1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. An der Jakoberwallbastion standen früher die Kanonen

Augsburger Geschichte

17.04.2019

An der Jakoberwallbastion standen früher die Kanonen

Copy%20of%20Jakoberwall_5(1).tif
3 Bilder
Das Bauten-Ensemble mit dem Jakoberwallturm ist seit 1992 das Vereinsheim der Historischen Bürgergilde Augsburg.
Bild: Sammlung Häußler

Die Jakoberwallbastion ist seit 1992 die Heimat der Historischen Bürgergilde. Sie hält die Anlage in Schuss und lädt an den Dult-Wochenenden zu einem Besuch ein.

„Vogelmauer 46“ ist die Postanschrift eines historischen Gebäudekomplexes an der „Dultmeile“ zwischen Vogeltor und Jakobertor. Es ist der Jakoberwallturm mit damit verbundenen Bauten. Das Backsteingemäuer ist renoviert und das Innere rustikal-heimelig ausgestaltet. Seit 1992 ist das Ensemble die Heimat der Historischen Bürgergilde Augsburg. Sie lädt an den Dult-Wochenenden – sie findet vom 20. April bis 5. Mai statt – Besucher zwischen 13 und 18 Uhr zu Kaffee und Kuchen ein. Der Erlös dient der weiteren Sanierung

Bau der Bastion begann 1542

Mit der Überlassung der Überbleibsel der einstigen Stadtbefestigung durch die Stadt begann für die „Historischen“ viel Arbeit. Mit enormem Engagement machten sie aus dem desolaten Bautenkomplex ein gemütliches Vereinshaus. Wirklich fertig werden sie mit dem Renovieren wohl nie – schließlich sind die ältesten Bauteile rund 475 Jahre alt. Im Jahr 1542 begann der Bau der Bastion.

Schon 1519 hatten Festungsbaumeister solche Basteien an etlichen Stellen der Stadtbefestigung vorgeschlagen. Der Augsburger Rat schob die „Aufrüstung“ lange hinaus. Erst im Jahr 1542 notiert ein Chronist unter der Überschrift „Pastey bey dem Vogelthor gebawen“: „Den 2. Octob. ward allhie die Pastey mit einer gemawrten Schantzen und Wassergraben zwischen Jacober und dem Vogelthor gegen den Bachenanger zu bawen angefangen.“ „Am Bachenanger“ hieß der Bereich zwischen Jakobertor und Vogeltor außerhalb der Stadtmauer. Noch im Stadtplan von 1626 lautete die Beschriftung „Pastey beim Bachenanger“. Zu beiden Seiten schloss die Stadtmauer an. Bei deren Abbruch 1867 beließ man an der Bastion einen Mauerrest samt Wehrgang. Er ist von der „Dultmeile“ aus sichtbar.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Freie Schussbahn auf die Stadttore

Die Miniaturabbildung von 1626 zeigt, dass die Bastion an einem Knick der Stadtmauer in den Stadtgraben ragte. Der jahrhundertelang mit Wasser gefüllte breite Graben liegt seit 1947 um den Jakoberwall bis zum Vogeltor trocken. Nur ein Bach verläuft auf diesem Abschnitt.

Vor 500 Jahren hatten die Festungsbaumeister diese Ecke als Schwachstelle in den Verteidigungsanlagen um die Jakobervorstadt ausgemacht und schlugen die Aufschüttung eines hohen Erdwalls vor. Anno 1626 stehen darauf drei Kanonen. Hinter der gemauerten Brustwehr hatten Büchsenschützen gegen das Jakobertor wie gegen das Vogeltor freie Schussbahn.

Der durch den hohen Erdwall gegen Beschuss von außen geschützte Halbrundturm diente als Pulverturm. Das belegt die Auflistung der Waffen- und Pulvervorräte der Reichsstadt anno 1681: „Im Pulverturm beim Bachenangerberg“ seien 69 ganze und 81 halbe Tonnen Pulver deponiert. Mehrere kleine Gebäude sind an den dreistöckigen Turm und die damit verbundene Wehrmauer angefügt.

Anno 1792 heißt es, am Jakoberwall sei zwar alles militärisch Nötige vorhanden, doch die Festungsanlage sei dem Verfall preisgegeben. Ende des 18. Jahrhunderts hielten die Augsburger den Verteidigungszweck für zweitrangig und die Nutzung als Wohngebäude wichtiger. Die Ansprüche waren nicht hoch. Stadttore, Wehrtürme und Bastionen dienten als komfortlose, jedoch preiswerte Unterkünfte.

Wohnverhältnisse wären heute unzumutbar

Es waren meist städtische Beschäftigte, die hier wohnten. Das offenbaren Adressbücher. 1895 sind als Mieter die Stadtkämmererswitwe Margarete Huber und der „Commis“ Hans Huber verzeichnet. Ein Foto aus dieser Zeit zeigt eine junge Frau im kleinen „Festungshof“. Um 1900 bewohnte der städtische Ingenieur Theodor Bruckner mit seiner Familie die Gebäude auf dem Jakoberwall. Man würde heutzutage die Verhältnisse, in denen diese Bewohner historischer Festungsanlagen lebten, als unzumutbar bezeichnen.

Kurz nach 1900 investierte die Stadt in eine Sanierungsaktion: Die Gebäude um den Turm wurden zum mauerumschlossenen Ensemble mit drei kleinen Höfen. 1932 wohnte ein städtischer Obersekretär mit seiner Familie in den verwinkelten Gebäuden. Ende 1942 sind zwei Mieter verzeichnet, nach den Zerstörungen von 1944 lebten in den auf mehrere Stockwerke verteilten Räumen drei Mietparteien. Erst gegen Ende der 1950er-Jahre reduzierte sich die Belegung auf eine Familie, dann auf einen Bewohner. Der letzte „Turmherr“ ist 1976 nachweisbar.

Historische Bürgergilde legte am Jakoberwall Hand an

Das danach unbewohnte Jakoberwall-Ensemble verkam. Um es wieder nutzen zu können, war eine Renovierungsaktion nötig. Danach standen einige Jahre die Räume einer Jugendorganisation zur Verfügung. Die offizielle Bezeichnung lautete nun Jugendheim. Die Belegung war nicht von Dauer, dann folgte eine herrenlose Zeit. Wiederum ließen Vandalismus und kleinere Brände die Bauten auf dem Jakoberwall fast zu Ruinen werden – bis die Historische Bürgergilde sie übernahm und jahrelang Hand anlegte. Sie schuf auch Freilichttheater mit etwa 70 Plätzen, das 1998 erstmals bespielt wurde. Außerhalb des Vereinsgeländes lockt auf der Wallkrone eine lange Rutsche Kinder zum Einstieg zu einer schnellen Abfahrt in den Graben.

Frühere Folgen des Augsburg-Albums zum Nachlesen finden Sie unter

www.augsburger-allgemeine.de/augsburg-album

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Lesen Sie dazu auch
einbrechbär-01.jpg
Einbruchsradar

Hier wurde in der Region Augsburg eingebrochen

ad__nl-chefredakteur@940x235.jpg

SECHS UM 6: Unser Morgen-Newsletter

Die sechs wichtigsten Neuigkeiten um 6 Uhr morgens sowie ein Ausblick auf den
aktuellen Tag – Montag bis Freitag von Chefredakteur Gregor Peter Schmitz.

Newsletter bestellen