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Gedenken

13.08.2015

Als in Heilig Kreuz das Lagerfeuer loderte

Eine Tafel erinnert an die Internierung österreichischer Kriegsgefangener

Augsburg im Jahr 1805: Schon im frühen Oktober war es bitterkalt geworden. In der evangelischen Heilig-Kreuz-Kirche loderte ein Feuer mitten im Sakralraum, dass es dem Pfarrer angst und bang wurde. Aber er konnte nichts tun. 1200 österreichische Kriegsgefangene hatten Napoleons Soldaten seit 9. Oktober hier interniert. Wochenlang sollten sie in der Kirche ausharren, während der Feldherr und Kaiser in der fürstbischöflichen Residenz im Fronhof in Sichtweite logierte. An diese Ereignisse vor 200 Jahren erinnert in evangelisch Heilig Kreuz nun eine schlichte Gedenktafel, die am Vorabend des Friedensfestes enthüllt worden ist. Sogar der Urenkel des österreichischen Kaisers Franz Josef I., Erzherzog Markus Habsburg-Lothringen, war aus Bad Ischl gekommen.

„Siegesdenkmäler gibt es viele. Wir wollten an die unglücklichen Gefangenen erinnern“, sagte Pfarrer Andreas G. Ratz. Zumal Heilig Kreuz in den Napoleonischen Kriegen gleich zweimal dafür ausgeräumt worden ist und die Kirchengemeinde monatelang heimatlos war. Zerlumpt waren die Unterlegenen, erschöpft und teilweise auch verwundet. Immerhin hatten sie ein Dach überm Kopf und etwas zu essen. „Nach der Schlacht gibt es keine Feinde mehr, es gibt nur noch Menschen“, zitierte der Ulmer Historiker Thomas Schuler in seiner Gedenkrede den Feldherrn Napoleon. Sich der siegreichen Grande Armée zu widersetzen, war für den Augsburger Magistrat aussichtslos. Mochte er auch naiv an den Stadttoren die Tafel „Neutrales Gebiet“ in zwei Sprachen angebracht haben. Schon 1800 hatten die beiden Augsburger Stadtpfleger für Monate die Schlüssel an Napoleons Generäle abzugeben – und eine verwüstete Stadt zurückerhalten.

Die französischen Soldaten kamen und nahmen sich, was sie brauchten. 40000 Kämpfer zogen im Oktober 1805 innerhalb weniger Stunden, so die Chronisten, in die Stadt ein, drangen in die Häuser ein und forderten ungestüm Essen und Trinken. Ein schauderhaftes Gedränge habe auf den Straßen geherrscht, wo die Truppen an Lagerfeuern campierten. Klöster und Kirchen wurden zu Lazaretten umfunktioniert. In Heilig Kreuz war auch Heu und Stroh eingelagert, was dem Pfarrer noch mehr Angst vor Feuersbrunst machte.

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Napoleon demütigte die Freie Reichsstadt noch mehr, berichtete der Historiker Schuler. „Sie haben ein schlechtes Pflaster“, herrschte der Kaiser am 11. Oktober 1805 die Ratsherrn an und drohte, die Stadt an das verbündete Kurfürstentum Bayern zu übergeben. Er hegte nämlich den Verdacht, Augsburger Kaufleute hätten den Transfer englischer Zahlungen an das Haus Habsburg unterstützt. Tatsächlich ging Augsburg zum 1. Januar 1806 an Bayern über.

Erzherzog Markus Habsburg-Lothringen bedauerte in seinem Grußwort all dieses Leid und diese Demütigungen, die ausgegangen waren von einer Armee, die im revolutionären Geist eine neue Ordnung schaffen wollte. Aber auch das Leid, das „von unseren beiden Nationen“ ausgegangen war, als sie später Weltkriege entfachten. Unvorstellbar sei es, dass in Heilig Kreuz einst über 1000 Soldaten unterkommen mussten und dies bei winterlichen Temperaturen. Der Erzherzog schloss mit den Gedanken: „Wir bitten um Frieden für unsere Tage und sagen Dank für das, was wir Gutes tun können.“

Die Gedenktafel ist ein historisches Stück, das mit Genehmigung der Denkmalpflege neu beschriftet wurde. Sie hängt nun beim Aufgang zur Empore. Gestiftet habe sie Friederike Walter aus der Heilig-Kreuz-Gemeinde, gab Ratz bekannt.

Thomas Schuler stellt sein Buch „Wir sind auf einem Vulkan. Napoleon und Bayern“ (C. H. Beck Verlag) am 19. November, 19.30 Uhr, im Schaezlerpalais vor. Bereits am 11. November, 20 Uhr, liest er daraus in der Thalia-Buchhandlung.

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