Konzert

26.11.2014

Angesichts des Todes

Der Schwäbische Oratorienchor unter der Leitung von Stefan Wolitz gestaltet nuanciert und niveauvoll Dvoraks ergreifendes Requiem in Herz Jesu.

Antonin Dvorak komponierte seine Totenmesse für eines der großen Chorfestivals in England. Ja, dieses Requiem sollte unmittelbar auf die Lebensfreude der achten Sinfonie folgen: Ein kühner, aber gewiss logischer Kontrast, der die Memento mori-Haltung des Komponisten schärfte. So fand er auf diese beunruhigenden, oft quälenden existenziellen Fragen zu meditativ-besinnlichen, zu visionär-packenden, bald zu schlichten, unverbrüchlichen Antworten.

Niveauvolles Ensemble formt ergreifende Klangbotschaft

Antworten, die der kompakte wie homogene Schwäbische Oratorienchor, ein Solistenquartett voller Niveau und ein veritables Orchester unter Stefan Wolitz’ kompetenter Leitung zu einer ergreifenden Klangbotschaft formten. Ernst und Düsternis machten sich breit, gespeist von einem lakonischen Motiv, das vielfältig changierend die Partitur wie ein Todessymbol ausprägt. Resignative Moll-Schwärze lastete so chorisch über Introitus und Kyrie, ehe der Lichteinfall (lux perpetua) – Anna Gablers Sopranleuchtkraft subtil unterlegt vom Frauenchor – irisierende Wechselwirkungen schuf.

Todesfurcht von allen Seiten

Die Furcht vor dem Jüngsten Gericht strömte im „Quid sum miser“ chorisch wie solistisch gleichsam von allen Seiten aus, vom Solistenquartett im „Rex tremendae“ voller Stimmkraft polyphon pointiert. Die optimistische Aufhellung des solistischen Ricordare machte hellhörig: Gablers Sopran, Christa Mayers klangsatter Alt, Bernhard Schneiders feiner Tenor und Alban Lenzens viriler Bass schienen in stimmiger Einheit das Blatt zu wenden, ehe im „Confutatis“ ein dramatischer Konflikt losbrach. Hier die erregte Verdammnis, dort versöhnliche Erlösung – ein Kontrast, den der Chor sehr intonationssicher und plastisch darstellte. Darauf antwortete das expressive Lacrimosa-Melos, getaktet vom penetranten Todesmotiv, das weiter um sich griff.

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Lichterfülltes Offertorium in slawischer Tonsprache

Von den Todesfesseln befreite das lichtvolle Offertorium; nuanciert wurde der slawisch gefärbte Volkston getroffen. Geblendet von vokalem und instrumentalem Glanz tritt der Tod zurück, zumal noch die strahlende „Abraham-Fuge“ chorische Dominanz gewann und den halligen Jugendstil-Sakralarchitektur erfüllte. Auch Sanctus und Benedictus sprachen von himmlischer Seligkeit, die sich im „Hosanna“ jubelnd steigerte.

Der Stachel des Todes jedoch sitzt tief: Fünfstimmig beschwor im „Pie Jesu“ der sopranfreie a cappella Chor jenen dunklen Rembrandt-Ton herauf, der voller Ergriffenheit auf die Todeswelt zurück verwies und nuanciert im „Agnus Dei“ mündete. Der Solo-Sopran kulminierte in „Lux aeterna“- Höhe und die Todes-Chiffre hatte das letzte Wort.

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