostet

Einmal entging Rüdiger Maas nur knapp einem Terroranschlag in Kenia. Islamistische Extremisten hatten das Westgate-Kaufhaus in Nairobi gestürmt, 67 Menschen kamen ums Leben. Maas stand wenige Augenblicke vorher im Eingang des Einkaufszentrums, entschied sich aber zum Glück zuerst für den Massai-Markt – und drehte um.

Der Vorfall hielt den 35-Jährigen jedoch nicht davon ab, sein soziales Engagement weiter zu führen. Letztes Jahr hat der Psychologe Rüdiger Maas die Hilfsorganisation „Medihelp International“ gegründet. Mit einem Team aus Ärzten und anderen Helfern reisen sie gezielt in Krisenländer auf der ganzen Welt, um die Situation dort zu verbessern. „Wir wollen schaffen, was andere Organisationen falsch machen“, sagt Maas. Zur nachhaltigen Hilfe gehöre mehr, als nur Medikamente und Essen vorbeizubringen. „Es ist genau so wichtig, Lehrern und Helfern vor Ort Wissen zu vermitteln und sie zu betreuen. Nur so hat man langfristig Erfolg.“

In 121 Ländern war Rüdiger Maas mittlerweile, natürlich hat der Augsburger Unternehmensberater auch schon eine Weltreise hinter sich. Nach dem Psychologie-Studium in Deutschland und Japan ging es für den Weltenbummler direkt nach Nepal, wo er deutsche Kriegsgefangene psychologisch betreut hat. Auf seinen vielen Reisen erlebte er zu seinem Entsetzen, wie Entwicklungsgelder „für sinnlosen Luxus“ verschwendet wurden. Deshalb fasste er den Entschluss, es besser zu machen.

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In Burkina Faso wird zum Beispiel eine Schule mit der Partnerorganisation „Fanga“ gebaut, dieses Jahr war der nächste Besuch geplant. „Ebola hat uns aber einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Gefahr, dass man nicht mehr ausreisen darf, ist groß. Falls man überhaupt einen Flug findet“, meint Rüdiger Maas. Stattdessen geht es für „Medihelp International“ jetzt nach Peru. Dort wird wegen schlechter Gesundheitsversorgung vor allem medizinische Hilfe benötigt, weshalb ein Team aus Zahn- und Allgemeinärzten die Reise nach Südamerika antritt.

Während ein Psychologe sich in Deutschland vor allem um Burn-out-Patienten oder Depressionen kümmert, geht es in den Einsatzländern wie Mali oder Vietnam oft um ganz grundlegende Themen. „Kinder und Jugendliche haben viele Fragen zu Sexualität und Religion, die ihnen sonst keiner beantwortet“, berichtet Maas. Ein Problem in vielen ostafrikanischen Krisenländern sei auch der fehlende Respekt Frauen gegenüber. „Sie werden oft Opfer von Missbrauch und benötigen psychologische Betreuung“, so Maas. Die Ansichten der Einheimischen weiterzuentwickeln sei, aber eine heikle Angelegenheit. „Man muss ihre Einstellung und Kultur schließlich respektieren“, meint Rüdiger Maas. „Ich erzähle den Massai dann zum Beispiel, dass Frauen bei uns Führungspositionen bekleiden und dass wir sogar eine Bundeskanzlerin haben. Dann kommen sie oft von alleine ins Grübeln.“

Um sprachliche Barrieren zu umgehen, hat Maas immer einheimische Psychologen dabei, die für ihn übersetzen, wenn die Menschen kein Englisch sprechen.

Von den zwei bis drei Wochen langen Einsätzen nimmt man aber nicht nur negative Eindrücke mit, sagt Rüdiger Maas. Gerne denkt er zum Beispiel an einen Aufenthalt in Kenia zurück, bei dem sie fast 2000 Menschen psychologisch und medizinisch behandelt haben. „Ein mal war ich in Nepal auch als Weihnachtsmann mit meinem Sack auf dem Roller unterwegs und habe den Kindern kleine Geschenke gemacht. Sie haben sich total gefreut“, erinnert sich Maas.

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