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Augsburg

17.07.2019

Angst vor der Katastrophe - warum ein Mann Waffen kaufen wollte

Ein Mann wollte sich mit Waffen für den Katastrophenfall rüsten.
Bild: Friso Gentsch, dpa

Ein 49-jähriger Mann will illegal Pistolen kaufen – und gerät an die Polizei. Dabei erklärte er, warum er die Waffen vergraben und wann er sie einsetzen wollte.

Er hatte sich bereits eine Pistole besorgt, irgendwo in Tschechien. Und er wollte weitere Schusswaffen kaufen, dazu Schalldämpfer und Munition. Dafür fuhr ein 49-jähriger Mann aus dem Raum Augsburg im August vergangenen Jahres ins Allgäu. Sein Ziel: ein McDonald’s-Parkplatz bei Bad Grönenbach. Der vereinbarte Ort der Waffenübergabe, die der 49-Jährige zuvor mit Händlern über das Darknet angebahnt hatte, einem schwer zugänglichen Teil des Internets. Allerdings warteten dort keine Waffenhändler auf ihn, es war eine von der Polizei fingierte Situation.

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Augsburger "Prepper" rüstet sich für den Ernstfall

Einem der vermeintlichen Waffenhändler hatte der Mann aus dem Großraum Augsburg erzählt, was er mit den Schusswaffen anstellen wolle: Sie im Wald vergraben nämlich. Um sie, wenn ein Katastrophenfall eintritt, wieder ausbuddeln zu können. Zum Jagen möglicherweise. Der 49-Jährige war offenbar in einer Gedankenwelt gefangen, im Glauben, dass ein Katastrophenfall eintreten werde und man sich vorbereiten müsse. Die Ermittler ordneten den Mann der sogenannten „Prepper“-Szene zu. Zu ihr gehören Menschen, die sich auf eine mögliche Krise vorbereiten, eine Naturkatastrophe etwa oder der staatliche Zusammenbruch. Manche Mitglieder der wenig einheitlichen Szene horten nur Lebensmittelvorräte und lernen spezielle handwerkliche Fähigkeiten, manche üben sich in Selbstverteidigungstechniken, bauen Rückzugsorte wie Bunker. Oder sie kaufen Schusswaffen.

Angeklagter legt Geständnis ab

Das Amtsgericht Memmingen hat den Mann aus der Region nun zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten verurteilt, unter anderem wegen des versuchten unerlaubten Erwerbes dreier halbautomatischer Schusswaffen. Bereits gegenüber den Ermittlern hatte der 49-Jährige gestanden, nach zwei Monaten kam er aus der U-Haft frei. Sein Geständnis war ein Baustein, der offenbar dazu führte, dass die Strafe des Mannes zur Bewährung ausgesetzt wurde.

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Ein weiterer: Er war nicht vorbestraft und hatte nicht vor, die Waffen für weitere Straftaten zu verwenden. Und er war vermindert schuldfähig; ein Gutachter bescheinigte ihm nach Informationen unserer Zeitung eine wahnhafte Störung. Sein Verteidiger hatte auf eine Bewährungsstrafe von einem Jahr plädiert, die Staatsanwaltschaft auf ein Jahr und vier Monate. Das Urteil des Amtsgerichtes ist bereits rechtskräftig.

Wie viele "Prepper" gibt es in Augsburg?

Allzu auffällig oder relevant war die „Prepper“-Szene in der Region bislang noch nicht: Im Freistaat sind nur einige wenige „Prepper“ aktenkundig. Der 49-jährige Beschuldigte, der versucht haben soll, sich illegal Waffen zu besorgen, ist demnach eher eine Ausnahme.

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