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Augsburg

18.12.2018

Anwohner verärgert: Plötzlich ein Mobilfunkmast vor dem Fenster

Um diesen Mobilfunkmast im Univiertel auf einem Haus in der Josef-Priller-Straße geht es: Anwohner wunderte sich, dass der Mast plötzlich aufgebaut wurde – und dass sie man sie vorher informiert hätte.
Bild: Klaus Rainer Krieger

Eine Augsburgerin fragt sich, warum in ihrer Nachbarschaft ein neuer Mobilfunkmast aufgestellt werden darf. Die Stadt geht davon aus, dass es künftig mehr Standorte geben wird.

Als Regina D. neulich daheim in Haunstetten aus dem Fenster schaute, konnte sie kaum glauben, was sie sah: Auf einem Studentenwohnheim in der Josef-Priller-Straße, das gegenüber dem Mehrfamilienhaus steht, in dem sie wohnt, montierten Arbeiter gerade einen Mobilfunkmasten. Als Nachbarin wusste sie vorher nichts davon und fragt sich jetzt: „Ist es üblich in der Stadt Augsburg, dass in einem Wohnviertel innerhalb einiger Stunden den Bewohnern ein Mobilfunkmast vor die Nase gesetzt werden darf?“

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Mit dem Handy telefonieren will so gut wie jeder. Aber Regina D., die ihren Familiennamen nicht in der Zeitung lesen will, ist nicht die Einzige, die sich fragt, wo eigentlich Mobilfunkmasten aufgestellt werden dürfen. Auch andere Augsburger ärgern sich über neue Masten in ihrer Nachbarschaft. Und einige machen sich Sorgen, wer sich am Ende um die Einhaltung und Überwachung der Strahlengrenzwerte kümmert. Wir haben bei der Stadt nachgefragt, welche Vorschriften gelten.

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Einer Sprecherin in der Pressestelle teilt mit, nach der Bayerischen Bauordnung sei für die Errichtung von Mobilfunkmasten bis zu einer Höhe von zehn Metern in der Regel keine Baugenehmigungsverfahren erforderlich. Der neue Mobilfunkmast auf dem Studentenwohnheim in der Josef-Priller-Straße misst nur 9,90 Meter. Trotzdem war für ihn doch eine Genehmigung erforderlich.

Der Grund: Er steht in einem allgemeinen Wohngebiet, in dem solche Anlagen nur ausnahmsweise zulässig sind. Nach Angaben der Stadt wurde die Genehmigung im Juli erteilt, auch die Untere Immissionsschutzbehörde sei eingebunden gewesen. Weil es in dem Wohngebiet viele betroffene Nachbarn gibt, sei die Baugenehmigung öffentlich bekanntgemacht worden. Nun steht er also, der neue Mobilfunkmast in der Josef-Priller-straße. Aber wer kümmert sich darum, ob die Strahlengrenzwerte eingehalten werden? Im städtischen Umweltreferat verweist man darauf, dass die Einhaltung der in der Bundes-Immissionsschutzverordnung über elektromagnetische Felder geregelten Grenzwerte durch die Bundesnetzagentur kontrolliert werde. Dazu würden in einer sogenannten Standortbescheinigung die Sicherheitsabstände in horizontaler und vertikaler Richtung ermittelt. Die Ermittlung erfolge bei maximaler Auslastung und unter Berücksichtigung anderer Mobilfunkanlagen in der Nachbarschaft, so die Stadt. Grundsätzlich gehen die Fachleute im Umweltreferat davon aus, dass Mobilfunkmasten auf Dächern exponiert stehen. Aufgrund der exponierten Standorte, einem horizontalen Sicherheitsabstand von in der Regel zehn bis 20 Metern und einer starken Reduzierung der Feldstärke mit zunehmendem Abstand, sei eine deutliche Unterschreitung der gültigen Grenzwerte sichergestellt, auch in Bereichen, die dem dauernden Aufenthalt dienen.

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Und wie weit ist das Mobilfunknetz in Augsburg aktuell ausgebaut? Kommen noch viele weitere masten dazu? Nach Angaben des Umweltreferats sind derzeit 203 aktive Anlagen gemeldet, und zwar bei für die Erfassung von Hochfrequenzanlagen zuständigen Bundesnetzagentur. Fachleute der Stadt gehen davon aus, dass die Zahl der Mobilfunkmasten in Augsburg weiter zunehmen wird. Der weitere Ausbau des bestehenden Mobilfunknetzes werde wegen der rasant steigenden Anforderungen und der geplanten 5G-Mobilfunktechnik auch zu einer Verdichtung des Mobilfunknetzes führen. Wie viele zusätzliche Standorte dazu nötig sind, könne momentan noch nicht prognostiziert werden. Bei Regina D. zeichnet sich aber schon ganz konkret die weitere Entwicklung ab. „Gerade haben wir vom Umweltamt erfahren, dass noch ein zweiter Mast in der Nachbarschaft kommt“, sagt Regina D.

Informationen über die 203 städtischen Mobilfunk-Standorte können auf der Karte für Funkanlagen im Internet über den Link emf3.bundesnetzagentur.de/karte/Default.aspx abgerufen werden.

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18.12.2018

Im durchschnittlichen Haushalt, mit WLAN und schnurlosem Festnetz per DECT, ist die Strahlenbelastung wesentlich höher alleine dadurch, als der mögliche Eintrag aus Mobilfunkmasten in der Nähe. Wir haben diese Technologien inzwischen seit Jahrzehnten (!) im weltweiten, flächendeckenden Einsatz. Es gibt keinen Beleg für eine Schädigung, wenn die Grenzwerte eingehalten werden. Bei Milliarden betroffener Menschen und 20 Jahre WLAN, 30 Jahre Mobilfunktelefonie im Alltag, hätte es längst einen Beleg für grundsätzliche Gefahren gegeben, würden diese existieren. Ich erlaube mir die Bemerkung, dass der Stress und die Sorgen, die sich viele Bürger über dieses Thema machen, für die persönliche Gesundheit wesentlich schädlicher sind.

Die Ironie ist übrigens: je weniger Masten aufgestellt werden, desto stärker muss der einzelne Mast funken, aber auch umgekehrt, je mehr Standorte das Mobilfunknetz hat, desto schwächer funkt die einzelne Zelle. Rein sachlich sind also möglichst viele Standorte bzgl der örtlichen Belastung insgesamt vorzuziehen.

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