Liederabend

24.05.2017

Amors Pfeil trifft

Sibylla Rubens und Christoph Hammer intonieren Liebesfreud und Liebesleid

Es verschlug einem den Atem, so reich war die Fülle von Liedminiaturen, die Sibylla Rubens als versierte Lied- und Konzertsängerin und Christoph Hammer am Hammerklavier beim Liederabend „Liebe und Schmerz“ im Schaezlerpalais boten. Das europäische Umfeld Mozarts klang in deutscher, englischer, italienischer wie französischer Sprache auf, kleine Genrestücke rückten nahe, machten, um mit Mozart zu sprechen, Pläsier.

Als „freündstücke“ sah er selbst diese spontan geschriebenen Gelegenheits- und Gefälligkeitslieder an, Nebenprodukte, oft Bodensatz seiner Opern. Und so überraschte es nicht, kleine, oft dramatisch zugespitzte Alltagsszenen zu erleben; spritzig, gewitzt, pikant rückte dabei die Liebe in den Fokus. In zwei Blöcken lief das durchdachte Programm ab: Jeweils im Vorfeld kleinerer Komponisten gewannen Mozart und Haydn umso klareres Profil.

Michael Haydns „Seligkeit der Liebe“ korrespondierte so mit Anton Eberls heiter beschwingtem „Die Liebe“, ja Amors Pfeil zielte direkt auf Joseph Haydns „Cupido“ und auf Mozarts „Verschweigungs-Frivolität“. Ebenso zwanglos fing Sibylla Rubens diese Szenarien ein, ihr geschmeidiger Sopran zeichnete Liebesglück fein: hier augenzwinkernd, dort voller Euphorie. Unmittelbar gewannen diese Lieder Kontur, zumal Christoph Hammer als Experte des Hammerklaviers die Begleitstrukturen ebenso subtil abfederte wie musikantisch beseelte.

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Tiefere Spuren zog der Liebesschmerz: Betroffen, gegen ihr Schicksal ankämpfend sieht Joseph Haydn „Die Verlassene“. Mozart gestaltet „Das Lied der Trennung“ eindringlicher, psychologisierender: da Aufbegehr, dort tiefe Resignation. Diesen Seelenschmerz lud die Sopranistin dramatischer auf, vom Hammerklavier nun markanter begleitet. Thomas Linleys „The Lark Sings High in the Cornfield“ entfaltete balladeske Qualität, Salomons „Say not“ leitete zu Haydns „Songs“, die im Zenit seiner Liedkunst stehen. Das Bildnis der versteinerten Liebe gewann im Largo assai grandiose Ausdruckskraft – eine Interpretation, die unter die Haut ging.

Mozarts „Abendempfindung“ sollte diesen Abend krönen, wies doch diese lyrische Stimmungsimpression auf Schubert hin: Als Kostbarkeit hielt Rubens diesen Abgesang fest. Groß der Applaus, bunt die Blumen, köstlich die Zugaben.

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