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Mozartfest

11.05.2015

Amadé als Gast in anderen Gefilden

Inspirierende Jazzcombo (von links): David Gazarov, Klavier, Hugo Siegmeth, Klarinette/Sax, Mini Schulz, Bass, und Meinhard Jenne, Drums.
Bild: Hans-Christian Wille

Im Verein mit Jazz und Wiener Heurigen geht das Genie unterhaltsame Wege

Nachdem sie sich im Auftaktkonzert im originalen Klanggewand umjubelt präsentierten, öffnete das Deutsche Mozartfest neue Räume für die Titelpartner „Mozart & die Klarinette“. Am Wochenende waren sie quasi in Gastrollen zu hören, erst bei „Mozart goes Jazz“, dann in der „Harmoniemusik beim Heurigen“.

Im Augustanasaal lieferten das Trio David Gazarov (Klavier), Mini Schulz (Bass) und Meinhard Jenne Drums) mit Hugo Siegmeth (Klarinette, Sax) eine Zeitreise zwischen Klassik und Jazz. Da bekundeten die Jazzer ihren Respekt den alten Meistern gegenüber, waren aber in ihrem Metier ganz bei sich.

In alter Jacques-Loussier-Manier begann Gazarov Bachs 1. Choral mit sachlicher Nüchternheit zu zitieren. Was dann mit diesen Klängen passierte, ging weit hinaus über swingende Spielerei. Bachs Melodiestrom wurde seiner Feierlichkeit – respektvoll! – ent- und in mal heftig pulsierende, mal lässig gegroovte Jazz-Welten gehoben. Mit Barock, später auch mit Chopins Balladengestik (Fantaisie-Impromptu) geschahen solche Transfers in die Synkopen mit überlegener Musikalität. Höhepunkt war ein Prélude, aus dem eine Bebop-Nummer explodierte. Wo blieb da Mozart?

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Hugo Siegmeth präludierte in östlichen Vokalisen, aus denen sich das himmlische Adagio des Klarinettenkonzerts erhob, umschmeichelt vom Bass und Drum-Flüstern, bis es Blueswellen forttrugen. Solche Adaptionen folgen zwei Prinzipien: Entweder wird das Klassik-Thema vorangestellt, dann jazzig variiert, oder es entwickelt sich aus frei einströmenden blue notes, wird weit weg entführt und immer wieder erkennbar „hochgespült“.

Wenn aber der phänomenale Pianist Gazarov, ein zaubernder Meister der unbestechlichen Motorik, der ekstatischen Hymne (Oscar Peterson) in originalen Jazz-Arrangements, Preziosen von Sidney Bechet oder Benny Goodman anführte, entstand ein mitreißender Organismus: der geschmeidige Bläser Siegmeth, der mit pochender Bass-Linie und federnden Soli hingebungsvolle Mini Schulz, Ausnahme-Drummer Meinhard Jenne mit coolen Rasterketten oder den ausbrechendem, doch stets „in time“ zurückkommenden Feuerwerk-Soli.

In einer anderen Welt fanden sich Mozart und die Klarinette samt Bläsergenossen tags darauf wieder. Im Kleinen Goldenen Saal war der Tisch gedeckt für „Harmoniemusik beim Heurigen“: Anstelle strenger Kammermusikbestuhlung befand man sich an gedeckten Tischen. Es wurden deftige Speisen der Zeit serviert: Sülzchen vom Donauwaller, Hackbraten, Geräuchertes, Verhackertes … Gern verkehrte Amadé im Wiener Weingarten nicht nur in Form der „Harmoniemusik“, also Arrangements für Bläser.

Auch wenn von den schillernden Figuren seiner Musik der melodisch-rhythmische Teil herausgeschält und mit Bläserklang versehen wird, bleibt die geniale Aura. „Figaro“ und „Zauberflöte“ bildeten in Bearbeitungen seiner Zeitgenossen Johann Nepomuk Wendt und Joseph Heidenreich köstliche Best-of-Kurzfassungen dieser Genie-Opern.

Klarinette (Harald Harrer) oder Oboe (Heike Steinbrecher) führten das Wort, was die anderen Dozenten und Masterstudenten des Leopold-Mozart-Zentrums beisteuerten, war satt und bildstark: Maria Kügler (Oboe), Agnes Liberta (Klarinette), Johannes Dengler, Stephan Kröger (Horn), Karsten Nagel, Raphael Sirch, Laurens Zimpel (Fagott, Kontrafagott), Mathias Dittman (Flöte). Das Divertimento KV Anh. 229, die spritzigen Rossini-Ouvertüren „Tancredi“ und „Die Italienerin in Algier“ beschlossen den Abend. Mit Charme und Witz kommentierte als Leopold-Bruder der Wiener Thomas Prazak (demnächst am Theater) die Szene.

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