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Natur

16.04.2019

Anwohner sind trotz Taubenturm genervt

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Sabina Gaßner

Rund um das Schwabencenter sorgen die Vögel und ihre Hinterlassenschaften für Ärger. Seit 2018 soll ein Turm ihnen eine neue Heimat bieten. Doch das funktioniert nicht von heute auf morgen

Tauben sind seit Ewigkeiten schon Dauergäste rund um die Haltestelle Schwabencenter-West der Straßenbahnlinie 6 im Augsburger Stadtviertel Herrenbach. Was die Anwohner daran stört, ist der Dreck, den sie hinterlassen. Vor allem von den Balkonen der Wohnanlagen ringsum fühlen sich die Tiere offenbar magisch angezogen und brüten dort sogar unentwegt. Im vergangenen Jahr errichtete die Stadt in der Nähe einen Taubenturm, um der Plage Herr zu werden. Doch aus Sicht der Anwohner ist dieser Versuch bislang eher misslungen.

Zumindest nimmt die Aufregung kein Ende – wie auch. Während mancher beim Anblick von Tauben ein paar Körner aus der Jackentasche kramt und füttert, sieht ein anderer vor allem den Dreck, den sie infolgedessen fallen lassen. Sabina Gaßner, Geschäftsführerin des Tierschutzvereins, gibt jedoch eines zu bedenken: „Das Problem ist hausgemacht“, um nicht zu sagen „menschengemacht“. Die Tauben seien für Hochleistung gezüchtet worden, was bedeutet, dass „sie brüten, brüten, brüten“.

Sabina Gaßner und Tierpflegerin Andrea Strauß unterscheiden zwischen der gemeinen Haustaube und der Wildtaube. Die Wildtaube, die vielleicht aufgrund ihres anhaltenden Gegurres an den Nerven zerre, brüte nur zweimal im Jahr. Die anderen zeichnen sich wie im Herrenbach durch eine extreme Standorttreue aus, weshalb dort nach Schätzung des Tierschutzvereins bis zu 200 der Vögel zu finden und kaum zu vertreiben sind. Und wenn sie ihre Brut mit Erfolg an einem Platz aufgezogen haben, dann kommen sie immer wieder. Ihnen gelingt es zum Leidwesen der Anwohner stets aufs Neue, Jungtiere auf den Balkons in der Wilhelm-Hauff-Straße durchzubringen. Seit im vergangenen Jahr der Taubenturm an der Einmündung Alter Heuweg/Heinestraße in Betrieb ging, wird viel Aufwand getrieben, um die Belästigung der Anwohner im Schwabencenter und angrenzenden Wohnanlagen zu minimieren.

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Die Idee: Der Turm und das dort angebotene Futter sollen Tauben anlocken. Wenn sie Eier legen, werden diese durch Mitarbeiter des Tierschutzvereins gegen Attrappen ausgetauscht, um die Population zu kontrollieren. Das ist das Ziel dieses Taubenprojekts – das in Augsburg mittlerweile an 13 Standorten praktiziert wird.

Der Taubenturm im Herrenbach hat nach Erfahrung von Sabina Gaßner nicht den besten Standort. Denn er steht an prominenter Stelle, wo die Straßenbahn um die Kurve quietscht, viele Schulkinder aus der Herrenbachschule vorbeikommen und außerdem Bus und Autos vorbeirollen. Wichtig aber sei den Vögeln Ruhe. „Tauben brauchen Frieden“, sagt Sabina Gaßner. Leider werde der Standort an der Haltestelle Schwabencenter-West auch missbraucht – es wird illegal Nahrung ausgestreut oder das Holz des Turms mit Graffiti beschmiert.

Sabina Gaßner nennt die Tauben der Stadt und deren fachkundige Betreuung „ein eher kleines Projekt“. Dankbar ist sie, dass die sogenannte Taubenplage von der Stadt nicht restriktiv behandelt wird. Wenn illegal gefüttert werde, dann gebe es vielleicht einmal ein Bußgeld. Der Tierschutzverein liefere regelmäßig „vernünftiges Futter“. Dazu zählen, wie es heißt, Mais, Sonnenblumenkerne, Gerste und Erbsen. Zur Verfügung stehe dem Tierheim auch eine Tierärztin, die Pfleger wie Andrea Strauß oder Tamara Hofmann bei Bedarf konsultieren können.

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