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Augsburg

16.03.2020

Analyse der OB-Wahl: Eva Weber gewinnt auch in Grünen-Hochburgen

Die Augsburger CSU-OB-Kandidatin Eva Weber mit ihrem Mann Florian auf dem Weg zum Wahllokal im Holbein-Gymnasium. In der Innenstadt, zuletzt eine Grünen-Hochburg, liegt Eva Weber nach dem ersten Wahlgang vorn.
Bild: Peter Fastl

Plus Die CSU-Kandidatin hat in allen Vierteln ihre Konkurrenten hinter sich gelassen. Martina Wild schafft es in den Hochburgen ihrer Partei nur auf Platz zwei.

Augsburg sieht schwarz. Zumindest, wenn man die politische Landkarte nach der ersten Runde der OB-Wahl in Augsburg anschaut. In allen Stadtteilen und Bezirken liegt die CSU-Kandidatin vorn, kein Konkurrent konnte an ihr vorbeiziehen. Dass Eva Weber als Favoritin antritt, ausgestattet mit dem Amtsbonus ihres „Ziehvaters“ Kurt Gribl, stand für die meisten Beobachter fest. Dennoch hätte man den Grünen bei der OB-Wahl etwas mehr zugetraut. Gerade in bestimmten Hochburgen, in denen sie zuletzt bei Wahlen vorn lagen.

Bei der Landtagswahl 2018 etwa lag die Grünen-Kandidatin Stephanie Schuhknecht in Teilen der Innenstadt haushoch vor ihrem CSU-Konkurrenten Andreas Jäckel. Im Lech- und Ulrichsviertel holte die Grüne mehr als 40 Prozent, Jäckel schaffte dort nicht mal die Hälfte. Das sieht jetzt, bei der OB-Wahl, anders aus. Im selben Viertel sammelte Eva Weber 34,1 Prozent ein, Martina Wild von den Grünen liegt mit 29,9 Prozent nur an zweiter Stelle.

Analyse der OB-Wahl: Eva Weber gewinnt auch in Grünen-Hochburgen

Auch in der CSU hat damit nicht jeder gerechnet. Augsburgs CSU-Chef Volker Ullrich sagt, es sei gelungen, mit den richtigen Themen und der richtigen Kandidatin auch grüne Stammwähler zu überzeugen. Etwas anders sieht es beim Trend für die Stadtratswahl aus: Hier liegen die Grünen in der Innenstadt und im Hochfeld vorne.

Der liberale Kurs hat der CSU Augsburg in ländlichen Stadtteilen nicht geschadet

Der moderne, liberale Wahlkampfkurs der CSU hat der Partei in den ländlich geprägteren Stadtteilen aber offensichtlich nicht geschadet. So schaffte Eva Weber in Bergheim schon im ersten Anlauf mit 53,6 Prozent die absolute Mehrheit. In Inningen kam sie auf 48,8 Prozent. Und das, obwohl die dortige CSU im Wahlkampf quer geschossen hat. Weil der Inninger Ortsverband parteiintern zum „rechten Flügel“ gezählt wird, hatte kein Kandidat aus dem Stadtteil einen Platz auf der Stadtratsliste der Union bekommen. Der Ortsvorsitzende Oliver Heim trat deshalb auf der Konkurrenz-Liste der Vereinigung WSA an und wurde daraufhin vom Bezirksvorstand abgesetzt. Martina Wild wiederum, die in Inningen mit ihrer Familie lebt, konnte als Lokalmatadorin nicht besonders stark punkten. Sie kam hier auf 12,5 Prozent.

Während sich bei CSU und Grünen klare Wähler-Hochburgen ausmachen lassen, sieht es bei der SPD anders aus. Bei der OB-Wahl vor sechs Jahren hatte SPD-Kandidat Stefan Kiefer noch in einigen Stadtbezirken, speziell der Innenstadt, über 30 Prozent der Stimmen geholt. Nun schaffte es Dirk Wurm für die SPD nur in wenigen Bereichen der Stadt – darunter in seinem Heimatstadtteil Pfersee – über die 20-Prozent. Wurm hat aber auch nirgends ein besonderes Debakel erlebt. In den meisten Stadtteilen bewegt er sich nahe an seinem Gesamtergebnis von 18,8 Prozent.

Grünen-Kandidatin Martina Wild und Dirk Wurm, Kandidat der SPD. Wurm zieht in die Stichwahl.
Bild: Peter Fastl

Schaut man sich die Zahlen genauer an, so ist zu erkennen, dass die Grünen an vielen Stellen offenbar die Wähler der SPD übernommen haben. Gerade in der Innenstadt hat die Grüne Martina Wild nun Ergebnisse, die vor sechs Jahren noch SPD-Mann Kiefer erzielte. Dass Wurm als Kandidat punkten konnte, zeigt sich daran, dass sein persönliches Ergebnis rund fünf Prozentpunkte über dem seiner Partei liegt. Das bewertet auch der SPD-Fraktionschef im Stadtrat, Florian Freund, so. Den negativen Bundes- und Landestrend der SPD konnte Wurm damit aber nicht stoppen.

Wahl in Augsburg: Höhenflug der AfD ist vorerst gestoppt

Der Höhenflug der AfD scheint sich vorerst nicht fortzusetzen. Vergleicht man Kommunal- und Landtagswahl, dann muss die rechte Partei sich dieses Mal mit einem niedrigeren Ergebnis zufrieden geben. Andreas Jurca kam als OB-Kandidat zwar auf den vierten Platz hinter den „drei großen W“ Weber, Wurm und Wild, er schaffte es aber nur auf rund 4,8 Prozent. Gerade in vermeintlichen Hochburgen konnte der AfD-Mann dieses Mal nicht so stark punkten.

Bei der Landtagswahl bekam die AfD im Univiertel noch gut 16 Prozent der Erststimmen, bei der OB-Wahl gewann Jurca nun mit 7,8 Prozent nicht ganz die Hälfte der Wählerstimmen. In Oberhausen-Nord hatte Jurca im Jahr 2018 als Landtagskandidat ganze 23,3 Prozent der Wählerstimmen angezogen, jetzt kam er auf 10,8 Prozent. Jurca liegt insgesamt hinter dem Ergebnis seiner Partei. Es könnte eine Rolle gespielt haben, dass die Staatsanwaltschaft gegen ihn ermittelt. Geprüft wird unter anderem, ob er sich der Volksverhetzung strafbar gemacht haben könnte – auf einem Laptop von ihm wurden comicartige Bilder gefunden, die Adolf Hitler und den Zweiten Weltkrieg verharmlosen sollen. Im Wahlkampf hatte Jurca gesagt, das sei eine Belastung, auch wenn er sich zu Unrecht im Visier der Justiz sehe.

Interessant ist auch der Blick auf die Freien Wähler – und hier vor allem der Trend bei der Stadtratswahl. Haunstetten sticht mit über sieben Prozent als FW-Hochburg heraus. Das Ergebnis liegt deutlich über der Gesamtstadt mit vier Prozent. In Haunstetten hat der Ex-Kripo-Kommissar und Sportfunktionär Hans Wengenmeir engagiert Wahlkampf betrieben. „Ich habe es auch geschafft, eine junge Mannschaft für die Freien Wähler zu gewinnen“, sagt er. Ob Wengenmeir es in den Stadtrat schafft, steht noch nicht fest. Er ist trotzdem zufrieden: „Es zeigt sich, dass Einsatz vor Ort vom Wähler gewürdigt wird.“

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