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Augsburg

06.03.2015

Am Hochablass herrscht Stillstand

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2 Bilder
Eigentlich sollte links im Bild seit 2014 die Fischtreppe am Hochablass zu sehen sein. Sie lässt aber noch auf sich warten.
Bild: Silvio Wyszengrad

Das Kraftwerk am Augsburger Hochablass läuft seit einem Jahr. Doch zum Ärger vieler Menschen ist von der Fischtreppe noch nichts zu sehen. Und es gibt noch ein anderes Problem.

Ausflügler am Hochablass werden wohl auch in diesem Sommer auf eine Kieswüste neben dem neuen Kraftwerk der Stadtwerke blicken. Die Arbeiten für die neue Fischtreppe, die eigentlich schon 2014 hätte fertig sein sollen, werden sich verzögern.

Man hoffe, im Herbst dieses Jahres fertig zu werden, so Stadtwerke-Projektleiter Anton Asam. Bislang sind die Bauarbeiten für den Fischpass aus Natursteinen, der die veraltete Fischtreppe in der Mitte des Wehres ersetzt, aber noch nicht einmal ausgeschrieben.

Grund für die Verzögerungen ist, dass die Anlage mehrmals umgeplant werden musste. Wie berichtet war im vergangenen Jahr überraschend ein unterirdisches Rohr aufgetaucht. Zunächst herrschte Rätselraten über die genaue Funktion, bis klar wurde, dass damit der Kuhsee wie eine Badewanne geleert werden kann. Untersuchungen mit Kameras und einem Taucher ergaben, dass das Rohr baufällig ist. Deshalb habe man den Verlauf der Fischrampe mehrmals umgeplant.

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Seit wenigen Tagen sei klar, dass das Rohr verfüllt werden kann, so Asam. Einen geringen Wasserverlust soll der Kuhsee über die Fischrampe, die hauptsächlich mit Lechwasser gespeist wird, aber haben. So wird sichergestellt, dass frisches Grundwasser in den See nachfließen kann und die Wasserqualität hoch bleibt.

Auch eine Fußgängerbrücke ist geplant

Vom Bau der Fischtreppe hängt auch die weitere Gestaltung der Außenanlagen ab. Die teilen sich Stadtwerke und Stadt Augsburg. Unter anderem muss der künstliche Kiesdamm am Ausgang des Kuhsees weggebaggert werden und der schmale Fußgängersteg zwischen Lech und Kuhsee wieder für den Verkehr freigegeben werden.

Mittelfristig soll auch eine Fußgängerbrücke über den Kuhsee-Ausfluss folgen. Landschaftsarchitekt Uwe Möhrle hat am Hochzoller Lechufer gleich neben dem Hochablass-Wehr auch steinerne Sitzstufen geplant. Umweltreferent Reiner Erben (Grüne) will den gesamten Kuhsee als Freizeitoase aufhübschen – die nötigen 1,4 Millionen Euro für den Steg und Grünanlagen sind aber in weiter Ferne.

Frühestens 2017, so Erben, könnte ein Teil der Summe fließen. „Wir werden nicht alles gleichzeitig schaffen“, so Erben. Die Fischtreppe sowie die Außenanlagen in direktem Umfeld des Kraftwerks finanzieren die Stadtwerke. Das Geld dafür steht bereit. Die Bürgergruppe „Rettet den Hochablass“, die den Kraftwerksbau kritisch begleitet hatte, wünscht eine schnelle Umsetzung. „Zugesagt war der Bau schon länger“, so Melitta Schuster und Werner Lorbeer.

Am Hochablass herrscht eine "Unterwasserwüste"

Das Kraftwerk selbst macht an anderer Stelle Probleme. Unterhalb der Turbinenauslässe liegt im Lech der sogenannte „Flinz“ offen. Die Kiesdecke wurde, begünstigt durch die Strömung aus den Turbinen, weggeschwemmt, sodass nun eine gelbliche, lehmartige Erdschicht am Grund zutage tritt. Ökologisch gilt der Flinz als Unterwasserwüste, die Fischen keine Rückzugsräume bietet.

Mittelfristig soll es eine Fußgängerbrücke über den Kuhsee-Ausfluss geben.
Bild: AZ-Grafik, Stadtwerke

Auch wasserbaulich ist das ein Problem: Wird der Flinz abgetragen, könnte Lechwasser direkt in den Untergrund sickern. Auch am nördlich gelegenen Eisenbahnerwehr in Hochzoll und auf Höhe des Stadtwalds trat das Problem auf. „Das generelle Problem ist die Kies-armut im Lech“, sagt Abteilungsleiter Steve Gallasch vom Wasserwirtschaftsamt Donauwörth. Die veränderten Strömungsverhältnisse durch das Kraftwerk hätten das Abschwemmen von Kies wohl begünstigt.

„Wir sehen schon eine gewisse Dringlichkeit bei dem Thema“, so Gallasch. Ohne Steine am Grund des Flussbetts fließe das Wasser schneller – und beschleunige so ein weiteres Aufreißen der Kiesdecke. Innerhalb der nächsten Monate müsse etwas passieren. In einem Gespräch mit dem Tiefbauamt der Stadt soll das weitere Vorgehen besprochen werden. Denkbar sei, große Flussbausteine zu versenken und die Zwischenräume mit Kies aufzuschütten. Auch am Eisenbahnerwehr versucht man ähnliches.

Die Problematik am Lech mit dem fehlenden Kies wird aktuell dadurch gelöst, dass unterhalb der Staustufe 23 (Mandichosee) immer wieder Kies in den Fluss geschüttet wird, der bei einem Hochwasser mitgeschwemmt wird. Bei viel Wasser im Lech wird der Kies auch über die Wehre im Siebentischwald sowie durch die Wehrtore am Hochablass gespült.

Aktuell baggert der Kraftwerksbetreiber Bayerische Elektrizitätswerke (eine LEW-Tochter) nördlich von Augsburg bei Ellgau im Rahmen des Hochwasserschutzes 100000 Kubikmeter Kies aus dem Fluss. Dieser soll flussaufwärts zurückgeschüttet werden. An welcher Stelle, ist noch unklar. Langfristig soll das Projekt „Licca liber“ Entspannung bringen. Es sieht vor, den Lech ab der Staustufe 23 naturnaher zu gestalten.

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