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Augsburg

16.01.2015

Anna Tabak - die Zielstrebige

27 Jahre alt und voller Tatendrang: Anna Tabak ist Studentin und Politikerin. Am liebsten arbeitet sie, ohne durch allzu feste Parteistrukturen behindert zu werden.
Bild: Anne Wall

Gemeinsam mit Peter Grab verließ Anna Tabak die Bürgervereinigung Pro Augsburg und gründete eine neue. Die 27-Jährige erzählt über sich und die Zusammenarbeit mit Peter Grab.

Anna Tabak, die neue Vorsitzende des Bürgervereins „WSA – Wir sind Augsburg“, ist gerade einmal 27 Jahre alt. Dennoch ist sie kein Neuling mehr in der Politik. Viele Jahre war sie Mitglied der Jungen Union, engagierte sich bei der CSU. „Über einen Bekannten bin ich dazu gekommen. Mich hat das Organisieren von Aktionen und Veranstaltungen interessiert, viel mehr als ein mögliches politisches Amt“, sagt sie. Deshalb lehnte sie auch dankend ab, als man ihr bei den Kommunalwahlen 2008 einen Listenplatz für Neusäß anbot. „Da habe ich Abitur geschrieben und hatte anderes im Sinn“, sagt sie.

Anna Tabak lernt gewissenhaft und engagiert sich in der Politik

Anna Tabak ist wissbegierig und zielstrebig. Mit zehn Jahren kam sie mit ihren Eltern und Großeltern aus der Ukraine nach Augsburg. Sie besuchte die fünfte Klasse dreimal. „Zuerst war ich in der Übergangsklasse, dann auf der Hauptschule und dann bin ich aufs Holbein-Gymnasium gewechselt“, erzählt sie. Ihre Eltern seien mit ihr nach Deutschland gegangen, um ihr ein besseres Leben zu ermöglichen. „Wie man an den Geschehnissen der jüngsten Zeit sieht, war das die richtige Entscheidung.“

Anna Tabak will sie deshalb auch nicht enttäuschen und lernt gewissenhaft: Nach dem Abitur und einem Auslandsjahr an einer High School im US-Bundesstaat Michigan ergriff sie in Augsburg das Studium der Rechtswissenschaften. Parallel engagierte sie sich weiter in der Politik – ihr Glück fand sie bei der CSU aber nicht. „Die Strukturen sind mir dort zu fest vorgegeben“, sagt sie. Querelen und Lagerkämpfe hätten sie zudem abgeschreckt, so Tabak.

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Als sie im Sommer 2013 auf einer Veranstaltung den damaligen Kulturreferenten und Dritten Bürgermeister Peter Grab kennenlernte, traf sie auf jemanden, der ihre Lust an der politischen Arbeit erkannte und förderte. Es ging alles sehr schnell: Zwei Monate später war sie Mitglied von Pro Augsburg, bekam einen guten Listenplatz für die Kommunalwahl und gründete „Junges Augsburg“, die Jugendorganisation der Bürgervereinigung.

„Diese Herausforderung, von Null an etwas aufzubauen, hat mir gefallen. Da konnte ich mein Ding machen“, sagt sie, stürzte sich in ihre Aufgabe und warb 20 neue Mitglieder. Für sie war es eine aufregende Zeit: Im Frühjahr 2014 lernte sie tagsüber für ihr erstes Staatsexamen, am Abend war sie auf Wahlkampftour und absolvierte unzählige Termine – immer an der Seite von Peter Grab.

Tabak über Grab: "Das ist eine rein platonische Freundschaft"

Dass es wilde Spekulationen über eine mögliche Beziehung zwischen ihnen gab und immer mal wieder gibt, ist ihr egal. „Wir verstehen uns freundschaftlich sehr gut. Das ist aber eine rein platonische Freundschaft“, betont sie. Sie würden einfach gut zusammenarbeiten, sich gegenseitig in ihrer politischen Arbeit unterstützen. „Ich übernehme dabei den konservativen Part“, sagt sie und lacht.

Die vergangenen Wochen und Monate waren turbulent. Nach einem guten Wahlergebnis („das hat mich sehr gefreut und bestätigt“) stürzt sie sich in die Arbeit. Gemeinsam mit Peter Grab organisierte die Rechtsreferendarin die „Demonstration für den Frieden“ auf dem Rathausplatz im Juli 2014, als der Nahost-Konflikt auch in Augsburg für Spannungen sorgte.

Viel Zeit für die Umsetzung ihrer Ziele blieb ihr bei Pro Augsburg aber nicht. Als nach den Missbrauchsvorwürfen ein Ausschlussverfahren gegen Peter Grab vonseiten des Vereinsvorstands eingeleitet wurde, verließ sie genauso wie Peter Grab den Verein. „Ich war unzufrieden. Natürlich nicht nur, wie man ohne Not mit ihm umgegangen ist, denn nach den Statuten hätte man entgegen den Behauptungen des Vorstandes gar kein Ausschlussverfahren einleiten müssen. Außerdem fühlte ich mich auch ausgebremst. Ich bin ein Mensch mit vielen Ideen und investiere gerne Zeit und meinen ganzen Einsatz, aber ich möchte dann auch, dass meine Arbeit Früchte tragen kann und nicht immerzu blockiert wird“, sagt sie. Nach dem Austritt der beiden verließen knapp 40 weitere Mitglieder die Gruppierung.

Inzwischen stellte die Staatsanwaltschaft das Ermittlungsverfahren gegen Peter Grab ein. Anna Tabak, die nie einen Zweifel an seiner strafrechtlichen Unschuld hatte, schmiedete mit ihm sofort wieder neue Pläne: Anfang Januar wurde der Verein „WSA – Wir sind Augsburg“ ins Vereinsregister eingetragen. Anna Tabak und Zeljka Katic sind Vorsitzende, nun bekleidet die 27-Jährige also doch ein politisches Amt. „Die Idee der Bürgervereinigung gefällt mir sehr gut. Darin kann man gut arbeiten, ohne durch zu feste Parteienstrukturen behindert zu werden.“ Nun befindet sie sich wieder in derselben Lage wie im vergangenen Jahr. Tagsüber lernt sie für ihr zweites Staatsexamen, am Abend sorgen die Planungen der neuen Bürgervereinigung für Abwechslung. „Wenn ich nur zu Hause lernen würde, dann würde ich irgendwann durchdrehen. Das ist für mich der richtige Ausgleich.“

Wenn Peter Grab Ende Januar bei der ersten Mitgliederversammlung seinen Antrag auf Mitgliedschaft abgeben wird, dann wird sie ihn als Vorsitzende gerne annehmen. Neben ihrem politischen Engagement will sie künftig als Juristin in der freien Wirtschaft arbeiten. „Und natürlich will ich einmal eine eigene Familie gründen. Familie steht bei mir an erster Stelle.“

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