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Interview

03.12.2018

Anders leben mit Öko-Gemüse und Bio-Bier

Für „Solidarische Landwirtschaft“ setzen sich Bruno Marcon, Jana Linzenkirchner mit Sohn Albert und Armin Salzmann (von links) ein. Das Projekt bringt kleine bäuerliche Betriebe mit Kunden zusammen.

Der Augsburger Verein Weitwinkel entwickelt sein öko-soziales Gesellschaftsmodell recht erfolgreich. Vorsitzender Bruno Marcon erklärt, was ihn und seine Mitstreiter antreibt, weiterzumachen

Hand aufs Herz, Herr Marcon, wann haben Sie zum letzten Mal Obst und Gemüse im normalen Supermarkt gekauft?

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Das muss sehr lange her sein, ich kann mich nicht erinnern. Ich kaufe normalerweise im Bioladen oder über unser Projekt der Solidarischen Landwirtschaft ein.

Wie funktioniert dieses Projekt?

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Wir führen kleine bäuerliche Betriebe aus Stadt und Region mit Leuten zusammen, die landwirtschaftliche Erzeugnisse beziehen wollen. Wir nehmen den Landwirten die Verteilung ihrer Produkte an die Kunden ab und richten eigene Verteilstellen ein, etwa am Oberen Graben 9. Dort können sich Kunden einmal wöchentlich ihre Ernte-Einheit selbst zusammenstellen und abholen. Aktuell sind vier Landwirte und etwa 160 Abnehmer beteiligt. Wir wollen noch weitere gewinnen. Unser Ziel bei diesem Projekt ist insbesondere, kleine Landwirte zu unterstützen, die wirtschaftlich extrem unter Druck stehen.

Die Solidarische Landwirtschaft ist ein Projekt des Vereins. Was sind andere Beispiele?

Die Solidarische Landwirtschaft ist unser größtes Projekt. Unser erstes Vorhaben war ein interkultureller Garten bei der Ballonfabrik im Kulturpark West. Das war vor zehn Jahren. Mit dem Garten wollten wir einen sozialen Freiraum und Begegnungsort für Menschen verschiedenen Alters und verschiedener Herkunft schaffen. Rund 20 Beetpaten züchten dort ihr Gemüse gentechnikfrei und ohne Pestizide nach biologischen Grundsätzen. Die solidarische Ökonomie soll auch ein Gegenentwurf zum Einkauf im herkömmlichen Supermarkt sein.

Weitwinkel gibt es seit zehn Jahren. Sie haben gerade das Jubiläum gefeiert. Warum wurde der Verein gegründet?

Viele unserer Akteure aus der Gründungszeit kommen aus den Reihen der Globalisierungskritiker. Sie setzen sich mit den Verwerfungen einer neoliberalen Globalisierung auseinander. Damals kamen der Klimawandel und die Erderwärmung sehr stark in die öffentliche Diskussion. Wir wollten nicht nur Kritik üben, sondern auch konkrete ökologische und soziale Alternativen zu unserer heutigen Lebensweise entwerfen. Uns geht es um Kooperation und gesellschaftliche Teilhabe von Menschen. Auch die Beteiligung der Bürger von unten spielt für uns eine große Rolle. Eine weitere Grundlage unserer Projekte lautet: global denken, lokal handeln.

Zusammen mit Partnern kümmert sich der Verein um insgesamt zehn Projekte. Worum geht es?

Wir wollen eine ökologische und regionale nachhaltige Lebensweise fördern. Naturschutz, Umweltschutz, Tierschutz und Landschaftspflege sind uns wichtig, insbesondere die kleinbäuerliche Produktionsweise. Wir wollen gesellschaftliche und ökonomische Reformvorschläge fördern und freuen uns, dass sich rund 250 Menschen an den Projekten beteiligen.

Gibt es neue Vorhaben?

Unser neuestes Projekt ist die kleine Brauerei „Sprengstoff“. Der Name hat mit unserem Brauer Tobias Spreng zu tun. Eine Gruppe junger Leute hat vor einigen Wochen in Haunstetten einen kleinen Produktionsbetrieb eröffnet. Dort wird mit Getreide aus der Region Biobier hergestellt, das wir auch noch zertifizieren lassen wollen. Das soll ein Anfang sein. Wir möchten gerne auch andere junge Leute beraten, die einen gemeinschaftlichen Betrieb als Start-up gründen wollen.

Wie sehen die Pläne des Vereins mittelfristig aus?

Eine Vision ist, eine eigene Samenbank für Gemüse aufzubauen. Unser Ziel wäre, ein Angebot für Interessenten zu machen, die sich ihr Gemüse immer wieder selber nachziehen wollen. Das geht mit den üblichen Samen, die man im Handel kaufen kann, häufig nicht.

Der Verein hat mit seinem Projekt der Solidarischen Landwirtschaft im vergangenen Jahr den Augsburger Zukunftspreis bekommen. Wie wichtig ist Ihnen diese Auszeichnung?

Uns freut besonders, dass wir den Preis von der Schülerjury zugesprochen bekommen haben. Das zeigt uns, dass bei jungen Leuten ein tiefes Nachdenken über unsere heutige Lebensweise da ist. Interview: Eva Maria Knab

Bruno Marcon ist Psychologe mit Schwerpunkt Sozialpsychologie und Vorsitzender des Vereins Weitwinkel.

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