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Umwelt

25.05.2018

Am Herrenbach-Kanal droht nun totaler Kahlschlag

Diese idyllische Aussicht wird es wohl nur noch bis Herbst geben. Die Stadt will alle 96 Bäume entlang des Herrenbachs fällen.
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Diese idyllische Aussicht wird es wohl nur noch bis Herbst geben. Die Stadt will alle 96 Bäume entlang des Herrenbachs fällen.

SPD-Ortsverein Herrenbach-Spickel und die Grünen kritisieren die Entscheidung der Stadt. Ein Gutachten des Umweltausschusses hat erst kurz zuvor 65 Bäumen ausreichend Stabilität bescheinigt

Mit Unverständnis und Enttäuschung hat der SPD-Ortsverein (OV) Herrenbach Spickel auf die Entscheidung der Stadt reagiert, nun doch alle 96 Bäume entlang des Herrenbachs zu fällen. „Ich verspüre eine große Ohnmacht“, sagte Vorsitzender Peter Biet. Bis kurz vor Beginn der jüngsten Sitzung im Gasthaus Zum Spickel war der OV noch davon ausgegangen, dass lediglich 31 Bäume gefällt werden müssen und 65 erhalten bleiben. Dies war das Ergebnis einer Untersuchung des Umweltausschusses der Stadt Augsburg.

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Insgesamt 33 Fragen hatte das Gremium mit den Sprechern Gabriele Thoma (SPD), Martina Wild (Grüne) und Josef Hummel (CSU) ausgearbeitet. Und das Ergebnis stimmte nicht nur den SPD–Ortsverein froh. Demnach sollten die Bäume entfernt werden, die einem Unwetter möglicherweise nicht standhalten könnten. 31 haben die Prüfung nicht bestanden. „Das wäre ein Kompromiss gewesen, mit dem wir alle hätten gut leben können“, sagte Biet.

Wie bereits berichtet, befürchtet das zuständige Wasserwirtschaftsamt in Donauwörth, dass es bei Sturm zu Entwurzlungen kommen könnte, die Bäume oder Äste den Kanal blockieren und das überlaufende Wasser letztendlich die tieferliegenden Wohnungen überschwemmt. Ähnliches war beim Pfingsthochwasser 1999 in Augsburg passiert. Damals überspülte die Wertach große Teile von Pfersee, da umgestürzte Bäume das Wehr blockierten. Eine weitere Gefahr beste darin, dass die Wurzeln die Deichkrone beschädigen. Grundsätzlich seien Dämme baumfrei zu halten.

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Hintergrund des nun drohenden Kahlschlags ist, dass im Falle von Überschwemmungen am Herrenbach die Stadt für die Schäden haften muss. Daher sei es zwar nachvollziehbar, dass Oberbürgermeister Kurt Gribl kein Risiko eingehen möchte, „aber dennoch ist es unverständlich, dass vitale Bäume, die keine Gefahr darstellen, trotzdem gefällt werden“, sagte Biet.

Trotz des Gefühls der Ohnmacht, wie es Biet beschrieb, wolle man die bis zur Rodung im Herbst verbleibende Zeit nutzen, um nach Alternativen zu suchen. Angedacht ist daher, eventuell eine Expertenrunde mit Vertretern des Wasserwirtschaftsamtes, Naturschutzbehörden und der Stadt zu organisieren. „Diese öffentliche Veranstaltung könnte möglicherweise im Don-Bosco-Saal stattfinden“, sagte Biet.

Harsche Kritik an dem geplanten Kahlschlag übt auch Peter Rauscher, Vorsitzender der Grünen Augsburg. Fast schon mantramäßig werde permanent wiederholt „die Bäume müssen gefällt werden, die Bäume müssen gefällt werden...“ Wie sonst sei es zu erklären, dass in Augsburg kontinuierlich Bäume plötzlich an diversen Schädlingen und Pilzen leiden, krank werden oder „zufällig“ beschädigt werden, fragt er in einer Pressemitteilung. „Die Bäume am Herrenbach haben das Wasserwirtschaftsamt Jahrzehnte nicht interessiert, nun müssen sie ganz schnell weg, weil bei einem Starksturmereignis Überschwemmungsgefahr für die Anwohner besteht“, kritisiert Rauscher. Diese plötzliche Erkenntnis sei für ihn nicht nachvollziehbar. Schließlich wurden mit den Anwohnern Vorschläge diskutiert, wie die Gefahr durch Dammbruch verhindert werden könne.

„Eine Möglichkeit wäre gewesen, bei Starksturmereignissen im Vorfeld die Schleuse zum Herrenbach zu schließen“, regt Rauscher an. Denn: Wenn kein Wasser fließe, könne auch nichts überschwemmt werden. Und gerade in Zeiten des Klimawandels „ist jeder Baum, speziell in den urbanen Gebieten, von großem Wert.“

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25.05.2018

Das Wasser ist schon abgelassen. Nun sollen offenbar schnell Fakten geschaffen werden. Der OB schwingt mal wieder den eisernen Besen. Ja die liebe Sicherheit. Damit kein Baum in dieser Stadt irgendetwas Böses mehr anstellen kann, sollte man sicherheitshalber ALLE fällen, oder? Oder doch nicht? Die berechtigte Frage wurde gestellt, warum denn nur die Bäume am Herrenbach die Folgen verursachen können sollten, wie apokalyptisch beschrieben. Es gibt eine Vielzahl von Lechkanälen in der Stadt, die ebenso baumbestanden sind.

Die Verantwortlichen wollen aus dem Schneider sein, das ist die Krux. WENN etwas passiert ist es ja auch in der Tat so, dass gleich getönt wird: Wie konnte man nur und warum hat man nicht vorhergesehen? Dass mit vermutlich ähnlicher Wahrscheinlichkeit auch ein Tornado auf diesem Stück zwischen Don Bosco und der Kleingartenanlage wüten könnte, ist da irrelevant, denn DAS wäre ja einfach höhere Gewalt.

Allerdings darf man, vor allem, wenn man an die Kausalie Stempflesee zurückdenkt, schon den Eindruck haben, dass man von Seiten der Ämter und ihren Verantwortlichen nicht immer bereit ist, nach Alternativen zu suchen und diesen ernsthaft eine Chance zu geben. Man selbst wohnt da ja nicht, kann einem also egal sein, wenn das vertraute und geliebte Parkbild einer Ödnis weicht. Sicher ist sicher. Und dann kommt dann auch noch so ein Schuss Machtanspruch dazu. MAN ist ja die Fachbehörde. MAN hat das Recht durchzusetzen, weil MAN ja die Verantwortung trägt und die möchte MAN so gering wie möglich halten.

Ist nicht gerade Brut- und Nistzeit? Ist da nicht normalerweise das Fällen von Bäumen verboten? Wie begründet sich denn die außerordentliche Notwendigkeit, unverzüglich tätig werden zu müssen? Eine plötzlich erkannte Gefahr? Wie viele Jahre nach dem Pfingsthochwasser ist da plötzlich jemand draufgekommen?

Bäume haben keinen Rechtsbeistand und können ihr Überleben nicht mit einer einstweiligen Verfügung beim VG einklagen. Dass das alles unter einem Grünen Umweltreferenten geschehen kann, ist schon traurig.

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