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22.07.2010

Als höre er die Geschichte zum ersten Mal

Ist mit seiner Demenzsprechstunde umgezogen: Ivan Derkac. Foto: Lonnemann
Bild: Lonnemann

Lechhausen Seit einigen Monaten ist Ivan Derkac mit seiner Demenzsprechstunde umgezogen. War er vorher regelmäßig donnerstags in der Cafeteria des Caritas-Seniorenzentrums St. Anna und Wolfhard in der Blücherstraße, so sitzt er nun im Mehrgenerationentreff entweder im größeren Gruppenraum oder diskreter im Büro, um Angehörige von Demenzkranken zu beraten.

Die Rundumberatung des ambulanten Sozialarbeiters und Spezialisten für Demenz reicht vom Erkennen der Krankheit über den Zeitpunkt für eine fachärztliche Versorgung bis hin zu Fragen der Betreuung.

"Wenn Demenzkranke die immergleiche Geschichte wieder und wieder erzählen, müssen wir Gesunde tun, als wäre die Geschichte neu für uns und auch unsere Körpersprache darauf abstellen. Sonst kommt messerscharf die Aussage "Sie hören ja gar nicht richtig zu!" und der Kranke fühlt sich nicht ernst genommen", berichtet Ivan Derkac. Auch wenn Demenzkranke aggressiv sind, können die Angehörigen klug reagieren, wenn sie die Zusammenhänge der Krankheit kennen.

Besser auf der Gefühlsebene reagieren

Als höre er die Geschichte zum ersten Mal

Wenn der Kranke wütend oder wehleidig fragt, wo denn die Mutter sei, die womöglich seit Jahrzehnten tot ist, dann müsse man dem Kranken nicht erklären, dass sie seit Langem gestorben sei, sondern auf der Gefühlsebene reagieren. Die Frage "Vermisst Du die Mutter?" sei dann die richtige Reaktion, die dem Kranken erlaube, über seinen Schmerz zu sprechen. Der Betroffene müsse nicht in unsere "vernünftige Welt" zurückkehren, man könne ihn behutsam und mit Gelassenheit in seiner Welt abholen, indem man ihn an gute Erfahrungen in seinem Leben erinnert.

Überhaupt sei im Umgang mit Demenzkranken die Biografie des Patienten sehr wichtig. "Wenn wir wissen, dass eine Patientin vor Jahrzehnten im Krieg vergewaltigt worden ist, dann lassen wir sie nur durch weibliche Pfleger betreuen, sonst gerät sie in Panik", erzählt Derkac, der sein Fachwissen auch in Fortbildungsseminaren an Altenpfleger und Krankenschwestern im mobilen und stationären Dienst weitergibt.

Je nach dem Stadium der Krankheit kann betreutes Wohnen die richtige Wohnform sein. Sind aber Weglauftendenz oder Selbstgefährdung groß, dann müssen ärztliche Versorgung und Pflege gewährleistet sein. Auch hier weiß Derkac, wie die Angehörigen Hilfe und Unterstützung bekommen können.

Die nächste Demenzsprechstunde findet am 29. Juli um 16 Uhr statt. Zur gleichen Uhrzeit sind nach den Sommerferien am 16. und am 23. September wieder Sprechstunden anberaumt. Weitere, spätere Termine hängen im MGT aus oder lassen sich telefonisch erfragen unter 08 21 - 72 05 50. (alon)

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