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Augsburg

24.02.2015

Archäologen entdecken Augsburgs älteste Holzgefäße

Bei den Ausgrabungen unter dem ehemaligen Pow Wow haben Archäologen Augsburgs älteste Holzschale aus dem 13. Jahrhundert gefunden.
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Bei den Ausgrabungen unter dem ehemaligen Pow Wow haben Archäologen Augsburgs älteste Holzschale aus dem 13. Jahrhundert gefunden.
Bild: Silvio Wyszengrad

Bei den Ausgrabungen unter dem ehemaligen Pow Wow haben Archäologen Augsburgs älteste Holzschale aus dem 13. Jahrhundert gefunden.

Eigentlich hätten sich an den Holzstücken schon längst irgendwelche Mikroorganismen satt fressen müssen. Sie hatten immerhin fast 800 Jahre Zeit, um die Stämme und Brettchen in bloße Erde zu verwandeln. Doch wenn sich die Archäologen am Moritzplatz in den Augsburger Boden graben, finden sie neben dunkler feuchter Erde praktisch laufend Dinge, die es gar nicht mehr geben dürfte. Neulich war ein unscheinbares Kränzchen aus Holz dabei, das aber eine echte Rarität ist.

Was jetzt in einem Viereck aus Holzstämmen in der Erde liegt, stand früher auf dem Tisch. „Das sind die ältesten Holzgefäße aus Augsburg“, sagt Stadtarchäologe Sebastian Gairhos. Die flache Schüssel wurde aus Holzdauben, kleinen Brettchen, gefertigt – ähnlich wie ein Fass, aber viel flacher.

Dünne Ruten hielten die Teile zusammen. Solche Gefäße gab es in allen Größen und für viele Zwecke: „Es gab Bottiche für Handwerker oder für Milch und Trinkgefäße“, sagt Gairhos. Und sie gab es in rauen Mengen. „Aber in der Regel finden wir nichts mehr davon“, sagt Gairhos. Unter dem ehemaligen Pow Wow am Moritzplatz ist das anders.

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Ausgrabung an der Baustelle Maxstraße.
Bild: Silvio Wyszengrad

Auf der Baustelle für das Wohn- und Geschäftshaus Max23 am Judenberg tauchen immer wieder Holzfunde auf. Neben den kleinen Teilen sind es aktuell auch dicke Stämme, die womöglich aus dem 12. Jahrhundert stammen könnten. Das genaue Alter müssen Fachleute noch bestimmen, doch sie sehen auf jeden Fall nicht so aus, als ob sie seit 800 Jahren in der Erde vergraben sind. Das liegt an der besonderen Bodensituation am östlichen Rand der Hochterrasse.

In der Maximilianstraße finden sich häufig historische Funde

Die Maximilianstraße ist nicht erst seit gestern eine bevorzugte Adresse. Auch in der Vergangenheit bauten die Augsburger lieber oben in der Stadt, sagt Gairhos. Um die Fläche an der heutigen Maxstraße zu vergrößern, wurde der Hang später aufgeschüttet. In dem Material war offenbar auch Lehm enthalten, der dafür sorgte, dass die Erde immer schön feucht war und den Sauerstoff vom Holz fernhielt, so Gairhos.

In diesem historischen Biotop konnten die Stämme, Holzschalen und auch Lederstücke die Jahrhunderte überdauern. In der Erde finden sich neben Tierknochen auch Obstkerne. Sie können in Zukunft einen Blick auf den Speiseplan des Mittelalters ermöglichen.

Die Archäologen prüfen jedes Fundstück genau.
Bild: Silvio Wyszengrad

Die Archäologen wollen die Frucht-Überreste analysieren lassen. Auch nach acht Jahrhunderten könnten sie dann sagen, was es damals zu essen gab. Es gibt zwar viele schriftliche Quellen aus dieser Zeit, doch so alltägliche und banale Dinge wie das Mittagessen haben die wenigen Menschen, die schreiben konnten, in der Regel nicht festgehalten, sagt Gairhos. Mithilfe der Funde und historischen Aufzeichnungen wollen die Wissenschaftler am Ende das Leben im mittelalterlichen Augsburg genauer beschreiben. Was sie freut, ist für den Bauherren ein Geduldsspiel.

Stadtsparkasse wird der Hauptmieter des zukünftigen Gebäudes

Die Firma Eser & Conform wollte den Neubau Mitte des Jahres 2015 fertig haben. Doch die Grabungen, die der Bauherr bezahlen muss, dauern länger. Sie hatten im April 2014 begonnen und werden noch einige Monate weitergehen. Eser & Conform will demnächst mit einem Teil des Baus beginnen. Auf der Fläche zum Moritzplatz hin, die bereits abgesucht ist, soll begonnen werden. Dort will als Hauptmieter die Stadtsparkasse einziehen.

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