1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Als die Römer eine Mauer um Augsburg bauten

Archäologie

12.02.2013

Als die Römer eine Mauer um Augsburg bauten

Er kennt sich mit den Römern aus: Stadtarchäologe Dr. Sebastian Gairhos vor den Resten der römischen Stadtmauer. Es sind die großen Steinblöcke.
Bild: Anne Wall

Nur an einer Stelle in der Stadt kann man die Reste der Befestigung noch sehen. Sie sind versteckt im Keller eines Privathauses.

Ähnlich lief es in späteren Jahrhunderten mit Augsburgs römischer Stadtmauer. Von ihr ist heute oberirdisch so gut wie nichts mehr zu sehen. Nur an einer einzigen Stelle blieb ein kleiner Rest erhalten, den man anschauen kann – versteckt im Keller eines privaten Wohnhauses an der Heilig-Kreuz-Straße. „Es war ein Glücksfall, dass dieser Teil im Mittelalter stehen geblieben ist“, sagt Gairhos.

Die Archäologen suchen etwa seit 100 Jahren nach den Spuren der verschwundenen römischen Befestigung. Sie hat nichts zu tun mit Augsburgs mittelalterlicher Stadtmauer, deren Türme und Tore heute noch das Stadtbild prägen. Die römische Stadtmauer ist heute eher eine Art Phantom.

Immer wieder stieß man bei Ausgrabungen auf ihre Überreste. Inzwischen können die Archäologen auch den Verlauf einer Mauerhälfte rekonstruieren. Sie erstreckte sich im Norden von der heutigen Rugendasstraße über Lange Gasse und Alte Gasse weiter in die Heilig-Kreuz-Straße, dann entlang der Hangkante am Hafnerberg und Im Thäle bis zum Obstmarkt und Mauerberg.

ecsImgBannerWhatsApp250x370@2x-5735210184021358959.jpg

Die Strecke ist rund 1,5 Kilometer lang. „Die andere Hälfte der Mauer ist im Lech verschwunden“, sagt Gairhos. Der damals wilde Fluss hat sie bei Überschwemmungen in der nachrömischen Zeit einfach mit sich gerissen.

Eine Stadtmauer zu errichten, war zu Zeiten der Römer ein gewaltiges Vorhaben. „Dafür musste man die Genehmigung des Kaisers in Rom einholen“, sagt Gairhos. Nach der Theorie der Archäologen wurde ein Teil einer rund 6000 Mann starken Legion in die raetische Provinzhauptstadt Augusta Vindelicum beordert, um das Großprojekt stemmen zu können.

Um 170 nach Christus mussten die Mauersteine mühsam von Steinbrüchen mit Ochsenkarren nach Augsburg transportiert werden. Einer der nächstgelegenen lag rund 80 Kilometer entfernt in der Schwäbischen Alb. Eine andere Alternative war, die tonnenschwere Last mit Booten flussaufwärts zu ziehen.

Wer sich diese Strapazen antut, muss einen guten Grund haben. Und den gab es damals. Die Bevölkerung fühlte sich massiv bedroht. Denn unter Kaiser Marc Aurel fiel der germanische Stamm der Markomannen erstmals im großen Stil ins Römische Reich ein. „Diese Bedrohung war wohl der Auslöser für den Mauerbau“, sagt Gairhos. Marc Aurel musste ausgedehnte Feldzüge gegen die Markomannen führen und starb dabei an einer Krankheit.

Das römische Augsburg war damals ungefähr 65 Hektar groß. Rund 10000 Menschen lebten in der Stadt. Und beim Aufbau des steinernen Schutzwalls war offenbar Eile geboten. „In bestimmten Bereichen mussten Häuser dafür abgebrochen werden. „Aus irgendeinem Grund konnte man nicht die gesamte Siedlung verteidigen“, sagt Gairhos.

Einen der interessantesten Funde in diesem Zusammenhang machten die Archäologen erst vor wenigen Jahren. 2008 zeigte sich bei Grabungen im Annahof und am Maria-Theresia-Gymnasium, dass es vor der steinernen Stadtmauer wahrscheinlich noch einen wesentlich größeren Schutzwall um die gesamte Römersiedlung gegeben hat.

Die Archäologen fanden Reste einer hölzernen, mit Erde aufgefüllten Barriere, die mehr als sechs Meter dick war. Davor gab es zwei Verteidigungsgräben, jeder von ihnen zehn Meter breit und 4,50 tief. „Dieser Fund war völlig überraschend, es gibt wenige Parallelen dazu“, sagt der Stadtarchäologe.

Doch zurück zur steinernen römischen Stadtmauer. Diese Befestigung hielt wohl mindestens 250 Jahre. Die letzte Reparatur wurde rund 400 nach Christus nachgewiesen. Später verkleinerte sich die Stadt bis auf den Bereich um den Dom. Erst im Mittelalter wuchs Augsburg wieder stark, in dieser Epoche aber in Richtung Süden. „Die römische Stadtmauer war im Weg, sie stand an der falschen Stelle und wurde abgeräumt“, sagt Gairhos. Damit ist die römische Mauer aus dem Stadtbild verschwunden. Ihre Steine sind aber heute noch an vielen anderen Stellen zu finden. Sie wurden vor allem im Augsburger Dom verbaut, aber auch in anderen Kirchen.

Der letzte sichtbare Überrest der römischen Stadtmauer in der Heilig-Kreuz-Straße ist normalerweise nicht öffentlich zugänglich. Er wird aber bei Führungen der Archäologen gezeigt. Der nächste Termin ist Mittwoch, 20. Februar, um 16.30 Uhr. Treffpunkt an der Römermauer am Domvorplatz, Anmeldung unter Tel. 0821/324-4142.

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Lesen Sie dazu auch
Beim Ersatzrad im Kofferraum findet sich meist auch ein Wagenheber. Zum Aufbocken muss man ihn an der richtigen Stelle ansetzen. Foto: Bodo Marks
Augsburg

Mann wird bei Autoreparatur eingeklemmt

WhatsappPromo.jpg

Alle News per WhatsApp

Die wichtigsten Nachrichten aus Augsburg, Schwaben
und Bayern ganz unkompliziert auf Ihr Smartphone.

Hier kostenlos anmelden