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Augsburg

08.05.2019

Anwohner wehren sich gegen geplante Mehrfamilienhäuser

Inmitten von Einfamilien- und Reihenhäusern steht in der Ifenstraße bereits ein Mehrparteienhaus. Nun sollen zwei weitere gebaut werden. Die Anwohner wehren sich.
Bild: Silvio Wyszengrad

Plus Im Augsburger Stadtteil Hochzoll sind Anwohner der Meinung, dass sich die Gebäude nicht ins Viertel einfügen. Solche Konflikte wird es künftig wohl öfter geben.

Wenn Klaus Wiegand aus dem Fenster seines Reihenhauses in Hochzoll-Süd schaut, dann blickt er auf ein neu gebautes Mehrfamilienhaus, mehrere Einfamilienhäuser und viel Grün aus den umliegenden Gärten. Das soll sich in naher Zukunft ändern. Dagegen laufen Wiegand und seine Nachbarn Sturm.

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In der Ifenstraße wollen Bauträger-Unternehmen zwei weitere Mehrfamilienhäuser errichten. Mit bis zu acht Wohnungen sind es zwar keine riesigen Blocks, aber sie werden massiger sein als die Einfamilien- und Reihenhäuser. „Es droht ein Verlust von Gärten und Grünflächen, verbunden mit einer ,Verblockung’ des bisher eher aufgelockerten Erscheinungsbildes in unserer Nachbarschaft. Das passt überhaupt nicht zu uns ins Viertel rein“, sagt Wiegand, der eine Bürgerinitiative gegründet hat. Mehr als 60 Unterschriften hat er inzwischen.

Immer wieder klagen Nachbarn gegen eine Baugenehmigung

Das Problem, das Wiegand und seine Nachbarn haben, wird sich in Augsburg künftig wohl häufiger stellen. Nachverdichtung lautet eines der Zauberwörter, wenn es darum geht, wie in Augsburg neue Wohnungen entstehen können, ohne dass flächenverbrauchende neue Baugebiete am Stadtrand ausgewiesen werden. Meist konzentriert sich die Entwicklung auf Industriebrachen, doch inzwischen rücken immer wieder auch große Grundstücke mit älteren Einfamilienhäusern in den Fokus von Bauträgern. Speziell in Hochzoll gibt es mehrere derartige Vorhaben. Nachbarn fürchten dann Verschattung, mehr Verkehr und den Blick auf Mauern statt auf Grün.

Anwohner wehren sich gegen geplante Mehrfamilienhäuser

Vor dem Verwaltungsgericht kommt es immer wieder vor, dass Nachbarn gegen eine Baugenehmigung der Stadt klagen. Zuletzt ging es um ein Häuschen in Pfersee, auf dessen Nachbargrundstück ein Mehrfamilienhaus errichtet werden soll. Die Baugenehmigung, so Richterin Ingrid Linder, sei rechtens gewesen, auch wenn das Häuschen künftig wie auf einer Insel zwischen Mehrfamilienhäusern stehe. „Nachverdichtung trifft zunehmend auch kleinere Grundstücke“, so Linder. Im städtischen Bereich müsse man andere Entwicklungen hinnehmen als auf dem Dorf.

In den Ifenstraße steht bereits ein Mehrfamilienhaus: Wie es damals lief

Die Rechtslage bei den Vorhaben in der Ifenstraße ist ein wenig anders, aber die Stadt wird die beiden Häuser wohl genehmigen. In neueren Vierteln ist über einen Bebauungsplan klar geregelt, was geht und was nicht geht. Der Großteil der Stadt – so auch das Viertel in Hochzoll-Süd – besteht aber aus älteren Vierteln, für die es beim Bau vor 50 oder 100 Jahren noch keinen Bebauungsplan gab. Dann muss im Einzelfall entschieden werden, ob sich der geplante Neubau in die Bestandsbebauung einfügt oder nicht.

Wann wird aus dicht zu dicht?
Bild: Silvio Wyszengrad

Das Problem in Hochzoll: Vor einigen Jahren wurde in der Ifenstraße schon ein Mehrfamilienhaus gebaut, und zwar mit Zustimmung der Nachbarn. „Wir haben somit einen Bezugsfall“, sagt Peter Sterz, Leiter des Bauordnungsamtes. Man könne den jetzigen Bauherren die Genehmigung wohl kaum verweigern, nachdem man das andere Gebäude vor Jahren schon genehmigte. Anwohner Klaus Wiegand entgegnet, dass es damals ein Fehler gewesen sei, die Unterschrift für den Bau auf dem Nachbargrundstück zu leisten. Man habe nicht bedacht, dass ein Gebäude mit Flachdach massiver wirke als eines mit klassischem Satteldach.

Bauen in Augsburg: Das Thema Nachverdichtung sorgt für Diskussionen

Politisch könnte das Thema aber noch nicht erledigt sein. Bei der Bürgersprechstunde am Mittwochabend in Hochzoll (Rudolf-Diesel-Gymnasium, 18 Uhr) mit Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU) und seiner Stadtregierung wird das Thema wohl hohe Wellen schlagen. Zuletzt waren auch mehrere Stadträte in Hochzoll, um sich ein Bild von der Situation zu machen.

Im Bauausschuss des Stadtrates sagte Eva Leipprand (Grüne) zuletzt, dass sich die Stadt grundsätzlich Gedanken machen müsse, wie sie mit dem Thema umgehe: „Momentan muss nur die Oma sterben, die im Einfamilienhaus gelebt hat, und schon steht ein Investor da und will ein Mehrfamilienhaus bauen.“ Das werde das Stadtbild grundsätzlich verändern. Auch Beate Schabert-Zeidler (Pro Augsburg) sagt, dass locker bebaute Stadtteile künftig unter Druck kämen. „Die Erben wollen keine großen Gärten mehr.“ SPD-Fraktionschef Florian Freund wies darauf hin, dass man dem Flächenfraß in Bayern auch etwas entgegensetzen müsse. „Das ist der Preis, dass wir in der Stadt dichter wohnen.“

Lesen Sie dazu unseren Kommentar: Nachverdichtung: Das Gesicht der Stadt verändert sich

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Die Diskussion ist geschlossen.

08.05.2019

So ist es nunmal,

jeder fordert mehr bauen, aber nicht dort wo ich wohne.

Jeder ist für Umweltschutz, aber ich verzichte nicht.

Dazu gibt es jede Menge andere Beispiele.

Pflegeeinrichtungen, Kitas ja, aber nicht in meiner Umgebung usw.

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