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Augsburg

03.06.2019

Alter Kornspeicher erschwert Bau neuer Wohnungen auf JVA-Gelände

Das Luftbild (Blick nach Süden) zeigt das ehemalige Gefängnis mit dem modernen Bau (links) und dem historischen Kornhaus rechts. Dahinter ist ein kleines Stück des Turms der Kapelle St. Severin zu erkennen.
Bild: Sammlung Häußler

Auf dem Gelände des ehemaligen Gefängnisses in Augsburg sollen Wohnungen entstehen. So einfach ist das nicht, denn zum Gefängnis gehört ein historischer Kornspeicher.

Seit Anfang 2016 ist die Justizvollzugsanstalt an der Karmelitengasse „frei“: Die letzten Häftlinge übersiedelten in die neue JVA in Gablingen. Nach fast 200 Jahren endete die Zweckbestimmung als Haftanstalt: Im Jahr 1817 war in einem ehemaligen Karmelitenkloster eine „Arrestanstalt für die in gerichtlicher Untersuchung befangenen Individuen“ eingerichtet worden. Nach heutigem Sprachgebrauch war es ein Untersuchungsgefängnis. Der zuletzt noch 22-köpfige Karmeliten-Konvent war 1807 aufgelöst worden. Das Königreich Bayern hatte die intakte Klosteranlage umgebaut und durch Neubauten ergänzt.

Der nun verlassene große Gefängnis-Komplex besteht aus Nachkriegsbauten und einem historischen Trakt. Äußerlich kaum erkennbar, verbirgt sich darin trotz Umbauten und Modernisierungen ein ehemaliger Kornspeicher mit mächtigen Mauern. Er macht das große Gebäude zu einer „Problem-Immobilie“, denn der historische Bau muss erhalten bleiben. Das immens massive Gemäuer ist geschichtsbeladen und steht deshalb unter Denkmalschutz.

Notvorrat gegen Hungersnöte in Augsburg

Um die Geschichte dieses Baus aufzuzeigen, ist eine Rückblende um 450 Jahre nötig: Anno 1569 hatte die Reichsstadt Augsburg das mächtige Kornhaus mit Schüttböden und Kellern als Lager für ihre Getreidevorräte für Notzeiten bauen lassen. Seit 1556 besaß die Stadt in diesem Bereich des Domviertels ein riesiges Areal. Dazu gehörten der heutige Stephansgarten und die aus dem 13. Jahrhundert stammende St.-Severins-Kapelle. Dieser über 800-jährige einschiffige kleine Sakralbau diente seit seiner Restaurierung im Jahr 1969 bis 2016 als Kapelle der Haftanstalt.

Das Karmelitenkloster mit der 1821 abgebrochenen Kirche von der Karmelitengasse aus. Das Gebäude rechts ist das anno 1569 erbaute Kornhaus.
Bild: Sammlung Häußler

Im Jahre 1637 übergab die Reichsstadt auf Drängen ihres obersten Stadtherrn Kaiser Ferdinand II. dieses Kornhaus und den riesigen Garten dem heimatlos gewordenen Orden der „Unbeschuhten Karmeliten zum Allerhöchsten Altarsakrament“. Die Karmeliten hatten 1632 vor dem Roten Tor ein Kloster erbaut. Der Neubau brannte jedoch kurz darauf in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges ab. Auch das 1637 zum Kloster umfunktionierte Kornhaus ging 1646 in Flammen auf. Nachdem der Krieg 1648 geendet hatte, errichteten die Karmeliten unter Einbezug der Kornhaus-Teilruine eine frühbarocke Klosteranlage. Dieser Komplex ist detailliert durch zwei Kupferstiche und in Miniatur in historischen Stadtplänen überliefert.

Aus dem Kloster wird das Gefängnis

Die Säkularisation 1802 und der Verlust der Reichsfreiheit der Stadt im Jahr 1806 veränderten Besitz- und Nutzungsverhältnisse des Karmelitenklosters grundlegend. Aus der Klosteranlage im Domviertel wurde 1817 die „Frohnfeste“ oder das „neue Kriminalgefängnis“, wie es später in Stadtplänen heißt. 1821 wurde die Kirche entlang der Karmelitengasse abgebrochen. 1851 bekam die Benediktinerabtei St. Stephan den 13.700 Quadratmeter großen ehemaligen Karmelitengarten zum Gemüse- und Obstanbau und zur Erholung überlassen. Seither heißt die grüne Oase Stephansgarten.

Ein ehemaliges Gartenhaus ist seit 2014 das „Fugger-und-Welser-Erlebnismuseum“. Eine hohe Mauer trennt seit über 200 Jahren die weite Gartenanlage von der einstigen „Frohnfeste“, deren Areal jetzt mit Ausnahme des 450 Jahre alten Kornspeichers zur Neubebauung ansteht.

Lesen Sie auch: Neue Wohnungen: Wie geht es auf dem JVA-Gelände weiter?

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